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Bits & Coins
So funktioniert die digitale Währung Bitcoin

Bitcoin-Symbol: Wie geht das nun mit der neuen Währung?   Bloomberg

Lange war unklar, wie sich Geld ohne eine Bank versenden lässt. Der Bitcoin löst dieses Problem. Das Verfahren, das ihm zu Grunde liegt, ist erstaunlich simpel. Wir zeigen, wie es funktioniert.

Kommentar  
Von Marc Badertscher
am 17.03.2016

Menschen vertrauen Technik aus zwei Gründen. Weil sie aus Gewohnheit wissen, dass etwas funktioniert. Oder weil sie verstehen, was passiert. Bei Bitcoin ist derzeit meistens beides nicht der Fall. Bitcoin? Dezentral? Konsensbasiert?

Dabei löst die Bitcoin-Technologie ein altes Problem: Bisher gelang es niemandem, digitales Geld kopiersicher zu machen und gleichzeitig die wichtigste Eigenschaft von Bargeld zu erhalten: Bargeld als Tauschmittel nur zwischen zwei Parteien. Bei Bargeld kann Martha Münzen und Noten an Lukas übergeben, ohne dass es eine Vermittlerinstanz bräuchte.

Eine zentrale Bank gibt es nicht

Im elektronischen Zahlungsverkehr gab es dagegen bisher immer eine zentrale Instanz, etwa eine Bank, die alles kontrolliert und bewilligt. Wenn Martha Geld an Lukas überweisen will, dann prüft die Bank zuerst, ob Martha hierfür genügend Geld auf ihrem Konto hat, und notiert nach erfolgreicher Überweisung den neuen Kontostand von Martha und Lukas in ihrem grossen Kontoführungsbuch. Was dort steht, gilt.

Bei Bitcoin gibt es diese zentrale Bank mit ihrer zentralen Datenbank (dem Kontoführungsbuch) nicht. Bitcoin ist ein Netzwerk von Tausenden von Computern, die miteinander kommunizieren. Um zu verstehen, wie dieses Bitcoin-Netzwerk funktioniert, stellt man sich als Analogie am besten einen grossen Saal vor mit tausend Menschen drin.

Die Nachbarn überprüfen

Einige Menschen in diesem Saal wollen sich nun Geld überweisen. So auch Martha. Sie schreibt auf einige Zettel, dass sie Lukas einen bestimmten Betrag überweisen will. Dann überreicht sie diese Zettel den Leuten, die ihr in diesem grossen Saal gerade am nächsten stehen. Diese Nachbarn überprüfen nun – jeder für sich – Marthas Wunsch nach einer Transaktion. Hierfür werfen sie einen Blick in das Bitcoin-Kontoführungsbuch.

Alle in der Turnhalle verfügen über eine Kopie dieser Datenbank. Darin stehen alle Einzahlungen und Auszahlungen von Marthas Konto und somit auch das aktuelle Guthaben. Ist Marthas Überweisungswunschmöglich, wird er im Saal weiter herumgereicht.

Mathematisches Rätsel lösen

Alle Leute im Raum sammeln nun solche Transaktionswünsche. Es gibt viele davon, denn Martha ist nicht die einzige, die Geld überweisen will. Das grosse Problem ist aber: Wer bestimmt, welche Transaktionen in welcher Reihenfolge unveränderbar in dieses tausenfach kopierte Kontoführungsbuch eingeschrieben werden sollen, damit künftig alle vom Gleichen reden? Die Lösung ist so originell, dass sie fast komisch anmutet: Der Saal veranstaltet einen Wettbewerb.

Alle Leute darin versuchen, ein bestimmtes mathematisches Rätsel zu lösen. Man kann sich diesen Rätselvorgang als Auflösen eines Sudoku-Rätsels vorstellen. Wem dies als erstes gelingt, ruft laut «Bingo» und verteilt im Saal seine Sudoku-Lösung und ein Blatt Papier mit allen Transaktionen, die er bis dahin gesammelt hat.

Ein Konsens ist entstanden

Alle andern im Saal sind erst einmal enttäuscht. Sie hätten auch gerne gewonnen und den Bingo-Preis eingeheimst. Danach aber überprüfen sie den Sudoku-Lösungsvorschlag. Falls das Rätsel tatsächlich korrekt gelöst wurde, klebt jeder das vom neuen Rätselkönig verteilte Blatt mit den neuen Transaktionen in sein Kontoführungsbuch und erzählt seinem Nachbar alles, was passiert ist. So wissen in kurzer Zeit alle im Saal über den aktuellen Stand des Kontobuches Bescheid.  Ein Konsens ist entstanden.

Nun beginnt die nächste Rätselrunde. Alle im Saal sammeln wieder Transaktionen und versuchen, das nächste Rätsel zu lösen. Statt der Menschen in unserer Analogie sind es bei Bitcoin die Computer, die voll automatisiert dauernd miteinander kommunizieren, die Rätsel lösen und dasKontoführungsbuch nachführen. Dezentral. Dank Konsens. Ohne Bank. Bisher sind im Bitcoin-Netzwerk rund 329 000 Rätselrunden abgespuhlt worden. Im Durchschnitt gibt es alle zehn Minuten einen Sieger und damit alle zehn Minuten neue Transaktionen im Kontoführungsbuch.

 

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