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Gleichstellung
Weibliche Weichenstellung

Daria Erkhova (24)

Während Gymnasiastinnen und Studentinnen oft die Mehrheit stellen, sind Frauenin leitenden Funktionen unterrepräsentiert. Das könnte sich an der Universität Zürich bald ändern.

Von Norman C. Bandi
am 24.04.2013

Die Gymnasien und die Universität im Kanton Zürich sind fest in Frauenhand. Jedenfalls wenn es um Schülerinnen und Studentinnen geht. Von den 3300 Jugendlichen, die kürzlich die Aufnahmeprüfung an ein Zürcher Gymnasium bestanden haben, sind 1820 Mädchen. Von den rund 27000 Studierenden an der Universität Zürich sind über 15 000 weiblich. Ähnlich sieht die Differenz bei den Eintritten sowie den Abschlüssen aus. War vor zehn Jahren mit jeweils 1200 Absolventinnen und Absolventen die Quote gleich hoch, standen letztes Jahr knapp 3200 Absolventinnen bloss 2400 Absolventen gegenüber.

Mit fortschreitender akademischer Karriere nimmt die Dominanz des ­neuen starken Geschlechts ab. Die ­Rektorate der Zürcher Gymnasien sind zu drei Vierteln männlich. An der ­Universität Zürich gibt es mit etwas mehr als 1200 nicht einmal halb so viele Dozentinnen wie Dozenten. Besonders auf Hochschulstufe finden sich selten Professorinnen in leitenden Funk­tionen. Eine grosse Ausnahme bildete Heidi Wunderli-Allenspach, die von 2007 bis 2012 Rektorin der ETH Zürich war. Mit ihrer Ernennung wurde erstmals seit Bestehen des Polytechnikums eine Frau Mitglied der Geschäftsleitung. Dafür bringt es hier der Anteil der Studentinnen nicht auf einen Drittel.

Schon bald könnte die Limmatstadt jedoch wieder eine Hochschulchefin haben. Als Kronfavoriten für die Nachfolge von Andreas Fischer als 83. Rektor der Universität Zürich sind noch eine Frau und ein Mann im Rennen – beides interne Kandidaten: Andrea Schenker-Wicki (53) und Michael Hengartner (46). Schen­ker ist seit 2001 Ordentliche Professorin für Betriebswirtschaft und Direktorin des Executive MBA. Seit 2012 ist sie ­zudem Prorektorin Rechts- und Wirtschaftswissenschaften. Hengartner ist seit 2001 Ordentlicher Professor für ­Molekularbiologie. Seit 2009 ist er zudem Dekan der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät. Andrea Schenker-Wicki wäre übrigens die zweite Rektorin der grössten Schweizer Hochschule. Die Physikerin Verena Meyer war aber nur 1982/1983 im Amt.

Nun muss der Senat der Universität Zürich bestimmen, ob er einer Öko­nomin oder einem Molekularbiologen den Vorzug gibt. Er wird am 29. Mai 2013 zusammentreten und eine richtungsweisende Empfehlung abgeben. Dem Senat gehören als stimmberechtigte Mitglieder die Professorinnen und Professoren der Universität Zürich an sowie je eine Delegation der Privat­dozie­renden, der Assistierenden und der Studierenden. Die eigentliche Wahl wird daraufhin der Universitätsrat treffen, voraussichtlich in seiner nächsten Sitzung vom 24. Juni 2013.

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