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Virtual Reality: Aktienkauf mit den Augen

 

Kaufen, verkaufen - Blicke genügen. Die Online-Bank Swissquote lanciert den Aktienhandel per Virtual Reality. Es ist das erste solche Angebot in Europa, welchen Sinn hat es für Anleger?

Kommentar  
Von Karen Merkel
am 02.02.2017

Da schwebt sie, die Nestlé-Aktie. Einen guten Meter über dem Genfer See. So sieht der Nutzer sein Portfolio, wenn er die neue Virtual Reality App von Swissquote verwendet. Die grösste Schweizer Online-Bank hat als erstes Geldhaus in Europa eine Anwendung entwickelt, bei der ihre Kunden mittels VR-Brille Aktien handeln können. «Es geht vor allem darum, den Spassfaktor beim Aktienhandel zu erhöhen», sagt André Burri, Mobile-Chef von Swissquote, bei der Präsentation auf der Finanz17 in Zürich.

Die App selbst ist simpel aufgebaut. Setzt der Nutzer die VR-Brille auf, befindet er sich in einer 360-Grad-Umgebung, auf der ein Menü angezeigt wird. Die Bedienung erfolgt per Eye Tracking. Mit seinem Blick kann der Nutzer die Menüpunkte auswählen – und zum Beispiel als Hintergrund den Genfer See auswählen oder ein Alpenpanorama.

Aktienkauf mit wenigen Blicken

Vor allem aber kann der Nutzer die Marktentwicklung in Echtzeit verfolgen. Die SMI-Werte, Devisenkurse, das eigene Portfolio sind zu sehen, Gewinner sind grün, Verlierer sind rot. Swissquote-Kunden wird die Darstellung von der App bekannt vorkommen, nur sind die Titel hier im Raum verteilt.

Mittels Eye Tracking kann der Nutzer eine Aktie seiner Wahl aufrufen und mit zwei langen Blicken den Kauf auslösen. Diese «Fast Trade»-Technologie hat Swissquote neu entwickelt. Sie spart Klicks, allerdings müssen Anleger die Summe für den Kauf im Vorhinein am Desktop festlegen. In der VR-Umgebung können dann Käufe für diese Summe ausgelöst werden.

Das Portfolio als Stadt

Aktienhandel per Virtual Reality – das haben bisher wenige Anbieter ausprobiert. Einen Schritt in diese Richtung ging Fidelity in den USA. Mit «Stock City» haben sie 2014 eine Anwendung lanciert, die das Aktienportfolio gleich einer Stadt darstellt (siehe rechts). Einzelne Positionen im Portfolio werden als Häuser gezeigt, die Zahl der gehaltenen Aktien bestimmt die Gebäudehöhe. Ein Experiment der Grossbank «Citi» mit der Microsoft HoloLens im vergangenen Jahr nutzt die 3D-Darstellung, um komplexe Börsendaten übersichtlicher zu machen.

Diese Angebote konzentrieren sich aber stärker die neuartigen Möglichkeiten, Daten darzustellen, als auf den direkten Handel per VR-Brille. Allerdings ist für Swissquote ohnehin klar, dass ihr neues Angebot ein Nischenprodukt ist – egal in welcher Form. 

«Fast Trade» für die Apple Watch

«Die VR-Brille hat noch nicht die breite Masse erreicht», sagt CTO Paolo Buzzi in einer Mitteilung. Doch das Experiment lohnt sich für Swissquote in jedem Fall: «Die Trading-VR-App zeugt von unserer Innovationskraft», so Buzzi. Ausserdem würden von dem Vorstoss auch andere Bereiche profitieren. So werde die «Fast Trade»-Technologie für den schnellen Aktienkauf bald für die normale App und die Apple Watch ausgerollt.

Die Virtual Reality App von Swissquote ist ab Freitag zum Download im App Store zu finden, für Android wird das Angebot demnächst aufgeschaltet. Der Nutzer braucht ein Cardbord, um sein Handy als VR-Brille zu verwenden. Es ist geplant, die App auch für VR-Brillen wie Occulus Rift anwendbar zu machen.

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