1. Home
  2. Blogs
  3. Bits & Coins
  4. Warum Bitcoin und Ethereum grosses Interesse wecken

Bits & Coins
Warum Bitcoin und Ethereum grosses Interesse wecken

Imported Image
Bitcoin und Ethereum: Macht in der Peripherie statt im Zentrum.   zvg

Die Kurse beim Bitcoin steigen fast beängstigend rasant. Doch was sollen Bitcoin und Ethereum wirklich Neues bringen?

Marc Badertscher
Kommentar  
Von Marc Badertscher
2017-06-02

Seit acht Jahren gibt es Bitcoin. Für die einen ist es eine Währung, für andere ein Spekula­tionsobjekt, für dritte ein politisches Statement für mehr Selbstbestimmung und Unabhängigkeit. Bitcoin war nur der Anfang. Seit zwei Jahren gibt es Ethereum, eine Weiterentwicklung von Bitcoin, welche inzwischen weltweit Zehntausende von Softwareentwicklern beschäftigt. Bitcoin wie Ethereum sind öffentliche Blockchains – im Kern sind das öffentliche Datenbanken.

Dezentral

Was unscheinbar klingt, hat grosse Wirkung. Denn Datenbanken sind wichtig. Ob bei einer Bank, bei Facebook, ob Rabattpunkte wie Cumulus oder Stromrechnungen: Hinter all dem steckt immer eine Datenbank. In all diesen Fällen wird sie von einer zentralen Instanz verwaltet. Diese Instanz kontrolliert, kann Einträge ändern, rückgängig machen oder Nutzer ausschliessen. Das ändert sich mit Bitcoin, Ethereum und Co. Bei den ­öffentlichen Blockchains gibt es keine zentrale Instanz, welche eine solche Machtfülle innehätte. Öffentliche Blockchains sind dezentrale Datenbanken. Sie werden von Hunderten und Tausenden Parteien gemeinsam geführt. Niemand hat ­dabei per Dekret beson­dere Macht.

Das verleiht ihnen in der digitalen Welt bisher ­unbekannte ­Eigenschaften: Sie sind zensurresistent, sie sind transparent, und sie sind schwer angreifbar, weil es keine zen­tral angreifbare Institution gibt. Für gewisse Anwendungen sind sie effizienter, da sie bestehende ­Monopole unterlaufen. So lautet das Versprechen von öffentlichen Blockchains. In der Praxis ist alles etwas komplexer, und es bestehen Risiken, zum Beispiel nur schon wegen mög­licher Programmierfehler.

Gewissheit

Bitcoin war die erste dezentrale Datenbank, die erste öffent­liche Blockchain. Im Fall von Bitcoin sind in der Blockchain schlicht Überweisungen gespeichert. Aber eben zensurresistent, unveränderbar, für alle gleichermassen nachvollziehbar. In der Ethereum-Datenbank dagegen sind nicht nur Überweisungen gespeichert, sondern auch ganze Programme, welche aufgerufen werden können.

Der Clou ist: Wer immer ein solches Programm aufruft, hat die Gewissheit, dass das Programm genau das ausführt, was es verspricht. Und entscheidend: Auch alle anderen Nutzer haben diese Gewissheit. Das ist extrem wertvoll in allen Situationen, wo es Gegenparteien gibt – also bei allen Transaktionen. Solche gibt es nicht nur bei Finanz­geschäften der Banken und Börsen, sondern bei allen möglichen Dienstleistungen und Vertragsgeschäften. Bisher brauchte es immer einen Vermittler, eine Autorität, weil man letztlich der Gegenpartei nicht ganz trauen konnte.

Neue Kräfte

Dieser Intermediär fällt nun weg. Darin liegt das Poten­zial. Nicht nur aus Effizienzgründen und nicht nur, weil plötzlich neue Anwendungen denkbar werden. Öffentliche Blockchains verschieben das Kräfteverhältnis vom Zentrum in die Peripherie. Darin liegt die gesellschaftspolitische Brisanz.

So funktioniert Bitcoin - kompakt erklärt:

Anzeige