1. Home
  2. Digital Switzerland
  3. Wenn Kollege Roboter in der Teppichetage Einzug hält

Digital Switzerland
Wenn Kollege Roboter in der Teppichetage Einzug hält

 

Bald dürften Roboter in der Geschäftsleitung Platz nehmen. Unternehmen sollten früh in die Zusammenarbeit von Maschinen und Menschen investieren.

Kommentar  
Von Cornelia Diethelm
am 03.04.2017

Bereits in zehn Jahren werden die ersten Roboter in der obersten Unternehmensleitung Platz nehmen. Roboter könnten Anträge auf mehr Stellenprozente oder den Ausbau eines Lagers ablehnen, weil sich aufgrund des aktuellen Marktumfeldes und strategiekonformer Prognosen kein Handlungsbedarf ableiten lässt. Ausserdem könnten Roboter einzigartige Einblicke in aktuelle Entwicklungen geben, indem sie öffentlich zugängliche Daten mit internen Daten verknüpfen.

 Solche Informationen sind wichtig, um sich frühzeitig mit Innovationen und neuen Geschäftsfeldern auseinanderzusetzen. Denkbar ist, dass Roboter dank neuen Technologien wie der Blockchain sogar über ein eigenes Budget verfügen und direkt Aufträge an Dritte erteilen.

Intelligente Maschinen sind Menschen schon heute überlegen

Intelligente Maschinen sind Menschen bereits heute überlegen, wenn es darum geht, grosse Datenmengen zu verarbeiten und komplexe Muster zu erkennen. So erkennt Watson von IBM beispielsweise verschiedene Krebsarten in medizinischen Bildquellen, indexiert sie mit Metadaten und schlägt Behandlungsmethoden vor. Dem liegt eine Menge an Fachliteratur und Patientendossiers zugrunde, die mit aktuellen Befunden aus Untersuchungen und Diagnosegeräten kombiniert werden - in kürzester Zeit. Daten der Gene einer Patientin lassen sich innerhalb von zehn Minuten mit denen von zwanzig Millionen anderen Krebspatienten abgleichen.

Da die Menge an strategisch relevanten Daten weiter zunehmen wird, werden diese Stärken von Maschinen zu einer unerlässlichen Erweiterung der menschlichen Leistungsfähigkeit. Maschinen können faktenbasiert Empfehlungen abgeben, Entscheide fällen und in Zukunft sogar Strategien entwickeln.

Menschen vertrauen Bauchgefühl mehr als Algorithmus

Auch wenn intelligente Maschinen wie Watson bei spezifischen Themen schon heute mehr wissen als Menschen: Studien zeigen, dass Menschen lieber ihrem eigenen Gefühl oder einer anderen Person vertrauen als dem Urteil eines Algorithmus. Als Folge davon treffen sie sehr oft die schlechteren Entscheide. Das Phänomen nennt sich «Algorithm Avoidance» und erschwert es Menschen, intelligenten Maschinen zu vertrauen. Dabei machen Algorithmen deutlich weniger Fehler als Menschen. Trotzdem nehmen Menschen an, nur sie selbst könnten ihr Urteilsvermögen verbessern, nicht aber Maschinen.

Dank Fortschritten beim maschinellen Lernen wird auch das Wissen von Maschinen aus Erfahrung generiert. Der Lernprozess ist mit dem eines Kindes vergleichbar. Maschinen verarbeiten eine grosse Anzahl an Beispielen und erkennen daraus gewisse Muster und Gesetzmässigkeiten. Sie lernen laufend dazu. Unternehmen müssen sich allerdings dessen bewusst sein, dass die Qualität des Einsatzes von künstlicher Intelligenz massgeblich von der Datenqualität abhängt.

