Die Sharing Economy entzweit die Geister. Während viele Schweizer Konsumenten die damit verbundenen Vorteile geniessen – von tieferen Preisen, über ein grösseres Angebot bis hin zu einer besseren Qualität –, wehren sich vor allem Vertreter des Hotel- und Taxigewerbes gegen den Trend des Teilen und Mieten. Sie fordern, dass Akteure in der Sharing Economy denselben Vorschriften unterstellt sein sollen, die in der «traditionellen» Wirtschaft gelten. Einzelne Stimmen im Taxigewerbe fordern sogar ein Verbot des amerikanischen Fahrdienstvermittlers Uber.

Bundesrat und Parlament geraten deshalb zunehmend unter Druck, sich mit den Regulierungsfragen rund um die Sharing Economy auseinanderzusetzten. In den letzten Monaten wurde im Parlament eine ganze Reihe neuer Vorstösse dazu eingereicht. Zudem hat das Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung einen Bericht zuhanden des Bundesrates erarbeitet, der vor ein paar Tagen veröffentlicht wurde. 

Was ist von diesen Forderungen zu halten? Sollte der Bund für gleich lange Spiesse sorgen und die Sharing Economy stärker regulieren?

Konsumenten sind die besseren Kontrolleure

Um die Berechtigung dieser Forderung zu beurteilen, ist es wichtig, vom ursprünglichen Ziel auszugehen, das mit der Einführung einer bestimmten Regulierung erreicht werden sollte. Im Taxi- und Hotelgewerbe ist das in den meisten Fällen der Konsumentenschutz, wie anhand des folgenden Beispiels verdeutlicht werden soll: Als Kunde ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass man denselben Taxifahrer nur einmal benutzt – gerade wenn man in einer Grossstadt oder als Tourist unterwegs ist.

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Man hat deshalb kaum die Möglichkeit, die Qualität der Fahrt, die Sauberkeit des Fahrzeugs, die Zuverlässigkeit des Fahrers oder den Preis im Voraus einzuschätzen. Mit dem Ziel diese ungleiche Verteilung der Informationen aufzubrechen und den Konsumenten vor schlechten Angeboten zu schützen, hat der Staat Höchsttarife, Lizenzen, Fach- und Ortskundeprüfungen für Fahrer oder Vorschriften zur Sauberkeit der Fahrzeuge eingeführt.

Ausgehend vom Ziel des Konsumentenschutzes stellt sich nun die Frage, ob es sinnvoll ist, diese Regulierungen auf Fahrdienstvermittler in der Sharing Economy zu übertragen, und damit für gleich lange Spiesse zu sorgen. Die Antwort lautet: Wohl kaum, denn die oben geschilderte Situation des Taxikunden trifft auf den Uber-Kunden nicht mehr zu. Dank digitalen Bewertungs- und Monitorsystemen verfügt er im Voraus über die nötigen Informationen zur Qualität des Fahrers, der Fahrt und dem Fahrzeug.

Zudem kennt er den ungefähren Preis und kann dank GPS genau kontrollieren, ob der Fahrer die kürzeste Strecke wählt. Diese Form der Selbstregulierung schafft Transparenz und Vertrauen. Wer sich nicht vorbildlich verhält, kein sauberes Fahrzeug oder einen schlechten Fahrstil hat, überlebt nicht lange, denn dies schlägt sich in seinen Bewertungen nieder. Bei einem Fahrer mit zwei oder drei Sternen wird kaum noch ein Kunde einsteigen. Dadurch wird die Dienstleistung in der Sharing Economy letztlich nicht mehr von ein paar Kontrolleuren kontrolliert, sondern von den Konsumenten.

Vorschriften wie die Ortskundeprüfung sind überholt

Statt die Anbieter in der Sharing Economy mit den «traditionellen» Regulierungen zuzudecken, sollten die Behörden deshalb vielmehr versuchen, die Bewertungs- und Monitorsysteme miteinzubinden und gesetzlich zu legitimieren. Diese erreichen das Ziel der Regulierungen häufig besser als gesetzliche Vorschriften, weil sie den Wettbewerb nicht unterbinden und hohe Kontrollkosten vermeiden. Das soll nicht heissen nicht, dass die Sharing Economy gar keine staatliche Regulierung braucht. Effiziente und mit relativ geringem administrativen Aufwand verbundene Mindestvorschriften wie etwa ein Backgroundcheck für Fahrer oder eine Meldepflicht für ausländische Touristen könnten als Ergänzung zu den Bewertungs- und Monitorsystemen sinnvoll sein.   

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Gleichzeitig sollten die Regulierungen für Anbieter im Taxi- und Hotelgewerbe überdacht werden. Vorschriften wie der Fahrtenschreiber oder die Ortskundeprüfung sind überholt und machen aufgrund neuer Technologien auch für «traditionelle» Taxis kaum noch Sinn. Spielraum für einen Regulierungsabbau gibt es auch in der Hotelindustrie, man denke nur schon an die unzähligen Hygiene-Vorschriften.

Von diesem zweiseitigen Ansatz – Einbindung der Bewertungs- und Monitorsysteme und Abbau nicht mehr zeitgemässer Regulierungen – würden letztlich nicht nur die Konsumenten profitieren, sondern auch die Anbieter der «traditionellen» Wirtschaft.