Der Vogel heisst New Kim. Er ist eine hellgraue Brieftaube und kommt aus der Nähe von Antwerpen. Hier im Norden Flanderns züchten sie die ausdauerndsten und schnellsten Renntauben der Welt. Im letzten November wurde New Kim an einer Auktion versteigert. Der Käufer zahlte für den Vogel 1,7 Millionen Franken. Es war Weltrekord. Mehr wurde noch nie für einen Vogel bezahlt.

Was ist ein Tierleben wert? Die Frage kann man nur ökonomisch beantworten. Es gilt das nüchterne Prinzip von Angebot und Nachfrage. Es gibt zum Beispiel nur wenige Supertauben wie New Kim, die Hunderte von Kilometern mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 100 km/h hinter sich bringen. So etwas kostet dann 1,7 Millionen Franken.

Was ist dagegen ein Menschenleben wert? Die Diskussion um diese Frage verläuft weitaus weniger ökonomisch. Wer bei diesem Thema eine nüchterne Berechnung nach Angebot und Nachfrage anstellt, ruft automatisch allerlei Ethiker und Theologen auf den Plan. Ein Menschenleben sei unbezahlbar, sagen sie dann. Das ist aus Sicht der Ökonomen natürlich Blödsinn. Auch ein Menschenleben hat, wie alles, ein Preisschild. Um etwas vorzugreifen: Ein Mensch ist etwas mehr als drei Millionen Franken wert.

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Für Ökonomen hat alles auf dieser Welt einen Wert, den man mehr oder weniger präzise berechnen kann. Das Unternehmen Nestlé hat einen Wert, das Gemälde der Mona Lisa hat einen Wert, Fussballer Lionel Messi hat einen Wert. Der Wert entspricht jedoch nicht dem Preis. Oft ist der Preis höher als der Wert, etwa dann, wenn es sich um ein Liebhaberobjekt handelt.

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Ein gutes Beispiel, damit sind wir zurück in der Fauna, war der höchste Preis, der je für ein Tier bezahlt wurde. Es waren die 60 Millionen Dollar, die das Rennpferd Fusaichi Pegasus im Jahr 2000 kostete. Alle wollten den US-Hengst haben, weil der Käufer sich von ihm siegreiche Nachkommen versprach. Es wurde eine tierische Fehlinvestition. Die Söhne und Töchter des Gauls liefen meist hinterher.

Um den Wert eines Menschenlebens zu kalkulieren, gibt es bessere Kriterien. Die verbreitetste Methode ist der Value of Statistical Life. Man befragt dabei Männer und Frauen, wie viel sie bezahlen würden, um ihre Lebenserwartung um eine bestimmte Anzahl Jahre zu verlängern. Aus den Antworten wird dann der Wert des gesamten Lebens hochgerechnet.

Der Minimalwert eines Menschenlebens bemisst sich in Europa demnach auf etwa 1,8 Millionen Franken, Der Maximalwert liegt bei etwa 4,9 Millionen Franken. Im Durchschnitt ist ein Mensch also etwa 3,3 Millionen Franken wert. Das ist nicht schlecht. Es ist immerhin das Doppelte einer Brieftaube.

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Nun könnte man zur Preisbestimmung auch den real existierenden Menschenhandel heranziehen. Das aber ist nicht hilfreich, weil die Marktbedingungen stark schwanken. Kurz vor dem Amerikanischen Bürgerkrieg, als der Sklavenhandel bereits stark unter Druck war, kostete ein schwarzer Sklave, auf heute umgerechnet, bis zu 30'000 Dollar. In Afrika kann man heute einen Leibeigenen zu einem Zehntel dieser Summe erwerben.

Das teuerste Menschenleben der jüngeren Zeit war der brasilianische Fussballer Neymar. Er wechselte vor drei Jahren für 222 Millionen Euro von Barcelona nach Paris. Es war der höchste Preis, der im freien Markt jemals für einen Homo sapiens bezahlt wurde. Nummer zwei ist Victor Li, der Sohn eines Multimilliardärs aus Hongkong. Im Jahr 1996 wurde er entführt, sein Vater zahlte nach heutigem Geldwert 150 Millionen Franken für seine Freilassung.

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Dagegen sieht sogar eine Taube grau aus.