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Digital Switzerland
Manifest: Acht Punkte für die digitale Zukunft

 

Das Ziel ist klar: Die Schweiz soll digital führend werden. Ein Manifest umreisst, wie die Schweiz dahin kommt. Gefordert sind alle Bereiche des Lebens.

Kommentar  
Von Julia Fritsche
am 23.11.2016

Die Schweiz soll bei der Digitalisierung weltweit führend werden. Konkretes Ziel einer Gruppe von digitalen Köpfen ist es, die Schweiz zur Nummer eins in Europa zu machen. Mit einem Manifest haben Führungskräfte aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft in Bern den Weg zur Crème de la Crème der digitalen Zukunft skizziert.

Mit an Bord ist auch der Bundesrat. So war es Bundespräsident Johann Schneider-Ammann, der zusammen mit 50 sogenannten «Digital Shapers» das Grundlagenpapier bei einem Arbeitstreffen mit erarbeitet hat. Das Thema Digitalisierung stehe auch beim Bund weit oben auf der Agenda, sagte Schneider-Ammann. Beispielsweise solle ein digitaler Beirat ins Leben gerufen werden.

Mit Ideen ist es aber nicht getan. So fordert Ständerat Ruedi Noser (FDP/ZH) 2 Milliarden Franken vom Staat für Investitionen in Bildung und Forschung. Erst eine Zusammenarbeit von Gesellschaft, Politik und Wirtschaft führt die Schweiz in puncto Digitalisierung auf einen Spitzenplatz. Das sind die zentralen Punkte des Manifests:

1. Gesellschaft

Von den Akteure der digitalen Transformation, den «Digital Shapers», erwarten die Initiatoren einen stetigen Dialog mit der Bevölkerung. Sie sollen dabei die Chancen, das Potenzial und die Herausforderungen für die Schweiz in den nächsten Jahren aufzeigen.

2. Regulierung

Regulierung soll neue Ideen ermöglichen, statt Bestehendes erhalten. Die aktuelle Gesetzgebung muss denn auch darin überprüft werden, ob sie für die digitale Transformation tauglich ist.

3. Infrastruktur

Wie Strassen, Schienen und Stromnetze sind Daten Teil der Infrastruktur der Schweiz. Staat und Wirtschaft müssen ihnen hohen Wert beimessen und daraus Mehrwert generieren. Der Staat muss sich mit seinen Daten als Vorreiter betätigen.

4. Bildung

Eine zentrale Rolle kommt Bildung und Kreativität zu. Bereits Kinder sollen den Umgang mit diesem Rohstoff erlernen und digitale Inhalte schaffen. Damit das möglich wird, brauchen Lehrer eine entsprechende Aus- und Weiterbildung.

5. Forschung

Der Schweizer Forschungsstandort muss führend bei der digitalen Transformation werden. Hier kommen die geforderten zwei Milliarden ins Spiel. Diese soll der Bund der ETH in Zürich und der EPFL in Lausanne für die nächsten zehn Jahre zur Verfügung stellen.

6. Innovation

Keine Nachteile für Start-ups im Vergleich zu klassischen Investments: Neue Ideen dürfen nicht besteuert werden, bevor sie Gewinne abwerfen. Bereits im September hat Marc Walder, Ringier-CEO und Gründer von Digital Switzerland, die Problematik der heutigen Steuerpolitik für Start-ups im Videointerview mit handelszeitung.ch erläutert:

 

Als aktive Beihilfe soll zudem ein privat geführter Zukunftsfonds Jungunternehmen mit Kapital und Expertenwissen zur Seite stehen.

7. Wirtschaft

Digital denken, heisst international denken. Unternehmensstrategien dürfen demnach nicht an der Landesgrenze aufhören, sonst haben sie kaum Perspektive. Der Staat soll sich als Partner im digitalen Wandel betätigen. Zum Vorbild erklärt das Manifest die skandinavischen und baltischen Staaten, wo der digitale Austausch zwischen Bürger und Verwaltung weit fortgeschritten ist. Von grossen Firmen wird Start-up-Unterstützung und -Förderung erwartet.

8. Jobs

Radikal ist die Forderung in Bezug auf Arbeitsmodelle: Auf die bisherige Unterscheidung zwischen selbstständig und unselbständig Erwerbenden müsse künftig verzichtet werden. Flexibilität wollen die Initiatoren auch in Bezug auf die Arbeitszeiterfassung.

Etwas umständlich formuliert das Manifest seine Forderung zur Einwanderungspolitik: «Die Schweiz ist auf die besten Talente weltweit angewiesen, weil die Schweizer Wirtschaft und Wissenschaft hoch spezialisiert sind und die Schulen und Hochschulen den Bedarf nicht vollumfänglich decken können.»

Offiziell vorgestellt wird das «Digitale Manifest» Ende Januar im Rahmen des Worldwebforums. Es ist zu hoffen, dass die Punkte dann konkretere Form annehmen - in Zeitplänen oder Vorstössen. Was sich etwa hinter den digitalen Inhalten verbirgt, die Kinder schaffen sollen, oder wie sich der Bund als Datenvorreiter betätigen soll, ist bislang nicht definiert.

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