Die schlechte Nachricht zuerst: Luca de Meo, der polyglotte Italiener, hat Spanien verlassen. Seit einem Monat ist er in Frankreich. Bei Renault soll er Kreativität und Aufbruchstimmung verbreiten, wie er es bei Seat vorgemacht hat. Und Cupra ist vielleicht das beste Beispiel dafür, was de Meo kann.

Ich bin den Leon Cupra Sportstourer in der scharfgemachten R-Version gefahren, einen allradgetriebenen kompakten Kombi, der abgeht wie Schmidts Katze und punkto Bedienung und Praktikabilität keine Wünsche offenlässt – nicht so edel wie Konzernschwester Audis RS3, auch einige Pferdchen schmaler ausgerüstet, aber dafür einen ganzen Kleinwagen günstiger. Und dennoch macht er so richtig gute Laune. Drängt nach vorne wie ein gut trainierter Halbmittelgewichtsboxer. Leider gibt es dieses Modell nun nur noch als Gebrauchten – oder bei Händlern, die noch einen im Showroom stehen haben.

Warum ich trotzdem glaube, Ihnen das hier und heute erzählen zu müssen? Weil der neue Cupra Leon Sportstourer vor der Tür steht. Das ist kein zufälliger Vokabeltausch, sondern markiert den Beginn einer neuen Zeitrechnung für die Spanier – mit dem Leon und dem Formentor, einem SUV, erwacht Cupra als eigene Marke zum Leben. In wenigen Wochen werden beide vorgestellt, kommen im Herbst auf den Markt.

Zackiger Vortrieb mit 310 PS

Am Motor wird sich nicht allzu viel ändern. Muss auch nicht. Der Zweiliter-Vierzylinder gefällt schon in der auslaufenden Version mit zackigem Vortrieb, wird in der Topversion 310 Pferdestärken versammeln und wohl 400 Newtonmeter Drehmoment liefern – das reicht, um Schwiegermama das verächtliche Grinsen aus dem Gesicht zu beschleunigen.

Seat Cupra Leon

Innenansicht: Der Cupra Leon lässt in punkto Bedienung und Praktikabilität keine Wünsche offen.

Quelle: PD
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Der Neue kommt tiefergelegt und mit längerem Radstand, für die ergrünte Fraktion steht ein Hybrid im Programmheft. Und mit einer reinen Stromversion wird Rennfahrer Mattias Ekström bei der Elektro-Tourenwagenserie ETCR antreten. Der Schwede hat sich einen Ruf als motorisierte Kampfsau erarbeitet und wird den Serien-Cupras garantiert einige Racer-Gene einimpfen.

Da schliesst sich der Kreis zu de Meo. Vor ihm fehlte Seat eine Positionierung unter den VW-Automarken, dümpelte beim Absatz vor sich hin. De Meo machte Seat jung, urban, sportlich, gab endlich eine Richtung vor. Zwar halten sich viele Hersteller Zweitmarken für Elektro (Volvo mit Polestar), fürs Günstige (Renault mit Dacia) oder Teure (Toyota mit Lexus), aber als Massenmarke einen eigenen Sportbrand aufzubauen – das hat Stil. Und eine gewisse Frechheit. Und alles sieht danach aus, als ob das blendend funktioniert. VW kann Luca de Meo ein Kränzchen winden.

Cupra Leon

Antrieb: 2,0-Liter-Vierzylinder-Benziner 

Leistung: 310 PS (228 kW)

0–100 km/h: unter 5 s 

Vmax: 250 km/h 

Preis: noch unklar, geschätzt 50 000 bis 60 000 Franken

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