Ein Raum so gross wie zwei Sporthallen, vor der Tür ein Spender mit Ohrenstöpseln, darin tackern und klackern 32 Webstühle. Einige ziehen bis zu 18'000 Fäden zu einer Bahn, der «Kette», zusammen, durch die mit 300 Anschlägen pro Minute die Querfäden «geschossen» und so zum Stoff verwebt werden. Reisst nur ein Faden, muss die Technikerin die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen suchen – hier zählt nur eins, Perfektion. Der Raum liegt in einem Gebäude mitten in Appenzell. Hier entstehen die Stoffe von Alumo.

Stabio, ganz im Süden der Schweiz, ein anderer Raum in einem anderen unscheinbaren Fabrikgebäude. Links ein Regal mit Stoffrollen, davor ein monströser ­Zuschneidetisch, dahinter Arbeitsplätze mit unterschiedlichen Nähmaschinen der Marken Dürkopp oder Juki, diverse Bügelstationen, darunter eine, die per Laser Knopfleisten glättet. Im Nebenraum surrt ein Drucker, der ein Schnittmuster aus der Computerstation auf eine Papierrolle überträgt. Ein junger Mann breitet die Papierteile aus dem Schnittmuster auf ­einer Stoffbahn aus und schneidet sie ­behutsam per Hand zu. Er ist der einzige männliche Mitarbeiter von Marco Brülisauer – im Gegensatz zu Anzügen war die Hemdenschneiderei schon immer eine Frauendomäne.