Legendäre Autolackierungen gibt es einige. Jaguars British Racing Green, das Silber der Mercedes-Renner, Ferraris Rosso Corsa, gleich mehrere kräftige Farbtöne von Porsches 911 aus dessen frühen Jahren. Und das Azzurro Achille von Alfa Romeo, ein helles, leicht Guetzli-farbiges Babyblau. Zu Alfas leichten, kleinen, aber gut motorisierten Autos passte das erstaunlich gut, auch wenn man über die Sehkraft der Käuferinnen und Käufer natürlich diskutieren kann.

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Jedenfalls musste ich an Azzurro Achille denken, als ich mich ins Jetstream II setzte: ein etwas kräftigeres Hellbau, aufgebracht auf die Karosse eines Bentley Flying Spur Hybrid. Der ist das Gegenteil eines kompakten Italieners. 5,32 Meter lang und gut 2  Meter breit, Inbegriff eines Strassenkreuzers, gemacht für Länder mit geräumigen Parkhäusern und breiten Fahrspuren wie die USA oder Dubai; auf deren Strassen passt der Bentley auch farblich.

Zumal seine Stufenheck-Karosserie dort noch deutlich verbreiteter ist als in Europa, wo die als «Geländewagen» vermarkteten SUVs den Limousinen längst die Parkplätze abgegraben haben. Allein die Filiale im kalifornischen Beverly Hills verkaufte 2021 rund 400 Exemplare vom Flying Spur. Dort fühlt er sich also zu Hause.

Der Testfahrer

Dirk Ruschmann fährt seit 25 Jahren Auto. Er schreibt über Unternehmen, Manager, Autos und andere bewegliche Teile.

Denn auf den Avenues, Drives, Boulevards, den Freeways und Interstates kann der Bentley seine Stärken ausspielen. Geräusche und Schlaglöcher dringen nur gedämpft in den Innenraum vor, sanftes Gleiten ist ohnehin die Lieblingsdisziplin des Briten mit VW-Genen, eines Plattformbruders des Porsche-Viertürers Panamera.

Wer dank wild die Spuren wechselnder Fahranfänger in Panik gerät, dem genügt ein Tritt aufs Gaspedal, und der Plebs ist abgehängt, genügend Vortrieb ist immer vorhanden – auch wenn Bentleys Behauptung, der V6 Hybrid fahre auf Augenhöhe mit dem V8, dem Fahreindruck nicht vollständig standhält.

So liegt das Drehmoment erst bei deutlich höheren Drehzahlen an; auf Deutsch: Der Wums kommt später, zudem weniger heftig. Dass der Neue 170 Kilogramme mehr von der Stelle wuchten muss, spielt dabei sicher eine Rolle.

Der Bentley Flying Spur V6 Hybrid
  • Antrieb: 2,9-Liter-V6-Benziner plus E-Motor 
  • Verbrauch: N.N. 
  • Systemleistung: 544 PS (400 kW) 
  • 0–100 km/h: 4,3 s 
  • Vmax: 285 km/h 
  • Preis: ca. 177'300 Euro vor Steuern

Ansonsten gibt es nichts zu bemängeln. Das Schiff fährt sich erstaunlich agil, die im Hauptwerk Crewe handgefertigten Ledersitze halten alles  zuverlässig in Position. Der Innenraum ist eine Klasse für sich, Bentley verbindet Modernität und Tradition besser als jede andere Marke.

Die einzige Frage ist, ob es den schweren Hybrid braucht oder der Achtzylinder nicht doch die bessere Wahl ist. Fördergelder fürs Stromern dürften in dieser Preislage nicht ausschlaggebend sein. Bis der V6 Hybrid in der Schweiz bestellbar ist, können Sie noch nachdenken.