Wenn es um Vorsorgereformen geht, steht er mittendrin: Martin Kaiser, seit sieben ­Jahren Sozialversicherungsspezialist beim Arbeitgeberverband. Er ist es auch, der den umstrittenen Sozialpartner-Kompromiss für eine Reform der beruflichen Vorsorge (BVG) stark mitgeprägt hat. Per 1. Mai wechselt er nun die Fronten und geht als Cheflobbyist zu Swiss Life und damit ausgerechnet zu jenem Ver­sicherungs­konzern, der mit Rolf Dörig von einem Kritiker des Reformvorschlags für die zweite Säule präsidiert wird. «Die vorgesehene Medizin ist schlimmer als die Krankheit», hat Dörig gemäss «NZZ» bei der Jahrespressekonferenz des Versicherungsverbands festgehalten, den er ebenfalls präsidiert.


Die Befürworter des BVG-Deals fürchten nun, ­einen ihrer wichtigsten Anwälte fürs Projekt zu verlieren, Gegner reiben sich die Hände, weil sie hoffen, dass Kaiser nun in ihr Lager wechselt. Kaiser selbst sieht seinen Jobwechsel weniger dramatisch, schliesslich hätten auch die Versicherer ein Interesse an einer mehrheitsfähigen Reform der zweiten Säule. «Die laufenden inhaltlichen Auseinandersetzungen mit der Vorlage sind wichtig.»

Swiss Life sieht «Optimierungs­bedarf»

Swiss Life jedenfalls erachtet nach eigenen Angaben – und trotz Dörigs Verdikt – eine BVG-Reform als «dringend und zwingend», erkennt aber beim vorliegenden Vorschlag «Optimierungs­bedarf», etwa bei den Massnahmen für die Übergangsgeneration, und fordert bei der Ausgestaltung des Renten­zuschlags «Zurückhaltung und Augenmass».

Es ist nicht Kaisers erster Stellenwechsel, der zu reden gibt. Ende 2012 verliess er das Bundesamt für Sozialversicherungen, dessen stellver­tretender Direktor er war, um beim Arbeitgeberverband anzuheuern, nachdem ihm ein SP-Mann als Direktor vor die Nase gesetzt worden war. Mit Folgen: Martin Kaiser, der die Altersvorsorge 2020 mit auf­gleiste, avancierte zum härtesten Kritiker des Prestigeprojekts seines Ex-Chefs, Bundesrat Alain Berset.