Es war keine wirkliche Überraschung, dass es einen zweiten Anlauf zum Zusammenschluss von Sunrise und UPC geben würde – entsprechende Gerüchte tauchten rasch auf, nachdem Sunrise ihren Versuch einer Übernahme von UPC wegen des Widerstands der Aktionäre hatte aufgeben müssen.

Dass nun die Vorzeichen umgekehrt sind – dieses Mal bietet UPC-Mutter Liberty Global für Sunrise –, hat Folgen für die Personalauswahl an der Spitze der neuen Firma. War letztes Jahr noch der damalige Sunrise-Chef Olaf Swantee gesetzt, spricht nun alles für den UPC-Chef Baptiest Coopmans.

Für Coopmans spricht seine Merger-Erfahrung

Zum einen vertritt er den Käufer: Er arbeitet seit sieben Jahren in verschiedenen Funktionen für Liberty Global, bis letztes Jahr als Verantwortlicher für Operations, Netzwerke und Tech­nologie. Zum anderen hat er einen ähnlichen Merger wie jenen von UPC mit Sunrise bereits einmal durchge­zogen: 2013 fusionierte er die holländische UPC mit dem Kabelnetzbetreiber Ziggo. Noch heute sitzt Coopmans im Board der VodafoneZiggo Group Holding, eines Joint Venture von Liberty Global und dem Mobilfunkbetreiber Vodafone.

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Für Sunrise-CEO André Krause als zukünftigen Chef des fusionierten Gebildes spricht eigentlich nur, dass er den hiesigen Markt besser kennt: Der Deutsche arbeitet seit neun Jahren in der Schweiz, der Holländer Coopmans erst seit einem halben. Als langjähriger Finanzchef hat Krause hierzulande jedoch ebenso wenig die Politklaviatur bespielt wie Coopmans – ein wichtiger Erfolgsfaktor im hoch regulierten Telekommarkt, gerade angesichts der Lobbying-Power der halbstaat­lichen Swisscom.

UPC-Sunrise: Unternehmen ohne Verwaltungsrat

Diese Rolle übernahm bei Sunrise bis diesen April Ex-UBS-Präsident Peter Kurer als VR-Präsident, seit der letzten GV spielt Thomas Meyer den Part. Der langjährige Berater – er war 32 Jahre bei Accenture, die letzten 17 Jahre als Schweiz-Chef – ist hierzulande bestens vernetzt. Das würde ihn eigentlich für die Rolle des VR-Präsidenten der fusionierten UPC-Sunrise qualifizieren.

Das Problem: UPC Schweiz ist eine GmbH und hat demzufolge gar keinen Verwaltungsrat. Welche Rechtsform das fusionierte Gebilde tragen wird, will Liberty Global erst bei oder nach Abschluss der Transaktion entscheiden.

Auch die Personalentscheide sind firmenintern noch nicht gefallen, und das könnte auch noch ein Weilchen so bleiben. Seit Mai wollen in England die Liberty-Tochter Virgin Media und Telefónica O2 fusionieren. Dort soll der neue CEO erst 2021 bekannt gegeben werden. Allerdings muss der Deal noch von den englischen Wettbewerbsbehörden abgesegnet werden. In der Schweiz gilt eine Zustimmung der Weko als sicher.

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