Corona macht viele Verlierer. Besonders die Gastronomie leidet. Auf ein gutes Glas Wein wollen die Konsumenten aber nicht verzichten. Und so profitiert speziell der Handel mit Privatkunden. Seit dem Shutdown ist der Weinabsatz stark gestiegen, wie Recherchen zeigen.

Das spürt etwa die Schuler St. Jakobskellerei mit schweizweit 14  Weinhandlungen. «Der Umsatz im Privatkundengeschäft hat sich in den letzten Monaten gut verdoppelt», sagt Geschäftsführer Nikolas von Haugwitz. Besonders zugelegt habe das Onlinegeschäft – es hat sich im März im Vergleich zum Vorjahr verdreifacht und verharrt seither auf hohem Niveau. Um den gebeutelten Restaurants zu helfen, hat das Innerschweizer Weinhaus nun in einer Charity-Aktion 400 000 Franken eingesammelt, die derzeit peu à peu der Gastronomie zukommen.

308 Prozent mehr Wein hat der Onlinehändler Digitec Galaxus zwischen Januar bis Juli 2020 im Vergleich zur Vorjahresperiode verkauft.

Reichlich fliesst der Traubensaft auch bei den beiden grössten Weinhändlern Coop und Denner. «Wir spürten in der ganzen Schweiz in den vergangenen Monaten einen merklichen Anstieg der Nachfrage bei alkoholischen Getränken», sagt Coop-Sprecherin Melanie Grüter. «Dies betrifft sowohl Bier als auch Wein und Spirituosen.» Mehr Wein als sonst verkauft hat auch Denner. «Die nächsten Monate werden zeigen, ob mehr konsumiert oder eher der Weinvorrat aufgestockt wurde», sagt Denn

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Einen sprunghaften Anstieg erlebt besonders einer der jüngsten Player im Weingeschäft: Digitec Galaxus. Der zu Migros gehörende Onlinehändler hat 2018 mit einem Angebot von 2800 Weinen gestartet, inzwischen ist das Sortiment auf 30 000 Weine gewachsen.

Von Januar bis Juli 2020 hat der Weinumsatz im Vergleich zur Vorjahresperiode um 308 Prozent zugelegt. «Corona dürfte die Verkäufe massiv angekurbelt haben», sagt Sprecher Rico Schüpbach. Als «Nullsummenspiel» bezeichnet die letzten Monate hingegen ein Grosshändler, der nicht genannt werden will. Zwar habe der Absatz an Privatkunden zugenommen, in der Gastronomie seien die Verkäufe aber eingebrochen. Besonders grosse Abnehmer seien derzeit etwa Ladenformate wie Avec, Migrolino oder Voi.