Die Doppelbelastung durch Erwerbsarbeit einerseits und Kinderbetreuung und Hausarbeit andererseits beeinflusst die Karriereentscheidungen von Frauen mit Hochschulabschluss in der Schweiz noch immer stark. In einer neuen Studie gaben mehr als ein Drittel der befragten Frauen an, sie würden bei besseren Rahmenbedingungen ihr Arbeitspensum erhöhen.

Das Potenzial an hochqualifizierten Frauen werde heute in der Schweiz nicht ausgeschöpft, schreibt das Forschungsinstitut Sotomo in der am Dienstag veröffentlichten Erhebung.

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Zwar gebe es heute bei den 25- bis 64-Jährigen ebenso viele Frauen wie Männer mit einem Universitäts- oder Fachhochschulabschluss, heisst es in der Studie. Tatsächlich sei der Anteil der hochqualifizierten Frauen zwischen 2010 und 2019 von 18 auf 29 Prozent gestiegen, jener der hochqualifizierten Männer weniger stark von 23 auf 30 Prozent. Doch lediglich 40 Prozent der Arbeitsstunden würden von Frauen geleistet.

Die Schere öffnet sich dabei erst, sobald für Frauen die Gründung einer Familie aktuell wird. Bei der Altersgruppe der 25- bis 29-Jährigen unterscheidet sich der Beschäftigungsgrad von Frauen mit Hochschulabschluss nicht von jenem hochqualifizierter Männer. Die Studie spricht in diesem Zusammenhang von einem "Erwerbsbeteiligungsknick".

Frauen mit Hochschulabschluss erhöhen demnach ihr Arbeitspensum häufig nicht mehr, sobald die Kinder grösser sind. Was die Gründe dafür angeht, sind sich die befragten Männer und Frauen einig, dass sich längere Unterbrechungen negativ auf die berufliche Laufbahn auswirken.

Ein weiterer Punkt ist das Mindestpensum: Die befragten Frauen gehen im Durchschnitt davon aus, dass jemand mindestens 55 Prozent arbeiten müsse, um den Beruf "richtig" ausüben zu können. Die befragten Männer schätzen das erforderliche Pensum im Durchschnitt etwas höher, auf 65 Prozent.

Geteilte Verantwortung für Kinder und Haushalt zählen

Laut der Studie hat die Politik Spielraum, im Kampf gegen den Fachkräftemangel die Erwerbsbeteiligung hochqualifizierter Frauen zu erhöhen. 37 Prozent der Frauen gaben in der Befragung an, bessere und flexiblere Betreuungsstrukturen würden direkt dazu beitragen, dass sie mehr Erwerbsarbeit leisten würden. 25 Prozent wünschten sich bessere steuerliche Bedingungen für Zweiteinkommen. Ebenfalls für ein Viertel der Befragten wären finanzielle Anreize für die Fremdbetreuung der Kinder ein wichtiger Faktor.

Die Befragung zeigt zudem, dass auch die Situation zuhause eine wichtige Rolle spielt - und dass Männer und Frauen die Situation unterschiedlich sehen. Für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie wäre eine geteilte Verantwortung für den Haushalt und die Kinder hilfreich, sagten 63 Prozent der Frauen – aber nur 35 Prozent der Männer. Nirgendwo sei der Einschätzungsunterschied grösser, betonen die Studienautoren.

Das Forschungsinstitut Sotomo befragte für die Studie im Auftrag des Schweizerischen Verbands der freien Berufe (SVFB) über 5700 Frauen und Männer mit Hochschulabschluss. Zudem werteten die Forschenden Daten der schweizerischen Arbeitskräfteerhebung für die Jahre 2010 bis 2019 aus.

(sda/me)