Wie geht ein Chef mit Gefühlen, die er bei Kündigungen aus wirtschaftlichen Gründen hat, am besten um?
Daniel Nordmann: Die Ankündigung der Entlassung ist eine doppelte Herausforderung: Chefs stehen vor einer der schwierigsten Führungsaufgaben ihrer Karriere – und die Mitarbeitenden erhalten eine Botschaft, die sie meist in eine persönliche Krise stürzt. Viele Verantwortliche werden sich im Zusammenhang mit der Corona-Krise «frei von Schuld» fühlen. Doch aus der Sicht gekündigter Mitarbeitenden sieht das anders aus. Sie sehen ihre Vorgesetzten als persönlich verantwortlich. Haben diese doch an Entscheiden mitgewirkt, dass gerade sie gekündigt werden. Eine gute Vorbereitung, gemeinsam mit Peers und Spezialisten, ist daher wichtig und hilfreich.

Darf er sich mit seinen Gefühlen befassen oder muss der Fokus komplett auf der oder dem Gekündigten liegen?
Er muss sich mit seinen Gefühlen befassen. Sonst besteht die Gefahr, dass diese während des Kündigungsgesprächs hochkommen. Und etwas vom Schlimmsten ist, wenn Vorgesetzte gegenüber Gekündigten von den eigenen Schwierigkeiten mit der Massnahme sprechen. Am besten überbringen die Vorgesetzten die Botschaft persönlich und unter vier Augen: direkt, kurz und präzise. Danach halten sie die Reaktion der Betroffenen aus, hören aufmerksam zu, argumentieren nicht und nehmen Fragen und Anliegen auf. Im Anschluss an das Gespräch stellen sie sicher, dass der Input der Betroffenen rasch geklärt und begründet beantwortet wird.

Was sind die häufigsten Reaktionsmuster von gekündigten Mitarbeitenden?
Die Reaktionen sind unterschiedlich. Untersuchungen beschreiben Geschockte (sie schweigen nach vielleicht einem Satz), Selbstbeherrschte (also scheinbar Coole), Aufbrausende (mit spontanem Ausdruck von Wut und Ärger) oder Verhandelnde. Alle Reaktionen ausser physischer Gewalt scheinen mir in dieser extremen Situation okay.

Sie schrieben in Ihrem Beitrag für das Buch «Angewandte Psychologie für Führungskräfte» von einer Trennungskultur, die eine Firma haben muss. Was verstehen Sie darunter?
Eine Kollektiventlassung kann die Unternehmenskultur nachhaltig beeinflussen. So können Aussagen zur Wertschätzung der Arbeitnehmenden durch die Art und Weise eines Stellenabbaus geradezu dementiert werden. Dann besteht die Gefahr, die Besten unter den Verbleibenden zu verlieren. Spiegelt das Vorgehen jedoch die propagierte Wertschätzung, kann das Zugehörigkeitsgefühl bei den Verbleibenden durchaus gestärkt werden.

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Daniel Nordmann ist Co-Autor des Ratgebers «Angewandte Psychologie für Führungskräfte».

Quelle: ZVG