Vor eineinhalb Jahren hatte ich vor Nestlé gewarnt, Wochen später wurde der historische Höchstkurs von 113.20 Franken erreicht: ein Plus von 40 Prozent seit Jahresanfang. Mir ging dieser Anstieg einfach zu schnell. Vor Kurzem sind die Aktien des Nahrungsmittelkonzerns denn auch wieder unter 100 Franken gerutscht. Vor allem der Strategiewechsel vieler Investoren, weg von defensiven und hin zu zyklischen Werten, hat den berühmtesten Schweizer Blue Chip unter Druck gesetzt.

Zu den aktuellen Kursen sind Nestlé für mich wieder ein Kauf. Auch 2021 ist an den internationalen Börsen mit einer Rumpelfahrt zu rechnen, also mit einem volatilen Kursverlauf. Da bringt eine Aktie wie jene von Nestlé Stabilität ins Portfolio. Zumal auch die Bewertung wieder attraktiver ist: Für 2021 stellt sich das geschätzte Kurs-Gewinn-Verhältnis auf 22, für das folgende Jahr auf 20. Und die Dividendenrendite ist mit 2,7 Prozent zwar nicht üppig, doch anständig.

Zudem präsentiert sich das Unternehmen aus Vevey immer agiler und damit stärker. Der von CEO Mark Schneider (55) kräftig vorangetriebene Konzernumbau zeigt Wirkung. Mit Rückendeckung von Präsident Paul Bulcke (66) wurden seit 2017 mehr als 60 Verkäufe bzw. Zukäufe getätigt, was etwa einem Fünftel des Umsatzes entspricht. Nicht einmal das einst hochgelobte Wassergeschäft ist sakrosankt. Und auch am Image wird kräftig poliert. So sollen in die Senkung der CO2-Emissionen nicht weniger als 3,2 Milliarden Franken investiert werden. Das Resultat des Umbaus schlägt sich auf der Ertragsseite nieder. 2016 lag die Ebit-Marge bei 15,9 Prozent, dieses Jahr dürften es knapp 18 und 2024 rund 19 Prozent sein. Die Aktien sind zwar keine Kursrakete, dafür eine höchst solide Anlage.

Risikoreich

Vor Kurzem bat U-Blox zum Kapitalmarkttag. Und da waren bereits wieder leicht optimistische Töne zu vernehmen. So berichtete CEO Thomas Seiler (61) von einer «Zunahme der Aktivitäten in den Segmenten und Branchen des Unternehmens». Dabei sind erst drei Monate verstrichen, seit beim Chip- und Sensorhersteller Heulen und Zähneklappern herrschte. Damals wurde für das erste Halbjahr ein Reinverlust von 60 Millionen Franken gemeldet – dies bei einem Umsatz von 174 Millionen. Der Grund ist im Abschreiber von 74,1 Millionen zu suchen. U-Blox aktiviert die F&E-Ausgaben, einen hohen Posten, wenn von 1080 Mitarbeitern 68 Prozent in der Forschung beschäftigt sind. Und da fiel die Wertberichtigung an.

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Dass sich der Verlust nach «Anpassungen», sprich bereinigt um Sondereffekte, in einen Gewinn von 4,7 Millionen Franken verwandelt, macht die Situation nicht besser. Zumal immer noch ein gewaltiger Betrag an aktivierten F&E-Kosten verbleibt. Die Börse jedenfalls bleibt skeptisch, die Aktien büssten seit Anfang Jahr 40 Prozent ein. Ich warte ab, ob sich der Optimismus im Bestellungseingang niederschlägt. Und wie die Übernahmeofferte an Telit Communications ankommt; U-Blox will sich den britischen Konkurrenten für 400 Millionen Franken einverleiben.

Grünes Kraftpaket

«Was halten Sie von Wasserstoffaktien?», fragen mich immer wieder Leser. Nun ist Wasserstoff fraglos ein Megathema. Denn damit lässt sich Strom erzeugen, ohne dass schädliches Kohlendioxid anfällt. Das Problem: Die Technologie ist noch sehr teuer. Dennoch lautet die Frage nicht, ob, sondern wann sich die grüne Kraftquelle durchsetzt. Das prognostizierte Marktwachstum ist gigantisch – und eröffnet Anlegern Chancen.

Frank Goldfinger ist der anonyme Börsenspezialist der BILANZ. Schreiben Sie ihm an: bahnhofstrasse@bilanz.ch

Bei der Aktienwahl tun sich gerade Privatinvestoren schwer. Zum einen ist das Angebot gross. Noch schwieriger ist es, die Firmen mit den besten Aussichten herauszupicken. Denn vorderhand schreiben die meisten Branchenvertreter rote Zahlen, nicht wenige werden über kurz oder lang auf der Strecke bleiben.

Einen Ausweg bieten Aktienbaskets. Auch von Schweizer Banken werden zunehmend solche Zertifikate angeboten, so von der Banque Cantonale Vaudoise, UBS, der Bank Vontobel oder der Luzerner Kantonalbank. Allen gemeinsam ist die hohe Nachfrage. So hat das Leonteq-Zertifikat auf den Swissquote Hydrogen Index seit Emission über 100 Prozent gewonnen – innert zehn Monaten, notabene.

CEO von Combibloc Samuel Sigrist

Voll im Trend: SIG Combibloc dürfte auch unter dem neuen CEO Samuel Sigrist kräftig wachsen.

Quelle: Shaohua

Informieren Sie sich über die einzelnen Produkte, im Internet lassen sich Faktenblätter herunterladen. Achten Sie auf Währung, Laufzeit, Handelsplatz. Wasserstoffinvestments sind nichts für Witwen- und Waisendepots, sie erfordern Risikobereitschaft. Nach den starken Kursgewinnen der letzten Monate ist die mögliche Fallhöhe angewachsen.

Gut verpackt

Vor zwei Jahren kamen die Aktien SIG Combibloc an die Börse – eine Bereicherung. Gegenüber dem Ausgabepreis glänzen sie mit einem Kursgewinn von über 70 Prozent. Diese Stärke kommt nicht von ungefähr; als Produzent von Abfüllmaschinen für Getränke und Nahrungsmittel sowie Hersteller keimfreier Kartonverpackungen und Verschlüssen ist SIG in einem zukunftsträchtigen und renditestarken Markt tätig. Sogar im Coronajahr setzt sich das Wachstum fort: In den ersten neun Monaten stieg der Umsatz währungsbereinigt um 7,2 Prozent, der Gewinn verbesserte sich um 17 Prozent.

Anfang 2021 tritt der heutige Finanzchef Samuel Sigrist (43) neu als CEO an. Er übernimmt ein starkes Unternehmen: Mit einem Marktanteil von 21 Prozent sind die Schaffhauser weltweit die Nummer zwei hinter Tetra Pak. In Sachen Innovationskraft dürfte SIG den Branchenprimus sogar überflügeln. Die Aussichten sind gut; der Umsatz soll jährlich um vier bis sechs Prozent wachsen, die Ebitda-Marge von aktuell 26,8 auf gegen 30 Prozent steigen. Hilfreich ist dabei der Trend von Kunststoff-zu Kartonverpackungen – neun Zehntel der Verkäufe stammen aus diesem Geschäft. Neu mit 5,5 Prozent im Aktionariat vertreten ist die Obeikan Investment Group. Die Saudis haben ihre Hälfte am Joint Venture mit SIG gegen Anteile und Cash abgetreten.

Die Aktien sind nach dem ausdauernden Höhenflug satt bewertet, das KGV für 2021 stellt sich auf 24. Dennoch lohnt sich auf mittlere Sicht der Einstieg.