Was wohl niemanden überrascht: Auch Schindler hat die Corona-Pandemie zu spüren bekommen. Allerdings sind die Einbussen geringer ausgefallen als erwartet: Im ersten Semester sank der Umsatz um 8,7 Prozent, Ebit und Gewinn schmolzen um ­gegen 30 Prozent. Die Covid-Krise wird sich in diesem wie auch im kommenden Jahr in den Resultaten des Anbieters von Aufzügen, ­Fahr­treppen sowie dazugehörigen Dienstleistungen negativ niederschlagen.

Zwar ist das Service­geschäft als wichtiger Gewinnträger robust und sorgt für stabile Einnahmen. Doch bei Neuinstallationen und Modernisierungen wurden viele Projekte eingefroren. China als bedeutende Region für neue Lift­anlagen verzeichnet zwar bereits wieder Wachstum, doch in Europa sowie Nordamerika leidet das Geschäft. Das zeigt sich am Auftragseingang, der im ersten Halbjahr um 12,1 Prozent schrumpfte.

Ein weiteres Handicap des Zentralschweizer Konzerns ist die Abwertung verschiedener Währungen gegenüber dem Franken. In der vergangenen Dekade hat die Frankenstärke den Umsatz um 2,5 Milliarden und das Betriebsergebnis um 364 Millionen Franken geschmälert. ­Daran dürfte sich so schnell nichts ändern. Deshalb wird ein Programm zur Kostenoptimierung aufgegleist. Wichtigster Punkt ist ein weltweiter Abbau von etwa 2000 Arbeitsplätzen, entsprechend drei Prozent der gesamten Belegschaft.

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Die mittel- bis langfristigen Aussichten von Schindler sind intakt. Die Marktposition ist exzellent, das Unternehmen schuldenfrei, die ­Nettoliquidität hoch, die Innovationskraft beachtlich. Ein wichtiger Punkt ist die Qualität des Managements: CEO Thomas Oetterli (50) und VR-Präsident Silvio Napoli (55) stehen seit Langem in Diensten von Schindler, sie kennen die Stärken und Schwächen des Konzerns genau.

Das spricht für die Aktien. Doch obwohl sich die Titel vom Kurseinbruch im März nur teilweise erholt haben, sind sie mit einem für 2022 geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 25 recht teuer. Wer einsteigt, sollte dies nur auf längere Sicht tun.

Letzte Chance für Meyer Burger

Pennystocks üben eine grosse Fas­zination auf viele Anleger aus. Das hat wohl damit zu tun, dass solche Valoren, eben weil sie zu wenigen Rappen gehandelt werden, pro­zentual heftigste Kursausschläge aufweisen. Beispielsweise Meyer Burger. Die Spekulanten auf den Plan gerufen hat das Vorhaben, die Firma vom Solarmaschinenbauer zum Hersteller von Solarmodulen umzuwandeln. Im zweiten Quartal 2021 soll die Produktion starten, ­primär in Deutschland. Die dazu nötigen Mittel haben die Aktionäre über eine Kapitalerhöhung zur Verfügung gestellt – wohl aus Angst, sonst alles zu verlieren.

Wirtschaftskrise: Alles halb so schlimm?

Tim Höfinghoff spricht mit «Handelszeitung»-Chefökonom Ralph Pöhner im Podcast «HZ Insights» über die wirtschaftlichen Aussichten. Haben wir das Gröbste überstanden oder wird sich der Abschwung noch verschärfen?

Es ist ein letzter Versuch, Meyer Burger am Leben zu erhalten. Ich zweifle daran, dass das hochambi­tiöse Vorhaben aufgeht. Vor Jahren hat China mit Billigst-Solarmodulen die europäische Konkurrenz vom Markt gefegt. Heute wartet wohl ­niemand auf die angeblich viel­versprechende Technologie aus Thun. Die Aktien bergen hohe ­Risiken. Im besten Fall winken saftige Kursgewinne, im schlechtesten der Totalverlust.

