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Bitcoin-Kurs explodiert – kurz vor dem «Halving»

Bitcoins sind gefragt wie lange nicht mehr. Vor allem in China.   Fotolia

In wenigen Wochen sinkt die Inflation der Internetwährung Bitcoin. Jetzt explodiert der Kurs. Vor allem in China.

Kommentar  
Von Marc Badertscher
am 30.05.2016

Es war die Ruhe vor dem Sturm. Wochenlang hatte sich der Wert der Digitalwährung Bitcoin kaum noch verändert. Die Branche spekulierte bereits über einen Kurssprung entweder nach oben oder nach unten aus einem bestimmten Grund: In wenigen Wochen kommt es zum lange erwarteten sogenannten Halving in der Bitcoin-Welt. Ab dem 10. Juli werden täglich nur noch halb so viele neue Bitcoins in Umlauf gebracht wie bis anhin. Damit sinkt die Inflation der Digitalwährung dramatisch.

Seit Monaten spekuliert die Branche darüber, wie sich dies auf den Preis auswirken wird. Die meisten sind der Ansicht, der Preis werde steigen. Nun ist der Kurs in den letzten Tagen tatsächlich um rund 20 Prozent nach oben geschnellt und notiert mit über 500 Dollar so hoch wie seit 20 Monaten nicht mehr.

Nur alle vier Jahre

Das Ereignis vom 10. Juli, welches die Inflation festlegt, wiederholt sich nur alle vier Jahre. Der entsprechende Algorhytmus ist in der Software enthalten, die hinter der Internetwährung steckt und die auf Tausenden von Computern weltweit läuft. Die Software legt fest, dass alle 10 Minuten eine bestimmte Anzahl Bitcoins als Entschädigung an jene gehen, die das Netzwerk mit ihren Computern unterhalten und schützen. 25 Bitcoins werden aktuell alle 10 Minuten neu verteilt. Ab Sommer sind es allerdings bloss noch 12,5. Deshalb der Ausdruck Halving. In vier Jahren sind es dann noch 6,25, und so weiter. Als Bitcoin 2009 ins Leben gerufen wurde, waren es 50.

Der ausgeklügelte Mechanismus regelt gleichzeitig drei Dinge: Er bringt Bitcoins überhaupt erst in Umlauf, sorgt für die Sicherheit der Währung und garantiert, das letztlich nie mehr als total 21 Millionen Bitcoins in Umlauf kommen werden.

Aktuell erhalten die sogenannten Miner, welche die Transaktionen prüfen, ordnen und so Bitcoin sicher machen, täglich Bitcoins im Wert von gut 1 Millionen Dollar. Doch diese Miner haben auch hohe Auslagen für Spezial-Computer und vor allem für Strom. Ein guter Teil dieser Bitcoins im Wert von gut einer Million kommt deshalb unmittelbar auf den Markt, damit die Miner ihre Rechnungen begleichen können.

China ist treibende Kraft

Aus diesen Grund ist die Ansicht weit verbreitet, dass der Preis der Internetwährung steigen müsse, wenn sich nun das Angebot verknappe. Doch sicher ist dieser postulierte Zusammenhang überhaupt nicht.

Das Volumen an den Bitcoin-Börsen ist tausend Mal grösser als die täglich neu ausgegebenen Bitcoins. Vor allem in China. Das Land ist für 93 Prozent aller Börsengeschäfte verantwortlich. Allerdings verlangen die chinesischen Börsen im Unterschied zu den westlichen auch keine Gebühren für den Handel, was den kurzfristigen Handel natürlich enorm antreibt.

Doch China dürfte trotzdem für den aktuellen Preisanstieg verantwortlich sein. Der Boom startete zuerst an den dortigen Börsen mit grossen Volumina. Eben erst senkte die Zentralbank PBOC den Wechselkurs des chinesischen Yuan zum Dollar. Das könnte erneut chinesische Anleger in Bitcoin als Alternativ-Währung getrieben haben.

Zahl der Transaktionen steigt weiter

Darüber hinaus zeigen die Fundamentaldaten bei Bitcoin immer noch nach oben. Die Zahl der Transaktionen nimmt zu. Wenn es in diesem Tempo weitergeht, gibt es in einem Jahr mehr Bitcoin- als Paypal-Transaktionen.

Noch ist das Bitocin-Netzwerk gar nicht bereit für eine weitere Steigerung. Allerdings arbeiten die Chefentwickler an der Kapazitätsausweitung. Vorletzte Woche haben sich die Topshots in Zürich getroffen und über die nächsten Schritte zur Verbesserung der Software debattiert.

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