Alles läuft rund bei der kleinen, feinen Bank Vontobel. Operativ brummt der Laden, Skandale gibt es kaum je, und organisatorisch greifen die Rädchen gut ineinander: Da ist CEO Zeno Staub, der seit neun Jahren operativ die Zügel in den Händen hält. 

Da ist Präsident Herbert Scheidt, der dazu beiträgt, dass sich Staub entfalten kann, indem er, der Ex-CEO, seinem Nachfolger Raum lässt und als Präsident der Bankiervereinigung oft auch abwesend ist.

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Da ist die Besitzerfamilie, im Verwaltungsrat vertreten durch Rechts­anwältin Maja Baumann, die wohl froh ist, das Präsidium einem Profi wie Scheidt überlassen zu können, der ohnehin beste Beziehungen zur Familie pflegt. Alles paletti, keiner hat ein Interesse an Veränderungen.

Reglement verlangt Rücktritt

Dumm nur, dass Scheidt im nächsten Jahr 70 wird und daher laut Reglement aus dem Verwaltungsrat zurücktreten muss, was das austarierte System ins Wanken bringen würde.

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Ein Nachfolger steht nicht be­reit, Vizepräsident Frank Schnew­lin wird selber 70, CEO Staub will sich noch nicht aus der CEO-Rolle zurückziehen, wie aus der Bank zu vernehmen ist, und für Baumann wäre der Job wohl eine Nummer zu gross.

Nun scheint sich laut Insidern eine Lösung anzubahnen, die ganz im Sinne von Scheidt ist: Er macht einfach weiter. Aus dem Umfeld des Präsidenten ist zu vernehmen, dass es zwar ein Altersreglement gebe, das den Rücktritt festschreibt, doch dass dieses Reglement vom Verwaltungsrat selber erarbeitet werde.

Auch aus pekuniärer Sicht nicht schlecht für Scheidt, gilt der Präsidentenlohn doch als üppig, vor allem für eine doch relativ kleine Bank wie Vontobel: 2,6 Millionen Franken garnierte Scheidt für das abgelaufene Geschäftsjahr.