Was sich wie eine neue Bescheidenheit ausnimmt, kommt in der sich anbahnenden wirtschaftlichen Düsternis gerade recht: Neue CEOs müssen sich oft mit einem tieferen Salär ­abfinden als ihre Vorgänger. Beispiel Staatsbetriebe. Vincent Ducrot, der im April in den Führerstand der SBB trat, wird rund 20 Prozent weniger verdienen als Andreas Meyer. 2019 kam Meyer trotz gekürztem Bonus, weil nicht alle Unternehmensziele erreicht wurden, noch immer auf knapp eine Million Franken jährlich. Neu sollen Fixlohn und Boni nur noch 800 000 Franken betragen, wie VR-Präsidentin Monika Ribar im Herbst in einem Interview sagte.

Auch Postchef Roberto Cirillo muss sich mit weniger bescheiden. ­Während Susanne Ruoff teils die Millionenmarke überschritt, verdiente Cirillo in seinem ersten Amtsjahr mit dreimonatiger Einarbeitungsphase rund 693 000 Franken. Künftig dürfte das Gehalt etwas höher sein, doch Präsident Urs Schwaller betonte vor einem Jahr, der Lohn werde unter einer Million Franken liegen.

Auf die Lohnbremse drückte auch der Industriekonzern ABB. Neo-Chef Björn Rosengren wird mit maximal 9,35 Millionen Franken zwar noch immer fürstlich entlohnt, Vorgänger Ulrich Spiesshofer konnte jedoch bis zu 12  Millionen Franken einstreichen. Und während der Zielwert bei Spiesshofer bei 7,58 Millionen Franken lag, sind es bei Rosengren noch 5,95 Millionen Franken.

Frühere Lohnexzesse bei Novartis

Von früheren Lohnexzessen ist die Basler Pharma abgerückt: Der ehemalige Novartis-Chef Daniel ­Vasella kassierte 2006 im Doppelmandat ein Rekordgehalt von 44 Millionen Franken. Nachfolger Joe ­Jimenez kam 2017 noch auf eine Vergütung von 13,1 Millionen und der aktuelle Novartis-Chef Vas Narasimhan auf 10,6 Millionen Franken.

Dem Vernehmen nach dürfte auch der designierte UBS-Chef Ralph Hamers kaum an Sergio ­Ermottis Lohn von 14 Millionen Franken herankommen. Im Vergleich zu den Wall-Street-Bankern ist das fast schon massvoll – Goldman-Sachs-Chef David Solomon steigerte 2019 seinen Lohn um 4  Millionen auf 24,7 Millionen Dollar.

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Lohnrückgang auch in Deutschland

Der Rückgang ist allerdings nicht ­allein ein Schweizer Phänomen.

Beim deutschen Softwareriesen SAP etwa sorgte der Lohn des im Ok­tober zurückgetretenen CEO Bill McDermott schon länger für Diskussionen. In seinem letzten Jahr kam er auf mehr als 15 Millionen Euro. Seinen Nachfolgern, den zu Co-Chefs beförderten SAP-Kadern Jennifer Morgan und Christian Klein, flossen nicht mal zwei Millionen zu – da sie erst im Herbst übernahmen, dürften sie künftig zwar mehr verdienen. Das Salär von ­McDermott werden die erste Frau an der Spitze eines DAX-Konzerns und ihr Kollege aber kaum bekommen.