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Bits & Coins
Jetzt erlebt Bitcoin den nächsten Boom

Bitcoin: Transaktionen und Spekulation nehmen zu.   Fotolia

Wieder einmal zieht der Kurs der Digitalwährung Bitcoin kräftig an. Trotz aller Unwägbarkeiten.

Kommentar  
Von Marc Badertscher
am 02.12.2016

In den letzten Monaten las man überall vom schleichenden Niedergang von Bitcoin. Der Hype sei vorbei, Fintech entwickle sich in eine andere Richtung weiter. Blockchain ja. Doch sicher nicht Bitcoin.

Bitcoin-Preis in Dollar: aktuell 770 (2. Dez 2016)Ein etwas anderes Bild zeigt die Wert-Entwicklung der digitalen Währung in letzter Zeit. Seit Anfang Jahr hat der Kurs um 80 Prozent zugelegt. Noch nie war die gesamte Marktkapitalisierung grösser: Alle Bitcoins zusammen haben heute einen Wert von mehr als 12 Milliarden Dollar.

Steigende Gebühren

Die Zahl der Transaktionen stieg zudem kontinuierlich an. Bis jetzt auf rund 300’000 pro Tag. Mehr lässt die Technologie zur Zeit nicht zu. Und wie bei allen Dienstleistungen, bei denen die Nachfrage grösser ist als das Angebot, steigt auch hier der Preis: Das Übermitteln einer Bitcoin-Transaktion war jahrelang praktisch gratis. Jetzt kostet eine zeitnahe Übermittlung bereits rund 30 Cents.

Handel über localbitcoin nimmt zuGestiegen ist die Nachfrage zuletzt überall dort, wo es Problemen mit den klassischen Währungen der Nationalbanken gab. In Indien, Venezuela, Russland, China. Die lokalen Transaktionen, bei denen physisches Geld gegen Bitcoin getauscht werden, nehmen rasant zu. Das zeigt die Auswertung der Handelsplattform localbitcoins.com.

Aber auch die online-Börsen boomen wie noch nie. In Indien haben sich alleine im November 50’000 User neu bei der Plattform zebpay registiert. Die Volumina an chinesischen Börsen erreichen Allzeithochs.

Gefragt als Sicherheit

Im Moment ist klar: Bitcoin wird nicht primär als Zahlungsmittel benutzt. In westlichen Ländern gibt es keinen Bedarf dafür, und in Entwicklungsländern schrecken die steigenden Transaktionsgebühren für kleine Alltagsüberweisungen schon wieder ab.

Volumensteigerung in RusslandBitcoins sind gefragt, weil die Leute von Bitcoins Funktion als Wertaufbewahrungsmittel überzeugt sind. An vielen Orten der Welt wird die Währung zur Absicherung, zur Diversifizierung von Vermögen gekauft. Als Sicherheit gegen Inflation oder Abwertung der eigenen Landeswährung. Quasi als Fluchtwährung, gerade auch im wichtigen Markt China.

In westlichen Ländern dominiert dagegen die Spekulation. Die Investoren setzen schlicht auf ein Anhalten des Booms. Sie setzen darauf, dass der globale Charakter und die Zensurresistenz von Bitcoin eine solche Kraft entwickeln, dass Bitcoin tatsächlich zu einer valablen Alternativwährung avanciert und damit natürlich an Wert gewinnt.

Kampf um das Dezentrale

Wie immer in Geldfragen spielt das Vertrauen eine zentrale Rolle. Seit mittlerweile sieben Jahren läuft das Bitcoin-Protokoll quasi pannenfrei. Doch Risiken bleiben. Schon nur jedes Update der Software – so gewissenhaft geprüft es sein mag – birgt die Gefahr einer zumindest vorübergehenden Panne. Zudem: Je wichtiger Bitcoin wird, desto mehr rückt die Währung in den Fokus von Akteuren, die der Währung skeptisch gegenüberstehen oder ihr schaden möchten.

Und Bitcoin ist nicht unangreifbar. Bisher bot ein beträchtliches Mass an Dezentralisierung Sicherheit. Aber wie überall, wo Menschen wirtschaften, bilden sich auch in der Bitcoin-Welt langsam Oligopole heraus. Zum Beispiel bei den Entwicklern, die den Programmcode vorantreiben.  Oder bei jenen Rechenzentren, welche die Transaktionen quasi verarbeiten. Damit entstehen möglicherweise wieder jene konkreten Angriffspunkte, die das Konzept Bitcoin ja gerade vermeiden wollte. (Bitcoin kommt entgegen der weit verbreiteten Ansicht nicht ohne Intermediär aus. Es sind nur nicht mehr die klassischen Akteure aus der Finanzwelt, sondern neue – die sogenannten Miner.)

Das Hauptproblem von Bitcoin ist denn auch: Der Erfolg. Die steigende Nachfrage verlangt danach, die Technologie zu skalieren, leistungsfähiger zu machen. Naturgemäss geht das einfacher, wenn man zentralisiert. Wenn nicht alles täuscht, wird dieser fundamentale Antagonismus noch Jahre Bestand haben.

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