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Bits & Coins
«Blockchains werden auf uns alle wirken»

Iris Grewe, BearingPoint: Alles wird effizienter.   zvg

Firmen werden auf den Blockchain-Trend reagieren müssen, sagt Iris Grewe. Sie ist Beraterin bei BearingPoint.

Kommentar  
Von Marc Badertscher
am 21.12.2016

Niemandem ist heute klar, in welche Richtung sich die Blockchain-Technologie in den nächsten Jahren weiterentwickeln wird. Allerdings sind viele Beobachter ebenso überzeugt, dass das Übertragen von Eigentumsrechten, Zugangsbewilligungen und überhaupt das Übertragen von digitalen Assets dank der neuen Technologie effizienter vonstatten gehen wird. Iris Grewe vom Beratungsunternehmen BearingPoint erklärt, weshalb das für Firmen nicht nur im Finanzbereich Folgen haben könnte:

Frau Grewe, können Kryptowährungen wie Bitcoin dereinst für nationale Währungen gefährlich werden?

Bitcoin hat gezeigt, dass das Konzept der Blockchain-Technologie verfängt. Meiner Meinung nach braucht die Welt nicht unbedingt eine weitere Währung. Wir sehen allerdings, dass Bitcoin gerade auch im Netz, etwa für Software-Käufe, durchaus Verwendung findet. Ich glaube aber, dass die zugrunde liegende Technologie, die Blockchain-Technologie, zukunftsträchtiger ist als die Währung an sich.

Was ist denn das wirklich Innovative?

Das wirklich Disruptive ist, dass mit einer Blockchain nicht nur Informationen etwa zu Verträgen ausgetauscht werden, sondern dass auch der zugrunde liegende Eigentumsübergang gleichzeitig erfolgt. Die Blochchain-Nutzer haben mehr Teilhabe an der Sache und müssen nicht immer auf einen Mittler setzen, um überhaupt geschäften zu können.

Ist es also ein Widerspruch, dass sich Banken nun die Technolgie auch zunutze machen wollen?

Ein Stück weit sicherlich. Allerdings stellt sich die Frage, welche Marktteilnehmer für welche Aufgaben gut ausgestattet sind. In komplizierten Bereichen wie Infrastruktur-Finanzierungen und bei grossen privatwirtschaftlichen Vorhaben haben Banken nach wie vor die Chance, sich zu positionieren.

Die Banken setzen vorwiegend auf private, geschlossene Blockchains und nicht auf öffentliche Blockchains wie jene von Bitcoin oder Ethereum. Machen Sie das zu Recht?

Ja. Es ist ein machbarer Anwendungsfall. Als das Internet entstand, hat auch nicht jeder gleich alles im öffentlichen Raum benutzt, sondern es intern im Sinne eines Intranetzes versucht. Gerade in Bereichen, wo der Regulator reinschauen möchte und es auf Geschwindigkeit ankommt, ist eine private, sogenannt «permissioned» Blockchain gegebenenfalls sinnvoll. Öffentliche Blockchains brauchen länger, bis ein Konsens entsteht.

Entsteht da gerade ein Kampfzone zwischen privaten und öffentlichen Blockchains, also zwischen regulierten und unregulierten Blockchains?

Möglich und denkbar ist das. Aber manifestiert hat es sich noch nicht. Die Aufsichtsbehörden haben natürlich schon Anforderungen an Transparenz und Offenlegung von Marktteilnehmern. Das widerspricht dem Ideal der Blockchain.

Werden Blockchains unseren Alltag signifikant verändern oder erleben wir gerade einen Hype?

Das Potenzial ist da, weil man die Möglichkeit hat, direkter mit anderen zu interagieren. Das bringt günstigere Dienstleistungen. Das wird sich auf unseren Alltag auswirken.

Hier das Interview in voller Länge:

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