Roboter kennen keine zwischenmenschlichen Probleme

Neben rationalen Fähigkeiten haben Roboter einen weiteren Vorteil. Sie kennen keine zwischenmenschlichen Probleme und Abhängigkeiten. So ist sichergestellt, dass ihre Arbeit und die darauf basierenden Entscheide im Interesse des gesamten Unternehmens sind. Im Idealfall kann die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine sogar einen positiven Effekt auf die Gruppendynamik haben, indem sich eine neue soziale Norm zum Wohle aller etabliert.

Vielleicht sind Roboter aufgrund ihrer Unabhängigkeit sogar die besseren Chefs. Das renommierte Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat dazu im Sommer 2016 ein Experiment durchgeführt - mit einem überraschenden Ergebnis: Mitarbeitende haben sich die Aufträge lieber von einem Roboter als von einem Menschen geben lassen. Sie waren nicht nur zufriedener und effizienter. Die Auftragsvergabe durch einen Roboter haben sie sogar als fairer angesehen.

Künstliche Intelligenz braucht sozusagen ein Gesicht

Doch wären Mitglieder der Geschäftsleitung bereit, Roboter als Kollegen zu akzeptieren? Forschungsexperimente und Praxiserfahrungen zeigen, dass Menschen relativ schnell eine persönliche Beziehung zu Maschinen aufbauen. Wichtig ist, dass Roboter als solche erkennbar bleiben und über menschenähnliche Züge verfügen, zum Beispiel indem sie einen Namen haben, sprechen oder den Kopf bewegen. Ist dies erfüllt, dann wenden Menschen soziale Konventionen auch auf Maschinen an. Zum Beispiel entwickeln sie Mitgefühl für die Roboter.

Künstliche Intelligenz braucht sozusagen ein Gesicht, um akzeptiert zu werden. Geschätzt und kommerziell erfolgreich ist Roboter Pepper, ein personalisierter Begleiter, der immer häufiger in Europa anzutreffen ist - zum Beispiel im Einkaufszentrum Glatt bei Zürich. Pepper verfügt nicht nur über ein gewinnendes Aussehen. Besonders ist seine Fähigkeit, die Emotionen des Gegenübers zu erfassen - über dessen Stimme, Gesichtsausdruck oder Körperbewegung - und sein Verhalten darauf abzustimmen. Dazu dienen Pepper die Stimme, die Farbe seiner Augen sowie das Tablet auf dem Oberkörper.

Intelligente Maschinen werden relevanter

Intelligente Maschinen wie Pepper und Watson, die kognitive Aufgaben bewältigen, werden in Zukunft relevanter sein als Maschinen, die physische Arbeiten erledigen. Davon sind die Autoren des Beststellers «The Second Machine Age» und weitere Experten im Bereich der künstlichen Intelligenz überzeugt.

Das hat mit zwei Dingen zu tun. Zum einen lassen sich viele qualifizierte Tätigkeiten automatisieren. Zum anderen können intelligente Maschinen die Fähigkeiten von Menschen erweitern - auch jene von Geschäftsleitungsmitgliedern. Roboter werden in naher Zukunft über genügend Stärken verfügen, um sich als gleichwertige Partner in den Management Boards zu etablieren. Sie machen die Teams effektiver, schneller und tragen zu besseren Entscheiden bei.

Soziale Verantwortung heisst, zu investieren

Was Roboter in absehbarer Zeit wohl nicht übernehmen können, ist die operative Leitung von Unternehmensbereichen. Diese Führungsaufgabe ist so komplex, dass sie sich nicht automatisieren lässt. Ein Killerkriterium gegen Roboter ist das allerdings nicht.

Sozial verantwortungsbewusste Unternehmen tun gut daran, frühzeitig in die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine zu investieren. Das macht die Möglichkeiten und Grenzen von Robotern erlebbar und baut gleichzeitig Ängste ab. Unternehmen leisten damit einen wichtigen Beitrag daran, dass die Möglichkeiten der künstlichen Intelligenz zum Wohl der Gesellschaft eingesetzt werden. Denn Roboter werden in Zukunft vermehrt Entscheide treffen.

Anzeige