OC Oerlikon: Riskant – und reizvoll

Der Umbau hat Jahre gedauert. Doch nun steht OC Oerlikon gefestigt auf zwei Beinen. Hauptpfeiler bildet der Bereich Oberflächen­behandlung und -beschichtung (Surface Solutions). Das zweite Feld ist der Anlagenbau zur Produktion synthetischer Fasern (Manmade ­Fibers). Dieser Sektor ist über die nächsten drei Jahre ausgelastet. Problematisch dagegen der Geschäftsgang bei Surface Solutions. Dieser Zweig leidet schon seit Längerem an einer rückläufigen Entwicklung, die Corona-Pandemie wie auch die Flaute in der Flugzeugbau- sowie der Autobranche hat die Situation noch verschärft. Das belastete die Resultate im ersten Halbjahr; gruppenweit schrumpfte der Umsatz um 21,5  Prozent und der Betriebs­gewinn Ebitda um gegen die Hälfte.

Aktienkurs OC Oerlikon Verlauf Jan 20 - Aug. 20

Der Aktienkurs von OC Oerlikon im Jahr 2020.

Quelle: Cash.ch

Obwohl Manmade Fibers gut läuft, will CEO Roland Fischer (58) primär Surface Solutions weiter ­verstärken. Dank innovativen Technologien ist OC Oerlikon Markt­führer, das Wachstumspotenzial ist enorm. Der Absatz dürfte sich im zweiten Halbjahr beleben, dennoch ist 2020 gelaufen. Dafür orten die Finanzanalysten ab kommendem Jahr deutliche Zunahmen bei Umsatz und Ertrag, das KGV für 2021 stellt sich auf etwas über 20. Das ist für einen Industriewert zwar nicht billig, mittelfristig allerdings versprechen die Aktien Aufholpotenzial. Die Titel eignen sich nur für ­risikobewusste Anleger.

Stetiges Wachstum bei Tecan

Nach den schwachen Zahlen vieler Firmen für das erste Semester ist der Rapport von Tecan erfreulich: 4,7 Prozent mehr Umsatz, ein um 22  Prozent verbesserter Betriebs­gewinn, Reingewinn plus 42 Prozent. Und dies, obwohl beinahe viermal höhere Investitionen getätigt wurden als in der gleichen Vorjahresperiode. Vielversprechend für die Zukunft ist der um ein Fünftel höhere Auftragseingang. Beim Spezialisten für Laborautomatisierung läuft es trotz respektive gerade wegen der Corona-Pandemie rund.

Tecan-CEO Achim von Leoprechting

Gegen den Trend: Tecan-CEO Achim von Leoprechting konnte fürs erste Semester mehr Umsatz und mehr Gewinn präsentieren.

Quelle: ZVG

Tecan weiss seit Langem mit stetigem Umsatz- und Ertragswachstum zu überzeugen. Für 2020 hat CEO Achim von Leoprechting (52) die Prognosen nach oben geschraubt, der Umsatz dürfte im hohen einstelligen Prozentbereich zulegen. Doch auch mittel- bis längerfristig sieht es rosig aus. Dank hoher Cashbestände wird kräftig investiert, auch in Akquisitionen; damit soll die Wandlung vom reinen Gerätehersteller zum Anbieter von breiten Labor­lösungen vorangetrieben werden.

An der Börse sind die Aktien längst zum Superstar mutiert. Seit Anfang 2019 haussierten die Titel um über 130 Prozent, legten also weit stärker zu als die Ertragsentwicklung des Unternehmens. Das Resultat: Trotz kräftigem Wachstum von Tecan werden die Aktien für dieses Jahr mit einem satten KGV von 58 bewertet, für 2021 sind es ebenfalls hohe 50. Mittelfristig sieht es bei der Bewertung nur leicht besser aus: Deutliche Ertragsfortschritte vorausgesetzt, stellt sich das KGV für 2024 immer noch auf 29. Die Titel sind mir einfach zu teuer. Auch Dividendenjäger kommen nicht auf ihre Rechnung: Die Aktien rentieren gerade einmal 0,5 Prozent.

Frank Goldfinger ist der anonyme ­Börsenspezialist der BILANZ. Schreiben Sie ihm an: bahnhofstrasse@bilanz.ch

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