Oetterli selbst wird in der Mitteilung damit zitiert, dass es nach seiner, gemessen an den Vorgängern, durchaus langen Amtsperiode «Zeit ist, die operative Führung weiterzugeben». Dass diese Führung jedoch nicht an einen sorgfältig ausgewählten Nachfolger übergeht, sondern an den im Haus als Konzernpräsident verbliebenen Vorgänger im Amt, Silvio Napoli, ist ein unleugbares Zeichen: Da wurde die Notbremse gezogen.

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In der laufenden «Silent Period» im Vorfeld der Bekanntgabe der Jahresergebnisse für 2021, die Mitte Februar stattfindet, sagt der ohnehin schweigsame Konzern noch weniger als sonst. Aber die mitgelieferte Begründung für das künftige Doppelmandat Napolis, man wolle die «höchste Agilität und Effizienz» erreichen, um «schneller Lücken in der Wettbewerbsfähigkeit» anzugehen, ist doch ein klarer Fingerzeig auf Oetterli: Seine Performance hat Board und Eigentümern nicht konveniert.

Sein verbliebenes Jöbli als Berater des Strategiekomitees dürfte eine Beruhigungspille sein, dank der er sich immerhin, wenn zum Lunch der Hunger drückt, weiterhin ein zweites Schnitzel leisten kann. Spekulationen, sein geplanter Eintritt als Chairman beim Bauzulieferer SFS habe das Board vergrätzt, dürften hinfällig sein – die Übernahme solcher Posten wird weit im Vorfeld abgeklärt; Oetterli hätte für dieses Zusatzamt wohl kaum seinen CEO-Job riskiert.

Seine beiden Vorgänger amteten jeweils nur zwei Jahre. Jürgen Tinggren, 2011 dem Patriarchen Alfred Schindler als CEO gefolgt, übergab auf Ende 2013 den Job an Silvio Napoli und hielt es dann auch im Verwaltungsrat nur zwei Jahre aus. Napoli hingegen stieg, nach zwei CEO-Jahren, direkt zum Präsidenten auf, auf ihn scheint also das Licht des Wohlgefallens der Familie. Doch abgesehen von leicht besseren Margen als heute war auch seine Zeit als operativer Chef kein Wachstumsschub für Schindler.

Oetterlis Amtszeit ist geprägt von dauerhaft bröckelnden Betriebsgewinnmargen, beim Umsatz hat er hingegen Erfolge erzielt, während ihm Corona, hohe Rohstoffpreise und der starke Schweizer Franken das Leben schwermachen. Eine Hypothek für Oetterli ist der Aktienkurs, der gefährlich nahe am Tiefstand aus der Anfangszeit der Pandemie liegt.

Dagegen hat sich Marktführer Otis seit dem Börsengang im März 2020 fast verdoppelt, und die finnische Kone, hinter der Schindler auf Platz drei rangiert, liegt rund 20 Prozent über ihrem Covid-Tief. Und nun macht sich auch noch die frisch verselbstständigte Thyssenkrupp-Aufzugstochter auf die Jagd.

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Kommt hinzu, dass Kone bei den Ebit-Margen von 2018 bis 2020 sogar zugelegt hat, auf 12,6 Prozent, Otis hält sich immer noch nahe 13 Prozent, während Schindler ins Einstellige gestürzt ist. Und da Oetterli 2021 auch weniger lukrative Aufträge akzeptiert hat, dürften die Jahresergebnisse, die intern längst vorliegen, kaum auf seine Sympathiewerte oder gar den Aktienkurs einzahlen. Zwar ist das alles kaum allein dem CEO anzukreiden – aber er ist das einfachste Opfer, wie ein Fussballtrainer. Die Familienaktionäre dürften auf frischen Wind gedrängt haben. Dass Oetterli nicht wie Tinggren und Napoli in den VR wechselt, deutet auf Entfremdung hin.

Napoli soll es zwei, drei Jahre machen. Dann könnte wieder ein Clan-Mitglied zum Chef avancieren: Tobias Staehelin (43) gehört zur fünften Generation, ist derzeit HR-Chef mit Sitz in der Konzernleitung. Damit würde sich erstmals seit Alfred Schindler, der mehr als 25 Jahre CEO war, wieder ein direkt Betroffener um Lifte und Rolltreppen und damit um die Schindler’schen Aktien verdient machen.