Der Lockdown hat auch das Geschäft mit Schokolade nicht verschont. So registrierte der führende Kakao- und Schokoladenhersteller Barry Callebaut im dritten Quartal – März bis Mai 2020 – heftige Einbrüche. Betroffen war vor allem der Absatzkanal Läden und Gastronomie; ­allein im April brach die Verkaufsmenge um gegen 60 Prozent ein.

Weit geringer waren die Rückschläge im grösseren Segment der Industrie­kunden. Der gute Geschäftsgang in den ersten sechs Monaten hat das schlechte dritte Quartal etwas ausgeglichen. So schmolz die Verkaufsmenge in den ersten neun Monaten 2019/20 um 1,3 Prozent, der Umsatz ging um 4,4 Prozent zurück.

 

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Bereits im Juni hat sich das süsse Geschäft wieder belebt. Worauf CEO Antoine de Saint-Affrique (56) und Präsident Patrick De Maeseneire (63) die Mittelfristziele anhoben. So soll die Verkaufsmenge in den nächsten drei Jahren um je 5 bis 7 Prozent wachsen (bisher 4 bis 6 Prozent), der Betriebsgewinn dürfte in Lokalwährungen noch stärker zunehmen.

Die neue Guidance ist mit Blick auf ein jährliches Wachstum des globalen Schokoladenmarkts um 1 bis 2 Prozent beachtlich. Die Firma kann auf ein starkes Kundennetz zählen. Ein Trumpf ist auch, dass der Konzern entlang der gesamten Wertschöpfungskette aktiv ist, also von der Kakaobohne bis zur Schokolade.

Ungeachtet der aufgehellten ­Aussichten notieren die Aktien ein Zehntel unter ihrem historischen Höchst. Doch auch auf diesem Niveau sind die Papiere satt bewertet. Die Analysten rechnen für die nächsten Jahre mit Gewinnzunahmen von weit über zehn Prozent. Dessen ungeachtet weisen Barry Callebaut für 2020/21 ein hohes Kurs-Gewinn-­Verhältnis von 37 auf, für 2021/22 liegt es immer noch bei 31. Dennoch sind die Papiere attraktiv, allerdings erst auf langfristige Sicht.

Über den Autor

Frank Goldfinger ist der anonyme ­Börsenspezialist der BILANZ. Schreiben Sie ihm an: bahnhofstrasse@bilanz.ch

Mit Vollgas in die Zukunft

Die Pandemie hat unsere Reise­gewohnheiten verändert. Öffentliche Verkehrsmittel werden gemieden, Autos und Zweiräder sind in. So erfreuen sich Motorräder eines Booms; in den ersten acht Monaten nahmen die Verkäufe um 17 Prozent zu. Einer der Profiteure ist der ­österreichische Motor- und Elektrofahrradhersteller Pierer Mobility.

Allerdings wirkt sich diese Nachfrage erst künftig aus. Im ersten Halbjahr liess der Lockdown den Absatz an Motorrädern um ein Drittel ein­brechen, der Umsatz ging um 21 und der Bruttogewinn um 34 Prozent zurück. Unter dem Strich blieb ein Verlust.

Vom Boom profitiert der führende Motorradbauer Europas (KTM, Husqvarna) erst vom kommenden Jahr an. Vontobel schätzt den Gewinnfortschritt für 2021 auf 70 Prozent, 2022 soll ein weiteres Plus von 30 Prozent resultieren. Die Erholung lässt sich auch an der ­Bewertung der Aktien – das Management hat Zürich als Hauptbörse ­gewählt – ablesen; wird das KGV für dieses Jahr noch auf 53 geschätzt, sinkt es 2021 auf 26 und im Folgejahr auf 19.

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Das Gros der Analysten ­empfiehlt die Titel zum Kauf. Ich bin da etwas zurückhaltender. Das Geschäft ist Zyklen unterworfen, die Aktien erfordern Risikobereitschaft.

