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Subventionen: Gefördert und gefordert

Ranking: Zu den bekanntesten MBAHitparaden zählen die von «Financial Times» und «The Wall Street Journal».

Konzerne beteiligen sich weiterhin an MBA-Kursen ihrer ­Angestellten. Vorausgesetzt, sie passen in den Karriereplan und bringen den Betrieben auch etwas.

Von Matthias Niklowitz
am 14.09.2011

Peter Meister, im mittleren Kader ­einer Zürcher Bank mit Ambitionen auf den nächsten Karriereschritt ­tätig, erklärt: «Ich wollte einen MBA mit Schwerpunkt Marketing machen, aber sie haben mir lediglich die Unterstützung für einen normalen Executive MBA sowie diese als Teil des Bonus zugesagt und dafür mehr Zeit für die Kurse angeboten.»

Laut Fachleuten bei den Universitäten, die solche Kurse anbieten, ist das eine nicht unübliche Entwicklung: Die Firmen zahlen zwar die teuren Ausbildungen weiter zumindest partiell mit, aber sie erwarten von ihren Angestellten auch mehr. «Denn die Beteiligung der Arbeitgeber bei solch teuren Weiterbildungen ist auch immer etwas Verhandlungssache», fasst ein Experte ­zusammen. Eine kleine Umfrage bei Betrieben bestätigt dieses Bild.

«Sofern eine Weiterbildung Sinn macht und in einem direkten Zusammenhang mit der Funktion, den Aufgaben oder dem Karrierepotenzial der Mitarbeiter steht, beteiligt sich die Vontobel-Gruppe an den entsprechenden Kosten», sagt Sprecher Reto Giudicetti. Jedes Gesuch wird hier ­individuell geprüft und beurteilt. Grössere Veränderungen gab es bei der Zürcher Privatbank nicht. Die kostenintensiven Weiterbildungsgesuche werden unverändert restriktive bewilligt oder unterstützt.

«Externe Weiterbildungen ergänzen unser internes Angebot vor allem bei fachlichen Lehrgängen», heisst es bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB). Bildungsgänge mit General-Management-Ausrichtung gibt es hier für das Top-Kader im Rahmen von Executive-MBA-Programmen. Viele Spezialisten, etwa in der Informatik, werden bei ihrer beruflichen Weiterbildung ebenso unterstützt. Bei der ZKB wurde auf dem Hintergrund der ausdifferenzierten Weiterbildungsmöglichkeiten die Handhabung von finanziellen Beteiligungen vereinheitlicht. «Wir unterstützen unsere Mitarbeiter in externen Weiterbildungslehrgängen, verlangen aber immer auch eine Mitbeteiligung selbst bezüglich zeit­lichen und finanziellen Engagements.»

Gelockerte Ansätze bei Versicherungen

MBA-Kurse konkurrieren auch immer mit den firmeneigenen Weiterbildungs­angeboten. «Bei Zurich hat jeder Mitarbeiter einen individuellen Entwicklungsplan», sagt Tim Harman, Group Head Talent Management, Learning & Leadership Development. «Ein MBA kann in Einzelfällen Bestandteil dieses Plans sein. Unser Fokus liegt aber ganz klar auf der internen Weiterentwicklung unserer Mitarbeiter und auf den bestehenden Leadership-­Development-Programmen, die ganz spezifisch auf die Bedürfnisse von Zurich und auf unsere Strategie ausgerichtet sind.»

Swiss Life unterstützt Angestellte, die einen MBA machen wollen. «Der Mit­arbeiter, die Vorgesetzten sowie das HR regeln eine allfällige Unterstützung in einer Vereinbarung. Der Antrag muss dann von der Geschäftsleitung genehmigt werden», sagt Sprecher Dajan Roman. Jeder Angestellte beziehungsweise jedes Kader­mit­glied mit entsprechendem Potenzial kann von der finanziellen Förderung profitieren. Swiss Life beteiligt sich zu zwei Dritteln an den Kosten. «Die Unterstützung ist wie üblich an eine Ausbildungsvereinbarung geknüpft: Die Mit­arbeiter verpflichten sich, nach dem ­Abschluss der Ausbildung für mindestens zwei Jahre bei Swiss Life zu bleiben. Ist dies nicht der Fall, ­erfolgt eine Rückzahlung pro rata.»

