Die meisten Marketingangestellten sind Profis, wenn es darum geht, ein Produkt zum Publikum zu bringen. Wie es um ihr Selbstmarketing bei Lohnverhandlungen und der Festlegung des eigenen Bonus steht, ist nicht bekannt. Sicher ist, dass die Erwartungen an Lohn und Bonus für das Jahr 2020 relativ hoch sind. «78 Prozent der befragten Marketing- und Vertriebskandidaten erwarten im nächsten Jahr eine Gehaltserhöhung», sagt Christian Atkinson, Director von Robert Walters Schweiz, einer Personalvermittlungsfirma. Noch höher ist die Erwartung an einen Bonus: «81 Prozent erwarten eine Bonuszahlung», so Atkinson.

Die hohen Erwartungen dürften sich aber eher nicht erfüllen, denn die Marketinggehälter bleiben relativ stabil, so der Personalexperte. In den letzten Jahren hat die Marketingbranche – wie die meisten anderen Branchen übrigens auch – nur Lohnsteigerungen von etwa 1 Prozent pro Jahr realisieren können.

KMU oder Konzern

Deutlich merkbare Sprünge, wie sie etwa vor 2009 möglich und üblich waren, lassen wohl auch 2020 auf sich warten. Nur eine Sparte könnte sich auf signifikant mehr Lohn freuen: Es handelt sich um spezialisierte und digitale Marketingpositionen, wie etwa der E-Commerce-Manager und der Digital-Marketing-Manager, die von allen Firmen gesucht werden, ­deren Kompetenzen aber noch nicht so verbreitet sind wie klassische Marketingtechniken. Kurz gesagt: Im E-Commerce-­Marketing geht die Party weiter, die anderen müssen sich gedulden.

Immerhin: Auf Kaderstufen sind die Marketinglöhne immer noch relativ ansehnlich. Ein Leiter Marktforschung kann auf Seniorstufe im Durchschnitt 207'000 Franken erreichen, so die Lohndaten der Compensation-Beratungsfirma Kienbaum für das Jahr 2019.

Um so einen hohen Lohn realisieren zu können, muss der Betroffene aber in einer grossen Firma mit mehr als 1000 Mitar­beitenden beschäftigt sein. In KMU bis 500 Mitarbeitenden sind für einen Leiter Marktforschung im Durchschnitt 173'000 Franken drin. Auf dem mittleren und niedrigeren Mana­gementlevel kommt gemäss den Kienbaum-Daten kein Marktforschungsleiter über 160'000. Ein Ausreisserwert in der Tabelle im Lower Management ist wohl mit zu wenig Datensätzen in der Kategorie und einem hochbezahlten Einzelfall zu erklären.

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Im Berufsbild des Leiters Produkt­management schaffen es ebenfalls nur ­Senior-Manager mit Arbeitsplatz in einem Konzern mit mehr als 1000 Mitarbeitenden über die 200'000 Franken und erreichen ein Salär von 210'000. In kleineren Firmen mit weniger als 500 Mitarbeitenden bleibt man als junger Leiter Produktmanagement ohne Senior-Rolle bei etwa 112'000 Franken hängen. Im mittleren ­Management geht die Lohnspanne von 129'000 Franken bei sehr kleinen Firmen bis zu 169'000 bei sehr grossen.

Besser sieht es da schon für den Marketingchef einer Firma aus. Hat er erst einmal das Senior Level, also mindestens zwanzig Jahre Berufserfahrung erreicht, springt er locker über 200'000 Franken, und das auch bei relativ überschaubaren Firmen mit 100 oder 500 Mitarbeitenden.

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Die Löhne in grossen Firmen mit mehr als 1000 Mitarbeitenden unterschieden sich hier gar nicht so extrem von den KMU, was die Stärke der Schweizer KMU-Landschaft unterstreicht. Und sie müssen wohl auch viel zahlen, um gute Leute zu behalten. Denn auf den tieferen Kaderstufen zahlt sich für alle, die Marketingchef werden wollen, ein Wechsel zu einem grösseren Unternehmen unbedingt aus. Hier sind Sprünge von mindestens 15'000 Franken drin, wenn man vom KMU zum Konzern wechselt, und dieses Niveau behält man dann meist auch auf höheren Stufen.

