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Digital Switzerland
Volg – zwischen Dorflädeli und World Wide Web

Dorfladen in Surrein: Volg profitiert vom Trend zum Regionalen. Keystone

In den Volg-Läden setzt Fenaco auf persönlichen Kontakt zu Kunden und Produzenten. Die Digitalisierung soll sich im Hintergrund abspielen. Für 2017 ist indes eine grosse Expansionsoffensive geplant.

Gabriel Knupfer
Kommentar  
Von Gabriel Knupfer
am 22.09.2016

In grossen Städten findet man kaum einen Volg. Auf dem Land sind die Läden der Genossenschaft der Schweizer Bauern dagegen omnipräsent. In vielen Dörfern spielen sie als einzige Einkaufsmöglichkeit – abgesehen etwa vom Metzger oder dem Beck – eine zentrale Rolle im Dorfleben.

«Im Volg schätzen es die Kunden, mit dem Verkaufspersonal einen kurzen Schwatz halten zu können», sagt Ferdinand Hirsig, Leiter Division Detailhandel und Energie bei der Fenaco. «Im Dorfladen hat man Zeit und nimmt sich Zeit.» Regional, kundennah aber auch ein bisschen behäbig ist denn auch das Image der Volg-Läden.

Hinter den Kulissen dagegen sieht es anders aus. In der Logistik und Organisation sei man auf dem neusten Stand, erklärt Hirsig:

 

Diskrete Digitalisierung

Gleichzeitig muss Volg nach aussen ein Dorfladen bleiben. Denn darin liegt das Erfolgsrezept. Bei der Digitalisierung gehe es grundsätzlich darum, auch einmal «Nein» zu sagen, ist Hirsig überzeugt. «Man muss für sein Geschäft wissen, was Sinn macht und was nicht». So sei etwa Self-Checkout weder für Volg, noch für die von Fenaco betriebenen Tankstellenshops sinnvoll.

Wenn alles reibungslos funktioniert, ohne dass die Kunden etwas merken, ist der Zweck der Digitalisierung erreicht, erklärt Hirsig:

 

Das Tempo der aktuellen Umwälzungen im Detailhandel ist auch bei Volg ein Thema. Grosse Sorgen macht man sich deswegen aber nicht. Kunden kaufen im Volg für durchschnittlich 17 Franken ein – dafür fährt niemand ins Ausland. Zudem helfe der Trend zum Regionalen, zur Swissness, glaubt Hirsig. Volg sei seit jeher im Dorf zuhause und müsse diesen wichtigen Vorsprung verteidigen.

«E-Commerce nach Volg-Art»

Das schlägt auch auf die Pläne im Internet durch. 2015 startete der Detailhändler seine ersten Gehversuche im Onlinehandel. In 34 ländlichen Deutschschweizer Gemeinden können sich Kunden seither Produkte aus dem lokalen Volg vom Pöstler nach Hause liefern lassen.

Die Erfahrungen aus dem Pilotversuch sind offenbar positiv:

 

Im Frühling 2017 will man das Angebot auf weitere Gemeinden und Regionen in der Deutschschweiz ausweiten, wie handelszeitung.ch berichtete. Der Onlineshop wird in jenen Gemeinden verfügbar sein, in denen es bereits einen Volg gibt.

Dass man damit den Branchenriesen Migros und Coop kaum Angst einjagen wird, ist Hirsig bewusst. Doch das sei auch nicht das Ziel. Mit «E-Commerce nach Volg-Art» sei man bei einer wichtigen Entwicklung dabei, ohne damit die eigene Konzernkultur zu verraten.

Ob analog oder digital – Volg kann mit seinem Nischendasein gut leben:

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