Bei AXA Winterthur staffelt man die Verpflichtungsdauer. Erhält der Arbeitnehmer eine Zusage für eine Ausbildung unter 5000 Franken, egal ob funktions­spezifisch oder nicht, übernimmt die Versicherung immer die vollen Kosten, ohne weitere Verpflichtungen für den Arbeitnehmer. Übernimmt AXA Winterthur zwischen 5000 und 15000 Franken, muss sich der Arbeitnehmer zu einem weiteren Jahr Tätigkeit verpflichten. Bei einer Kostenbeteiligung zwischen 15000 und 30000 Franken beträgt die Verpflichtung zwei Jahre, darüber sind es drei Jahre. «AXA Winterthur hat keine spezielle Regelung für den Besuch und die Finanzierung eines MBA», sagt Sprecherin Karin Gnehm, «die Regeln entsprechen dem übrigen Weiterbildungs­konzept.» Dieses basiert auf einem Entwicklungsplan. Wenn dieser eine funk­tionsspezifische Ausbildung vorsieht, übernimmt die Gruppe 100 Prozent der Kosten. «Wünscht der Mitarbeiter eine Ausbildung, die ebenfalls im Interesse der Funktion ist, jedoch nicht funktionsspezifisch, zahlt AXA Winterthur einen Anteil an die Ausbildung. «Wie viel das ist, entscheidet der jeweilige Vorgesetzte.» Auch bei AXA Winterthur gab es eine Veränderung der Aus- und Weiterbildungspolitik. «Neu ist, dass die Weiterbildungsentscheidung nicht mehr nur im Ermessen des direkten Vorgesetzten liegt, sondern dass die Richtlinien nun allgemein festgelegt wurden.»

Technologie und Telekom unverändert

«HP hat globale Programme, die externe­ Aus- und Weiterbildung unterstützen», sagt Sprecherin Marisa Steiner, «die Unterstützung beinhaltet Arbeitszeit und finanzielle Beiträge.» Die Höhe der Beteiligung hängt von den Leistungen des Mitarbeiters, dem jeweiligen Entwicklungspotenzial, dem Gang der Geschäfte allgemein und dem zwischen Angestelltem und Vorgesetztem vereinbarten Weiterbildungs- und Karriereplan ab. «Neben diesen erwähnten Parametern ist im Falle eines MBA insbesondere die Einsatz­möglichkeit der erworbenen Fähigkeiten mit ausschlaggebend. Vorrang haben Programme, die mit den angestrebten Karrierezielen übereinstimmen.» Veränderungen gab es hier in den letzten Jahren nicht, heisst es beim globalen IT-Konzern weiter.

«Swisscom hat keine generellen Richtlinien speziell für MBA-Programme, dies hat sich auch in den letzten Jahren nicht verändert», sagt Sprecherin Annina Merk. Swisscom unterstützt es, wenn sich ihre Mitarbeiter fortbilden wollen. «Wie bei ­jeder externen Aus- und Weiterbildung richtet sich die Höhe der finanziellen und zeitlichen Beteiligung nach dem Unternehmensnutzen und der jeweiligen Funktion des Mitarbeiters. Dies wird jeweils ­individuell mit dem Mitarbeiter angeschaut.» Entscheidend für eine Weiterbildung seien das Interesse des betroffenen Mitarbeiters sowie seine Ziele und Wünsche betreffend Laufbahnentwicklung. Dies wird jeweils gemeinsam mit dem Vorgesetzten angeschaut und besprochen. «Wenn es aus unternehmerischer Sicht sinnvoll ist, unterstützt Swisscom auch Weiterbildungen, die nicht direkt mit dem aktuellen, aber vielleicht mit einem künftigen Arbeitsbereich bei Swisscom zu tun haben können», führt man beim Telekomriesen weiter aus. Das Interesse an MBA-Weiterbildungen ist hier in den ­letzten Jahren stabil geblieben.

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