Wichtig: Frühe Lohnsprünge

Grundsätzlich gilt: Marketingleute, die viel verdienen wollen, müssen relativ früh deutliche Lohnsprünge machen. Alle, die später als Chef arbeiten möchten, sollen wie schon erwähnt schnell zu Konzernen wechseln. Auf dem Toplevel muss man dann auch bei einem Wechsel zu einem erfolgreichen KMU nicht unbedingt Lohneinbussen in Kauf nehmen. In späteren Jahren sind die Sprünge bei jenen, die immer im gleichen Unternehmen geblieben sind, hingegen sehr überschaubar – wenn man nicht durch eine digitalaffinere Person ersetzt wird. Hier unterscheiden sich die Marketingexperten nicht von Experten anderer Branchen.

Als Marketingchef mit Erfahrung kommt man natürlich auch in den Genuss einer Bonuszahlung. Auf Senior-Ebene bekommen 96 Prozent eine. Im Median springen für den Marketingchef damit am Ende des Jahres noch einmal 27'000 Franken raus. Firmenwagen werden hingegen nur wenigen Marketingmanagern gestellt, selbst auf dem Senior-Level haben 81 Prozent keinen. Mit wenig Erfahrung liegt die Chance, dass man einen Wagen kriegt, bei 2 Prozent.

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Der Leiter des Produktmanagements, der sich um alles – Produktgestaltung, Verpackung, Pricing, Verkaufsförderung und Vertriebsmassnahmen – kümmert, bekommt ebenfalls fast nie einen Firmen-wagen. Der Bonus beziehungsweise der Anteil der variablen Vergütung bewegt sich von um die 12'000 Franken bei wenig Erfahrung bis 23'000 Franken auf dem Senior-Level.

Bonus von 13'000 bis 28'000 Franken

Die etwas strategisch ausgerichtetere Rolle des Leiters Marktforschung, der für die Implementierung von Marketingplänen, Konzeption und Umsetzung von strategischen Ideen zuständig ist, profitiert ebenfalls von Bonuszahlungen von 13'000 bis 28'000 Franken – je nach Erfahrung, aber nur selten einen Firmenwagen. Die Pauschalspesen bewegen sich bei etwa 726 Franken pro Monat auf Senior-Level, ein Wert, der mit den anderen Marketingberufen auf Kaderniveau vergleichbar ist.

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Und wie sieht es auf den noch tieferen Stufen aus? Etwa bei einem Marketingspezialisten, der ein ausgewiesenes Fachwissen, aber keine Kaderposition hat? Hier sind mit viel Erfahrung 139'000 Franken drin, eine Stufe darunter gibt es 119'000 Franken. Ein Junior darf sich über 102'000 Franken freuen. Aber wohl nur, wenn er über eine Spezialisierung, etwa im Bereich E-Commerce oder Ähnliches verfügt.

Absturzgefahr bei Generalisten

Der gewöhnliche Produktmanager ohne Kaderfunktion bekommt als Junior weniger als 100'000 Franken, kann es aber auch ohne Führungsverantwortung – und wohl bei einem entsprechend erfolgreichen Produkt – auf etwa 148'000 Franken schaffen. Christian Atkinson von Robert Walters sieht Absturzgefahr bei den Löhnen vor allem bei sehr generalistischen Kandidaten, die keine besondere Spezialisierung in Zukunftsfeldern aufweisen können: «Sehr generalistische Kandidaten verdienen möglicherweise unterdurchschnittlich.» Bei den spezialisierten hingegen, siehe E-Commerce, dürfte es weiter nach oben gehen.

Atkinson sieht bei den Marketingangestellten und Kaderleuten aber auch grundsätzlichere Trends der Salär- und Benefitpolitik spielen. So würden etwa bessere Vereinbarkeit von Beruf und -Familie an Bedeutung gewinnen. «Die wichtigsten Motivationsfaktoren in diesem Bereich sind einerseits Vergütung und Sozialleistungen, aber auch eine gute Work-Life-Balance, die Chance, eine Position mit Verantwortung zu erreichen, und grundsätzlich ein interessanter Arbeitsalltag.