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Digital Switzerland
«Die Digitalisierung gewinnt man nicht in Brüssel»

 

Noch haben viele Menschen nicht begriffen, wie die Digitalisierung unser Leben verändert. Ruedi Noser erklärt die Trends der Zukunft.

Kommentar  
Von Mathias Ohanian
am 14.09.2016

Die Schweizerinnen und Schweizer haben längst noch nicht verstanden, wie die Digitalisierung unser Leben verändern wird. Das jedoch sei kein Wunder, sagt Ständerat (FDP) und Unternehmer Ruedi Noser im Interview. Denn selbst Entscheidungsträger aus Wirtschaft und Politik könnten nicht sicher vorhersagen, wohin die Reise gehen wird. «Es ist aber klar, dass die Digitalisierung alle Bereiche des Lebens ansprechen und verändern wird.»

Wie jedoch können wir uns die bevorstehenden Entwicklungen am einfachsten vorstellen? Fakt ist: Das Tempo, mit dem die Digitalisierung in unser Leben beeinflusst, wächst rasant. Die Schweizer, so Noser, sollten sich die Veränderungen der vergangenen 20 Jahre vergegenwärtigen – und davon ausgehen, dass vergleichbare Fortschritte in den kommenden zehn Jahren erreicht würden.

«Möglichst wenig Aktionismus»

Gesellschaft, Politik und Wirtschaft stellt dies vor riesige Herausforderungen. Gesetze und Vorschriften beruhen vor allem auf den Erfahrungen der alten Welt. Für den Liberalen ist klar: «Das Wichtigste, das die Politik machen kann, ist möglichst viel Freiheiten geben und möglichst wenig Aktionismus zeigen.» Dann könne die Wirtschaft schnell entscheiden.

Darüber hinaus jedoch gebe es viele technische Regulierungen, die der Digitalisierung teils im Wege stehen – etwa im Umweltschutz, im Baubereich oder der Energie. «Da erhoffe ich mir, dass Bund und Kantone die Regulative so anpassen, dass man innovationsfähig wird und neuen Ideen eine Chance gibt.» Die Kantone sieht Noser auch mit Blick auf die Besteuerung von Startups in der Pflicht, will die Schweiz sich im Wettbewerb mit anderen innovativen Zentren wie dem Silicon Valley, Berlin oder Tel-Aviv behaupten:

 

Zudem muss sich die Schweiz für den Wettbewerb um die besten Talente wappnen, ist der 55-Jährige überzeugt. Denn in Zeiten der Digitalisierung können geniale Ideen ganz neue Geschäftsmodelle begründen. Entsprechend wichtig scheinen Investitionen in die Ausbildung einer Elite: «Ich erwarte vom Bund, dass man in Exzellenz investiert – nicht nur in Breitenbildung.» Eine digitale Ausbildungsoffensive auf dem Niveau der ETH, so Noser, könnte die Schweiz zum Forschungs-Hotspot von ganz Europa machen.

«Diese Milliarden machen die EU nur träge»

Doch droht der Schweiz angesichts von Milliardenfonds in der Europäischen Union womöglich ein Standortnachteil? Noser ist zuversichtlich – er glaubt nicht an die Innovationskraft der Union. Die Schweiz hat es selbst in der Hand, ist der Politiker überzeugt, er spricht von einer «einmaligen Chance» für die Schweiz:

 

Der wachsenden Sharing Economy misst Noser immenses Veränderungspotenzial bei. Angebote wie Uber oder Airbnb stellen unsere Wirtschaft auf den Kopf und sorgen gleichzeitig für mehr marktwirtschaftliche Effizienz, ist Noser überzeugt, denn weniger Ressourcen werden verbraucht. Damit jedoch sinken auch Umsatz- und Geschäftsmöglichkeiten.

«Bildungspolitik in Europa grundsätzlich hinterfragen»

Das bedeutet jedoch nicht, dass mit der Digitalisierung automatisch Jobs verloren gehen. Vielmehr findet eine Verschiebung statt. Die Menschen werden in Zukunft anders arbeiten, das feste Anstellungsverhältnis an Bedeutung verlieren. Darauf muss sich auch Europas Politik einstellen – insbesondere angesichts der Millionen arbeitslosen jungen Menschen, so Noser:

 

Wie äussert sich die Digitalisierung in Nosers persönlichem Leben? Der Politiker bezeichnet sich selbst als «Nerd» und ist begeisterter Nutzer des Fahrdienstes Uber. Das geht sogar so weit, dass er in seinen nächsten Ferien ganz auf ein Mietauto verzichten will:

 

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