Teurer Überflieger Ems-Chemie

«Weshalb schreiben Sie nie über Ems-Chemie? Und was halten Sie von den Aktien?» Ich kann beide Fragen des Lesers in eine Antwort packen: Weil mir die Titel viel zu teuer sind. Alleine in diesem Jahr legten sie ein Drittel an Wert zu. Und seit dem Tiefpunkt des Corona-Börseneinbruchs haussierten sie um über 60 Prozent. Dabei wurde auch der Spezialchemiekonzern von der Pandemie getroffen: Im ersten Halbjahr brachen Umsatz und Betriebsgewinn um gut ein Viertel ein. Immerhin konnten die hohen Margen gehalten werden.

Ems-Chemie bietet alles, was konservative Investoren mögen: starke Ertragskraft, hohen freienCashflow, solide Eigenkapitalbasis, technisches Know-how, starke Kundenbindung. Auch macht die Chefin und Hauptaktionärin Magdalena Martullo-Blocher (51), das muss man ihr neidlos zugestehen, einen exzellenten Job.

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Gerade deswegen werden für die Aktien Mondpreise bezahlt. Auch Analysten schütteln den Kopf ob der hohen Bewertung. Für dieses Jahr stellt sich das geschätzte KGV auf 47, für 2021 immer noch auf 41.

Aktienkurs Ems-Chemie

Absturzgefahr: Der Aktienkurs der EMS-Chemie.

Quelle: Cash.ch

Solche Bewertungen bin ich von Wachstumsunternehmen gewohnt. Nun ist Ems-Chemie zwar solide, doch sicher kein Wachstumsfeger. Zumal die Autoindustrie als bedeutendster Kunde in der Krise steckt. Die Grossbank UBS schätzt das Umsatz- und Ebit-Wachstum über die nächsten vier Jahre auf durchschnittlich gerade mal 3,5 bis 4,5 Prozent. Damit bleiben die Aktien der Bündner Firma überteuert. Hände weg!

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Wachstumspause bei Siegfried

Jahrelang steuerte Siegfried auf ­Expansionskurs. Doch nun hat sich auch der Pharmazulieferer das ­Coronavirus eingefangen. Im ersten Semester stieg der Umsatz in Lokalwährungen zwar um 2,2 Prozent, doch im Gefolge des starken Frankens resultierte letztendlich ein ­Minus von 1,5 Prozent.

Deutlicher fielen die Einbrüche auf der Ertragsseite aus: Der Betriebsgewinn Ebitda ging um 12 Prozent zurück, die Marge schmolz auf noch 15 Prozent. Positiv dagegen, und dies gerade in Krisenzeiten, dass der Cashflow deutlich gesteigert werden konnte.

Siegfried-CEO Wolfgang Wienand

«Kein Weltuntergang»: Siegfried-CEO Wolfgang Wienand über die bescheidenen Zahlen im ersten Semester.

Quelle: Raffael Waldner
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«Kein Weltuntergang», kom­mentierte Konzernchef Wolfgang Wienand (48) die Resultate. Für das zweite Semester stellt er wieder eine deutliche Belebung in Aussicht, im Gesamtjahr soll der Umsatz im unteren einstelligen Prozentbereich wachsen.

Zudem werde die Ebitda-Marge trotz des Rückgangs in den ersten sechs Monaten zulegen, also über den letztjährigen 16,9 Prozent zu liegen kommen. Ein anspruchsvolles Ziel. Doch das starke Wachstum der Gruppe aus Zofingen setzt sich fort. Ebenso in Griffweite ist die mittelfristig angestrebte Ebitda-Marge von 20 Prozent.

Letztmals habe ich die Siegfried-Aktien im April des Vorjahres empfohlen. Seither stiegen die Papiere um 60 Prozent. Der jüngste Kursschub ist auf den potenziellen Auftrag für das Abfüllen eines Corona-Impfstoffs zurückzuführen. Eine erfreuliche Kursentwicklung – die zu Gewinnmitnahmen reizt, zumal die Valoren mit einem KGV von 35 für dieses und 28 für 2021 satt bewertet sind. Doch für Geduldige winken auf mittlere Sicht weitere Kursgewinne.

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