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Bankpersonalverband SBPV
Sozialpartnerschaft auf dem Prüfstand

Peter-René Wyder, Präsident des Bankpersonalverbandes.
SBPV-Präsident Peter-René Wyder: «Attraktive Arbeitsplätze mit fairen Arbeitsbedingungen bleiben wichtige Themen.»Quelle: ZVG

Der Bankpersonalverband SBPV feiert sein 100-jähriges Bestehen. SBPV-Präsident Peter-René Wyder spricht über die Höhen und Tiefen der Sozialpartnerschaft und über die Bedeutung des SBPV.

Von Werner Rüedi
am 17.04.2018

Hundert Jahre SBPV. Was gibt es da zu feiern?

Peter-René Wyder: Wir haben viel erreicht. Bereits 1920 erreichten wir einen Gesamtarbeitsvertrag. Und in neuerer Zeit sind Lohnerhöhungen, Reduktion der Arbeitszeit, Einführung des 13. Monatslohnes und ein Branchenmindestlohn von 56 000 Franken pro Jahr nur einige wichtige Meilensteine, welche der SBPV erreicht hat.

 

Warum braucht es den SBPV aber heute noch?

Weil sich das Banking in den letzten 20 Jahren stark verändert hat. Angelsächsisch geprägtes Investmentbanking und Shareholder-Value-Denken haben eine starke Kulturveränderung gebracht, mit horrenden Erwartungen an Eigenkapitalrenditen und mit teilweise unhaltbaren Bonussystemen. Die Digitalisierung verändert die Bankenwelt, dieser Prozess läuft und wird weiter voranschreiten. Davon sind nicht nur die Geschäftsmodelle der Banken und der Umgang mit den Kunden, sondern in einem erheblichen Mass auch die Angestellten betroffen. Deshalb braucht es uns ...
 

... und die Sozialpartner.

Richtig. Die Sozialpartnerschaft im Finanzsektor hat etliche Höhen und Tiefen erlebt, im Allgemeinen dann, wenn soziale Umwälzungen und Krisen herrschten. Wir befinden uns im Moment wieder in einer solchen Phase. Deshalb brauchen die Angestellten im Finanzsektor neue Schutzmassnahmen. Solche, die vor allem die Arbeitsplatzsicherheit für ältere Mitarbeitende betreffen und auch den Gesundheitsschutz beinhalten, und es braucht auch neue Regelungen in Bezug auf Weiterbildung. Für uns ist wichtig, dass eine faire Verteilung der Arbeit erfolgt, das heisst, dass nicht nur Wenige immer mehr leisten, sondern dass die Arbeit auf Viele verteilt bleibt.
 

Können Arbeitszeitreduktionen helfen?

Es wird sich zeigen, ob dies in Zukunft zu generellen Arbeitszeitreduktionen führen muss. Die Arbeitsbedingungen werden aber weitere Flexibilisierungsschritte in Richtung Teilzeitarbeit und Homeoffice mit sich bringen.
 

Was nicht per se schlecht sein muss.

Nein. Wichtig bleibt jedoch, dass auch bei diesen Arbeitsformen der Gesundheitsschutz der Mitarbeitenden, die künftig unregelmässiger arbeiten oder für mehrere Arbeitgeber tätig sein werden, weiterhin hohe Prio­rität hat. Immer wichtiger wird auch der Datenschutz, da mit digitalen Arbeiten eine umfassende Überwachung und Leistungsbemessung möglich wird, was in dieser Absolutheit abzulehnen ist. Wir sind wachsam, denn seit der Finanzkrise 2008 und im Zuge der Digitalisierung wird in vielen Banken restrukturiert, häufig verbunden mit Stellenabbau.
 

Es entstehen aber auch neue Arbeitsplätze.

Das anerkennen wir selbstverständlich. Allerdings ist es so, dass diese neuen Jobs oft andere Tätigkeitsprofile aufweisen. In dieser Situation ist es unbedingt notwendig, dass die Angestellten mittels Weiterbildung arbeitsmarktfähig bleiben und dass auch älteren Mitarbeitenden Chancen mit speziellen Stellenprofilen geboten werden. Dem sich abzeichnenden Fachkräftemangel muss so entgegengetreten werden.
 

Und wenn das nicht möglich ist?

Bei einem unumgänglichen Stellenabbau sind in der Branche anständige Sozialpläne, die auch mit den externen Sozialpartnern ausgehandelt werden, üblich. Dabei steht das Verbleiben im betroffenen Institut in einer neuen Funktion oder die Suche nach einer externen Lösung heute mehr im Vordergrund als eine möglichst hohe Abgangsentschädigung.
 

Höre ich da einen klassenkämpferischen Unterton heraus?

Der SBPV ist sehr pragmatisch unterwegs. Aufgrund der funktionierenden Sozialpartnerschaft bestehen in der Bankbranche reelle Chancen, den überwiegenden Teil der Belegschaft erfolgreich in die neue Arbeitswelt zu transferieren. Es muss unbedingt verhindert werden, dass Mitarbeiter ohne Perspektive vorzeitig aus dem Arbeitsprozess ausscheiden, denn diese «Abgehängten» sind Einzelschicksale, die dem Image der ganzen Branche schaden und die als Abstimmungsbürger zu radikalen Entscheiden neigen, die keine wirklichen Lösungen bringen.

 

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