Warum haben Sie Google verlassen und 2015 die Xoogler-Gemeinschaft gegründet?
Ich war 8,5 Jahre lang bei Google beschäftigt. Ich wollte schon immer Unternehmer sein, schon damals in der Universität, als ich eine Firma gegründet hatte. In der Google-Zentrale in Mountain View arbeitete ich mit Risikokapitalfirmen sowie Startups, die mit Google kooperieren. In meiner Tätigkeit hatte ich viel mit Unternehmen wie Uber, Lyft und anderen zu tun. Dabei zeigte sich, wie sehr sie zusätzliche Fahrer suchten, aber Uber-Fahrer sagten mir, dass sie nicht genug Geld verdienen. Daher habe ich eine Meta-Suchmaschine für Jobs entwickelt, damit die Fahrer mehr Geld verdienen können. Das war der Grund, Google zu verlassen.

Als ich weg war, realisierte ich, dass ich viele Kontakte bei Google hatte, die für Gründer hilfreich wären. Und auch viele Googler wollten Startups helfen. Also, warum sollten wir nicht die Ex-Googler und die Googler zusammenbringen? So habe ich Xoogler.co gegründet, damit sich Googler, Ex-Googler und Investoren vernetzen. Wir haben mittlerweile 6'800 Mitglieder.

Was konnten Sie bei Google nicht erreichen, jedoch in einem Startup?
Mein Startup war eine Recruiting-Plattform, daran war Google nicht interessiert. Das war weit weg von Googles Kernaufgabe und den Produkten, die der Konzern anbot. Es gab zwar eine gewisse Zusammenarbeit, aber es war damals nicht Googles Plan, eine Jobplattform zu starten.
 

«Wer bei Google war und gelernt hat, eine Idee zu skalieren, kann das auch später als Unternehmer tun.»

Wie reagiert Google auf Mitarbeiter, die kündigen und was Eigenes gründen?
Google war immer sehr unterstützend. Jeder sollte entscheiden, was er oder sie mit seiner oder ihrer Zeit anfangen will. Oft kehren Leute ja auch wieder zurück. Mein Manager sagte damals: «Du kannst gerne zurückkommen.» Ich habe dann als Witz gesagt: «Willst Du, dass mein Startup nicht erfolgreich wird?»

Anzeige

Klar, man kann auch als Führungskraft bei Google arbeiten. Aber ein Startup-Gründer erlebt ein berauschendes Gefühl, wenn man von Grund auf selbst etwas startet. Geld zu sammeln, ein Team zu formen, Strategien zu entwickeln – das alles ist erstmal furchteinflössend, aber darum geht es beim Gründen einer Firma.

Wie ist Ihr Eindruck bezüglich Schweizer Startups?
Es ist sehr beeindruckend. Es gibt besonders in Zürich einen hohen technischen Sachverstand. Hinzu kommt: Wer bei Google war und gelernt hat, eine Idee zu skalieren, kann das auch später als Unternehmer tun und selbst ein grosser Arbeitgeber werden. Viele Investoren wollen gern in lokale Startups investieren. Daher gibt es hier viele gute Möglichkeiten. Es ist ein interessantes Ökosystem für Gründer und Investoren.

Christopher Fong

Livestream: Christopher Fong überträgt die Vorträge der Startups sofort bei Facebook.

Quelle: Marc Latzel

Was sind die Herausforderungen hierzulande?
Ich reise gerade durch die Schweiz und werde viele Firmen und Venture-Capitalists treffen. Daher habe ich noch keinen perfekten Überblick über die Situation in der Schweiz. Was aber sicher ist: In der Schweiz sind die Lebenshaltungskosten relativ hoch. Das ist für Startups, die am Anfang eher kleinere finanzielle Summen erhalten, nicht einfach. Nachdem sie sich bewährt haben, erhalten sie mehr Geld. Aber manche Schweizer Startups werden wohl eher zusätzliche Mitarbeiter im Ausland anstellen, weil das günstiger ist. Die Kosten sind also eine Herausforderung 

Anzeige

Können auch Menschen bei Ihrer Xoogler-Community mitmachen, wenn sie nicht bei Google gearbeitet haben?
Absolut. Viele der Treffen, die wir organisieren, sind auch für Menschen offen, die nicht bei Google gearbeitet haben. Ausserdem planen wir, einen Xoogler-Fonds zu starten, der in Firmen von Xooglern investiert.

Xoogler.co - so heisst die Community von ehemaligen Google-Mitarbeitern, die ein Startup gegründet haben und sich mit Risikokapitalgebern vernetzen. Christpher Fong hatte die Idee zu Xoogler. Etwa 100 Freiwillige engagieren sich, um Xoogler-Treffen zu organisieren. Es gibt zum Beispiel Workshops zum Thema Unternehmensgrüdung. Aussderdem bieten sich Chancen für Investoren, frühzeitig in die Jungfirmen zu investieren. Bisher fanden rund 300 Events weltweit statt, davon rund 120 im Silicon Valley. Xoogler hat rund 6800 Mitglieder und steht auch Interessierten offen, die nicht bei Google arbeiteten. Der Xoogler-Ableger in der Schweiz hat sich im Mai 2017 formiert und hat rund 400 Mitglieder. Im November fand erstmals in der Schweiz ein Xoogler Demo Day statt, bei dem Ex-Googler sich vor Investoren präsentierten.

Von Schweizer Xooglern gegründete Startups sind (u.a.):