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Stipendien: Im Fokus der Politik

Wirtschaftswissenschaften: 19 039 Studierende an Universitäten, davon 6322 weiblich respektive 6653 ausländisch.

Die Schweiz hatgenügend Gelder, von denen auch Studierende profitieren ­können. Es ist jedoch strittig,ob die Kantone verantwortlichbleiben oder der Bund es wird.

Von Helga Wienröder
am 05.12.2012

Die Haltung der Initiative des Verbandes der Schweizer Studierenden (VSS) ist klar: «Die Schweiz braucht ein Stipendiensystem, das allen Bürgern und Bürgerinnen prinzipiell eine Ausbildung ermöglicht. Kantonale Ausbildungsbeihilfen werden schweizweit nach uneinheitlichen Vorgabekriterien und mit unterschiedlichen Beitragsgrössen vergeben. Damit hängt der Erhalt von Unterstützungsbeiträgen in erster Linie vom Wohnkanton ab und nicht von der tatsächlichen finanziellen Situation.»

Bei den Kantonen sind grosse Unterschiede bezüglich der Höhe der Gesamtbeiträge und des Anteils an der betroffenen Bevölkerung festgestellt worden. Die von den Kantonen vergebenen Stipendien variieren durchschnittlich zwischen 18 Franken (Schaffhausen) und 91 Franken pro Einwohner (Jura).

200 oder 500 Millionen Franken?

Der Bund befürchtet bei einer Übernahme der Verantwortung jedoch weit­reichende finanzielle Konsequenzen – die Rede ist von einer halben Milliarde Franken. Gegenwärtig verteilen die Kantone jährlich rund 175 Millionen Franken an die Studenten im tertiären Bildungsbereich. Der Jahresbeitrag des Bundes da­gegen liegt bei rund 25 Millionen Franken. Laut ihm bestreiten nur 6 Prozent aller Schweizer Studierenden ihren Lebensunterhalt mit Ausbildungsbei­trägen – 55 Prozent mit Zuwendungen der Familie, 36 Prozent mit eigener Erwerbstätigkeit und 3 Prozent durch Anderes.

Der bundesrätliche Gegenvorschlag zur sogenannten Stipendieninitiative sieht vor, dass die Unterstützung auch weiterhin in der Kompetenz der Kantone bleibt. Im vergangenen Jahr erhielten so die ­Bezüger aus dem Waadtland rund 9000 Franken, in Neuenburg lediglich 3800 Franken, Zürich und Bern lagen mit 8378 beziehungsweise 7211 Franken im oberen Bereich, denn die Mehrheit der Kantone gewährt Stipendien von durchschnittlich 5000 bis 7000 Franken. Aus ­diesem Grund fordert der Verband der Schweizer Studierendenschaften (VSS), dass die Vergabe der Stipendien und ­deren Höhe durch den Bund landesweit vereinheitlicht werden soll.

Eva Flick von der Fachstelle für Stu­dien­finanzierung der Universität St. Gallen kennt die Voraussetzungen und Schritte, um in den Genuss eines Stipendiums zu kommen. «Die Eltern sind grundsätzlich im ersten Schritt für die Finanzierung der Ausbildung ihrer Kinder zuständig. Wenn diese die Ausbildung nicht finanzieren können, ist der zuständige Wohnkanton Ansprechpartner für ein Stipendium. Die HSG als Ausbildungsstätte trägt nur sub­sidiär an der Finanzierung eines Studiums für Studierende der HSG bei. Zwingend erforderlich ist bei Inländern, dass zuerst ein Antrag beim jeweiligen Wohnkanton gestellt wird und die finanziellen Verhältnisse der Eltern dokumentiert und nachgewiesen werden können. Je nach Situa­tion der Studierenden können sie sich um ein Stipendium und/oder zinsgünstiges Studiendarlehen aus dem Darlehens- und Stipendienfonds der HSG ­bewerben. Dagegen können ausländische Studierende keine Stipendien über den Kanton beantragen, Ausländer mit der Niederlassungsbewilligung C gehören ­jedoch zu den ­Bildungsinländern. Über den Darlehens- und Stipendienfonds der HSG ist dies ­jedoch möglich, in der Regel jedoch erst ab dem 2. Semester auf Masterstufe. Bei jedem Gesuch von Studierenden über den Darlehens- und Stipendienfonds wird persönlich mit der Beratungsstelle für ­Studienfinanzierung ein Gespräch geführt. Diese Voraussetzungen gelten in der Regel an anderen Universitäten und Hochschulen.»

Subsidiäre Rolle der Universitäten

Zur Bewertung eines Gesuchs stehen bei allen Universitäten die guten Noten und die Bedürftigkeit im Zentrum, so auch an der ETH Zürich. In den letzten beiden Studienjahren hat die Eidgenössische Technische Hochschule 100 Stipendien an Bildungsinländer vergeben. Die Voraussetzung, zuerst zwingend ein Gesuch bei dem Wohnkanton einzureichen, gilt hier ebenfalls strikt. Dazu Silvia Biedermann vom Stipendiendienst des Rektorats der ETH Zürich: «Unsere Stipendien sind immer – wie bei anderen Universitäten auch – subsidiär zu den eigenen Finan­zierungsmöglichkeiten. Die ETH gleicht mit ihren Stipendien die grossen Unterschiede aus, die aus den kantonalen Stipendiengesetzgebungen resultieren.»

Die ETH Zürich hat im Laufe ihres Bestehens mehrere Schenkungen erhalten, die explizit für Stipendien einzusetzen sind. Die Namen der Schenker werden aus Datenschutzgründen nicht bekannt gegeben. In gewisse Fonds zahlen auch alle Studierenden einen definierten Beitrag über Semestergebühren. Dazu reserviert die ETH Zürich jährlich auch einen Betrag aus ihrem ordentlichen Budget für Stipendien. Die gute Nachricht ist: «Die ETH hat genug Geld, um Studierende, die nach ­unseren Kriterien stipendienberechtigt sind, zu unterstützen», sagt Biedermann. Nicht immer werden die Namen der Stifter geheim gehalten, vor allem wenn an die Vergabe Bedingungen geknüpft sind. Ein Beispiel ist die Moriz und Elsa von Kuffner-Stiftung, welche als Ergänzung zu kan­tonalen und/oder privaten Stipendien längstens über sechs Jahre ausgerichtet ist.

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