Die Personalie war ein Signal: Vor drei Jahren berief die Marke Longines den Wirtschaftsjournalisten Daniel Hug an Bord der Marke – für den neu geschaffenen Job des Head of Branding and Heritage. Mithin war klar, dass Longines ihre uhrmacherische Vergangenheit aufarbeiten und valorisieren wollte. Auch in Bezug auf neue Produkte.

Das Ergebnis ist seit einiger Zeit sichtbar geworden – aktuell vor allem mit dem Remake der Ultra-Chron, einer legendären Schnellschwinger-Uhr der späten 1960er Jahre. Als Schnellschwinger, dies nebenbei, gelten Uhren mit einer Unruhfrequenz von 36’000 Halbschwingungen pro Stunde (5 Hertz) oder mehr. Üblich sind heute 28’800 oder auch nur 18’000. Vorteil: Schnellere Schwingung bedeutet im Normalfall grössere Präzision, weil die Auswirkung von Störungen, etwa Schlägen auf die Uhr, kleiner ist. Berühmter Schnellschwinger ist zum Beispiel die El Primero von Zenith von 1969. Doch Longines war schon früh ein Pionier in dieser Spezialität – und knüpft jetzt an die Geschichte an.

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Longines übernimmt viele Attribute

Konkrete Vorlage für die neue Ultra-Chron war das Modell Ultra-Chron Diver von 1968. Viele Attribute wurden übernommen, der rote Minutenzeiger zum Beispiel oder das Ultrachrom-Logo, gepflegt und dreidimensional auf einem schwarz gekörnten Zifferblatt umgesetzt. Zu den inneren Werten des eingebauten Schnellschwinger-Kalibers L836.6 gehören eine Siliziumspirale, selbstredend eine Frequenz von 36’000 Halbschwingungen pro Stunde und eine magnetunempfindliche Hemmung. Was die Prüfung der chronometrischen Präzision anbelangt, ging Longines eigene Wege: Man wollte, dass nicht nur das Werk geprüft wird, es sollte die ganze Uhr mit eingeschaltem Kaliber im Gehäuse getestet werden. Deshalb wird nicht – wie sonst üblich – bei der Contrôle Officiel Suisse des Chronomètres (COSC) in Neuenburg zertifiziert, sondern in Hinblick auf das Prädikat Ultra-Chronometer beim Genfer Unternehmen Timelab, welches auch Prüfungen für die Genfer Punze vornimmt. Das Gehäuse in Cousin-Form hat 43 Millimeter Durchmesser und baut 13.6 Millimeter hoch, die Uhr gibt es ab 3300 Franken.

Longines: Ultra-Chron Diver von 1968.

Die Ultra-Chron Diver von Longines mit ihrem roten Minutenzeiger aus dem Jahr 1968.

Quelle: ZVG

Befeuert wurde die Entwicklung eines Schnellschwinger seinerzeit vor allem von der Sportzeitmessung und vom Willen, an den Wettbewerben für präzise Chronometrie der Observatorien werbewirksame Preise zu holen. Entscheidend war dafür das 1959 lancierte Kaliber 360, der erste Schnellschwinger der Marke in einer Armbanduhr. Werk und Uhr waren rechteckig, das Kaliber umfasste eine Fläche von 763 Millimetern und brillierte mit einer maximalen Abweichung von einer Zehntelsekunde pro Tag. Es war die Basis für das 1967 lancierte Modell Ultra-Chron, die ein Jahr später unter dem Namen Diver auch als Taucheruhr dekliniert wurde.

Das dafür verwendete Kaliber 431 war ein ausgereiftes Werk, das etwa eine halbe Million Mal produziert und in diverse Modelle eingebaut wurde. Neue Verfahren für die Schmierung sowie spezielle Beschichtungen waren entwickelt worden, weil eine höhere Frequenz automatisch auch eine höhere Abnützung der Mechanik bedeutet.

Das 1967 von Longinesnlancierte Modell Ultra-Chron.

Das 1967 von Longines lancierte Modell Ultra-Chron.

Quelle: ZVG

Nettes Detail: Beworben wurde die Ultra-Chron mit der Garantie für eine maximale Gangabweichung von einer Minute im Monat, was zwei Sekunden im Tag entspricht. Andernfalls, so das Versprechen, werde die Uhr vom Werk in St-Imier nachreguliert. Die Zahl kam nicht von ungefähr: Mit der Bulova Accutron war kurz zuvor eine elektrotechnische Stimmgabeluhr in den USA lanciert worden, die genau diese maximale Abweichung versprach.

Mit anderen Worten: Die Ultra-Chron war eine der letzten mechanischen Uhren, die es punkto Präzision mit den neusten Entwicklungen im Bereiche der Elektrotechnik und Elektronik aufnehmen konnte. 

 

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