Die Weiterbildung der Universität Zürich (UZH) wird von fünf kleinen Büros am Hirschengraben aus gesteuert. Hier ist die Fachstelle für Weiterbildung untergebracht, deren Leiterin Alexandra Müller zusammen mit ihrem Team verschiedene Kundengruppen betreut: Zum Ersten Leute, die sich für eine Weiterbildung interessieren; zum Zweiten universitäre Institute, die ein Weiterbildungsprogramm führen beziehungsweise anbieten möchten, und zum Dritten die Gremien der Universität, für die sie Geschäfte vorbereitet.

Die Fachstelle wurde Mitte der 1990er-Jahre aufgrund einer Bundesinitiative gegründet und ist seit 1996 eine Institution der Universität Zürich. Ihr angeschlossen ist das Zentrum für Weiterbildung an der Schaffhauserstrasse, in dem die Kurse und Studiengänge durchgeführt werden.

Keine Quersubventionen

Die Universität Zürich sieht ihr Weiterbildungsangebot laut Müller nicht als Instrument, um Zusatzgewinn zu generieren. «In Relation zum Gesamtumsatz der UZH mit ihren 26000 immatrikulierten Studierenden ist der Umsatz der Weiterbildungsprogramme gering. Die Weiterbildung gehört jedoch zum Auftrag der Universität Zürich und wird auch im Leitbild und in den strategischen Zielen erwähnt. Gewisse Gruppen, wie zum Beispiel angehende Psychotherapeuten, sind auf eine universitäre Fortbildung angewiesen.» Zudem würden Weiterbildungsprogramme vielen Instituten die Möglichkeit des Kontakts mit der Praxis bieten: Sie seien wichtige Plattformen, um das durch die Forschung erworbene Wissen an die Öffentlichkeit zu bringen und mit der Praxis im Austausch zu stehen.

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Der Gewinn aus den Weiterbildungsprogrammen geht also nicht an die UZH selbst (diese zieht lediglich 5 Prozent Overhead des Gesamtumsatzes ab), sondern an die anbietenden Institute. «Jedes Programm ist wie eine kleine Firma, die Reserven für schlechtere Zeiten anlegt. Es ist also nicht so, dass beispielsweise ein gewinnbringendes Programm ein anderes quersubventionieren würde», sagt Müller.

Auch für die Themen der Weiterbildungsprogramme sind die einzelnen Institute verantwortlich. «Die Zusammensetzung des Angebots ist vom Engagement und von der Initiative der einzelnen Lehrstühle abhängig», so Müller. Die Fachstelle für Weiterbildung schaue, ob sich ein vorgeschlagenes Thema für die Zielgruppe der Universität eigne. Danach überprüfe eine Weiterbildungskommission, ob eine Marktabklärung vorliege und Synergien innerhalb der Universität genutzt würden, und gebe schliesslich eine Empfehlung an die Fakultät und die universitären Leitungs­gremien ab.

Ob ein Programm akzeptiert werde, hänge zum Teil auch vom Weiterbildungsangebot der anderen Schweizer Universitäten ab, denn man wolle sich gegenseitig nicht kannibalisieren: «Die Leiter und ­Leiterinnen der Weiterbildungsstellen der Schweizer Hochschulen treffen sich etwa dreimal jährlich. Wenn uns ein Institut ein Programm vorschlägt, das bereits von ­einer andern Universität angeboten wird und dessen Zielgruppe nicht genügend gross für zwei Programme ist, sagt man das. Es besteht aber die Möglichkeit, das Programm gemeinsam anzubieten und auch die Titel gemeinsam zu vergeben.» Beim Programm Public Health arbeiten beispielsweise die Universitäten Zürich, Bern und Basel zusammen. Kooperationen gibt es auch bei einem Master of Advanced Studies (MAS) in Kognitiver Verhaltenstherapie und bei fünf Certificates of Advanced Studies (CAS). «In einem Fall bieten wir den Studiengang gemeinsam mit einer Fachhochschule an», sagt Müller. Mit der ETH Zürich gebe es keine zusätzliche Absprache bezüglich des Weiterbildungsangebots, dieses sei ­jedoch in der Regel so ausgerichtet, dass es dasjenige der Universität Zürich eher ­ergänze als konkurriere.

