Serguei Beloussov hatte es angekündigt: «Ich werde eines Tages bei Acronis zurücktreten, es gibt bessere Leute, um die Firma zu leiten», so der Seriengründer in BILANZ 6/21.

Der Tag kam früher, als die meisten erwartet hatten: Per 1.  Juli hat Beloussov nun das Ruder der Schaffhauser Softwarefirma an Patrick Pulvermüller übergeben.

«Patrick ist viel besser als ich, wenn es um die nächste Phase von Acronis geht: eine grosse Organisation sowie Milliardenumsätze zu managen und zu skalieren und mit gewichtigen Investoren und Aktionären umzugehen.»

Pulvermüller kennt Beloussov seit 2012, der Kölner leitete zuletzt das Partner-Geschäft beim amerikanischen Webhoster und Domainregistrar GoDaddy, der ausser mit Acronis auch mit mehreren anderen von Beloussov gegründeten Firmen zusammenarbeitet. Die beiden sind eng befreundet.

Patrick Pulvermüller

Patrick Pulvermüller, neuer CEO von Acronis.

Quelle: PD

An der Strategie und den ehrgeizigen Wachstumsplänen von Acronis soll sich unter dem neuen Chef nichts ändern: 50 Prozent Wachstum pro Jahr sind weiterhin das erklärte Ziel. 

Beloussov bleibt engagiert

Dafür hatte Acronis kürzlich eine Finanzierungsrunde über eine viertel Milliarde Dollar abgeschlossen. Beloussov wird Acronis als oberster Entwicklungsschef und Verwaltungsrat erhalten bleiben: Mit 30 Prozent der Anteile bleibt er der grösste Aktionär; zusammen mit Mitgründer und Chairman Ilya Zubarev hält er die Mehrheit.

«Acronis wird für die vorhersehbare Zukunft weiterhin ein Drittel bis die Hälfte meiner Arbeitszeit ausmachen», sagt Beloussov. Auch sein Appartement in Schaffhausen, wo er 70 bis 90 Tage im Jahr verbringt, wird der Singapurer Staatsbürger mit russischen Wurzeln behalten.

In der Rheinstadt baut Beloussov seit ein paar Jahren eine eigene Hochschule auf, das Schaffhausen Institute of Technology (SIT). In 15 Jahren soll das Institut 30 Lehrstühle und 2000 Studenten zählen. «Wir planen mit Hunderten, dann Tausenden neuer Stellen in Schaffhausen», so Beloussov.

Manche der Geschäftsfelder des SIT könnten, so seine Vorstellung, eines Tages so gross und wichtig werden wie Acronis mit ihren 1600 Mitarbeitern und mehreren hundert Millionen Franken Umsatz: «Es gibt noch viel mehr zu tun als bisher!»