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Eine Wettbewerbssituation entstünde dagegen zum Teil durch die Weiterbildungsangebote der Fachhochschulen. Zwar seien deren Programme stark berufsorientiert, während die universitäre Weiterbildung wissenschaftliche Weiterbildung mit Berufsbezug und Praxisrelevanz sei und nicht ganz dieselbe Zielgruppe anspreche. Dennoch sei Werbung notwendig: «Wir versuchen, das Gesamtangebot zu bewerben und darauf hinzuweisen, dass die Universität Zürich auch Weiterbildungsprogramme anbietet.» Dies geschehe meist in Printmedien; im September gebe es jeweils einen Info-Abend, in dessen Vorfeld verstärkt auch Werbung in Trams gemacht würde, und seit zwei Jahren sei die Fachstelle für Weiterbildung auch an der Bildungsmesse im Hauptbahnhof Zürich präsent.

Das umfassende Angebot – die Universität Zürich bietet jährlich über 50 Studien­gänge und knapp 40 Kurse an – wird im Jahresprogramm abgedruckt. 2011/2012 werden erstmals die Programme «Exe­cutive Master in Art for Market Studies», ­«Parodontologie», «International Tax Law», «Sprachdidaktik Arabisch, Chinesisch oder Japanisch» sowie «Gerontopsycho­logie» angeboten. Einige Programme für Medizinerinnen und Mediziner seien noch in der Pipeline. Die Programme richten sich an Leute mit Hochschulabschluss auf Master-Stufe (wobei der Master einer Fachhochschule als gleichwertig gilt) und Berufserfahrung. In Ausnahmefällen können auch Personen mit einer gleichwer­tigen Qualifikation sowie mit spezifischer Berufserfahrung aufgenommen werden. Ein MAS kostet total zwischen 20000 und 65000 Franken und ein CAS total zwischen 3600 und 15800 Franken; ein Kurs beläuft sich auf 170 bis 1000 Franken pro Tag.

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Kein Wachstumszwang

2011 wurden an der Universität Zürich knapp 40 Kurse mit 1350 Teilnehmern durchgeführt und 200 MAS, 73 DAS (Di­ploma of Advanced Studies) und 205 CAS vergeben. Die Abschlüsse MAS, DAS und CAS sind in der gesamten Schweiz (und bald auch an der Universität Freiburg im Breisgau) anerkannt; in Europa sind die Bezeichnungen anders. Um Transparenz sowie Vergleichbarkeit zu schaffen, werden die Studiengänge mit den internationalen ECTS-Punkten bewertet.

Eine Herausforderung für die Weiterbildung an der Universität Zürich sei es, kostendeckend zu sein, meint Alexandra Müller abschliessend. Es gebe eine breite Palette an Themen, die sehr interessant, aber nicht unbedingt karriererelevant ­seien und die nicht ins Programm auf­genommen würden, weil die Zielgruppe zu klein oder kaum bereit wäre, dafür so viel Geld zu investieren.

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Pläne oder Massnahmen, das Weiterbildungsangebot der Universität Zürichzu vergrössern, gebe es derzeit keine: «Doch die Erfahrung zeigt, dass das Angebot kontinuierlich wächst.»

Neue Angebote werden unter den Schweizer Universitäten abgesprochen, um sich nicht gegenseitig zu kannibalisieren.

 

Universität Zürich: Die grösste Hochschule der Schweiz

Geschichte
Die Universität Zürich ­wurde 1833 als Universitas Turicensis eröffnet. Sie war die erste Hochschule Europas, die nicht von einem Landesfürsten oder der Kirche, sondern von einem demokratischen Staatswesen gegründet wurde.

Gegenwart
Heute sind rund 26 000 Studierende an der grössten Hochschule der Schweiz immatrikuliert,die mit rund 100 Fächern in sieben ­Fakultäten über das landesweit umfangreichste Studienangebot verfügt. Die Universität Zürich ist Mitglied der League of European Research Uni­versities (LERU) und gehört damitzu den führenden Forschungsuniver­sitäten Europas.

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Geschäft
Der konsolidierte Gesamt­umsatz der Universität Zürich betrug im Geschäftsjahr 2010 über 1180 Mil­lionen Franken. Dies entspricht gegenüber dem Vorjahr einer Steigerung von 20 Millionen Franken (plus 1,7 Prozent). Ein Grossteil des Wachstums war auf höhere Beiträge des Schweizerischen Nationalfonds (plus 11,7 Millionen Franken), der anderen Kantone (plus 5,4 Millionen Franken) sowie des Bundes (plus 3,0 Millionen Franken) zurück­zuführen. Der Beitrag des Kantons ­Zürich lag mit 562,5 Millionen Franken hingegen auf dem Niveau des Vorjahres. Per 31. Dezember 2010 waren ­insgesamt 76x70 Personen für die ­Universität Zürich tätig, davon 522 Professoren.

 

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