1. Home
  2. Digital Switzerland
  3. Wie Pixar-Chef Ed Catmull Kreativität fördert

Digital Switzerland
Wie Pixar-Chef Ed Catmull Kreativität fördert

Ed Catmull: «Wenn Menschen Fehler machen dürfen, lösen sie Probleme schneller.» Bild: Keystone

Pixar-Chef Ed Catmull gilt als kreativster Kopf der digitalen Welt. Seine Filme sind weltbekannt und zigfach prämiert. Im Gespräch gibt er Einblicke in sein kreatives Denken.

Kommentar  
Von Mathias Ohanian
am 24.01.2017

Ed Catmull gilt als kreativster Kopf der digitalen Welt. Mit Animationsfilmen wie «Toy Story»,«Wall E» oder «Cars» räumte er bislang 13 Oscars ab und begeisterte Millionen von Kinobesuchern. Regelmässig schaffte es der 71-Jährige mit seiner Filmfirma Pixar in den vergangenen Jahren auf die Shortlist für den begehrtesten Filmpreis der Welt, so auch in diesem Jahr (siehe unten). Catmull scheint also das Patentrezept für kreatives Arbeiten gefunden zu haben.

Kreativer zu arbeiten ist für viele Firmenchefs ein grosser Wunsch und entspricht den Schlüsselanforderungen in einer zunehmend digitalisierten Welt, zeigen Umfragen. Catmull geht im Gespräch mit der «Handelszeitung» noch einen Schritt weiter: Mit Kreativität lösen wir alle unsere Probleme, sagt Catmull. Egal ob in der Filmindustrie, im Marketing oder im Privatleben.

«Befreie dich von Angst und unnötigen Hürden»

Wichtig für ein kreatives Umfeld ist die Etablierung einer gesunden Fehlerkultur: «Wenn man im Büro versucht, keine Fehler zu machen, ist doch die Realität: Man macht erst recht Fehler», sagt Catmull. Stattdessen müsse ein Umdenken stattfinden: «Wenn Menschen Fehler machen dürfen, denken sie breiter und lösen Probleme viel besser.» Natürlich sei für Unternehmen wie Fluglinien eine Null-Fehler-Politik sinnvoll. Die allermeisten Menschen würden jedoch nicht in einem solchen Umfeld agieren.

Catmulls Überlegung: Mit einer gesundem Fehlerkultur gestehen Mitarbeiter sich und ihren Chefs Missgriffe schneller ein und korrigieren ihre Entscheidungen rascher – statt auf dem falschen Weg weiterzugehen. Die Kosten für Firmen, die das Scheitern etabliert haben, sinkt, ist Catmull überzeugt. Zu den grössten Verantwortlichkeiten von Managern gehört, Mitarbeitern ein sicheres Umfeld zu schaffen. «Manager haben volle Terminkalender und spüren den Druck, aber wichtig ist: Befreie dich von Angst und unnötigen Hürden», so Catmull am Rande des Worldwebforums in Zürich Oerlikon (hier geht's zum Livestream).

«Hier wird so viel Research für Disney betrieben»

Catmull weiss, wovon er spricht: Schon mehrfach stand seine Filmgesellschaft, die er seit 2001 leitet, in den Jahren vor dem grossen finanziellen Durchbruch vor dem Ruin. Lange arbeitete er mit Apple-Gründer und Pixar-Investor Steve Jobs zusammen – und lag des Öfteren mit dem prominenten Geldgeber im Clinch. «Ich glaube, er war frustriert, weil wir am Anfang Millionen verbrannt und Schulden aufgetürmt hatten», sagte Catmull im Interview mit der «Handelszeitung» im vergangenen Jahr. Ständig habe es Meinungsverschiedenheiten mit Jobs gegeben.

Auf die Zürcher Pixar-Dependance, in der mittlerweile rund 100 Kollegen arbeiten, ist Catmull besonders stolz. Er ist begeistert von Zürich als Arbeitstätte und der Bedeutung des Standorts für die Marke. «Hier wird so viel Research für Disney betrieben», sagt er am Worldwebforum. «Und vergessen Sie nicht: Nur etwa 20 Prozent der Forschung führt zu etwas, 80 Prozent nicht. Und das ist ok.»

Der Kurzfilm «Piper» von Pixar ist für den Oscar 2017 nominiert:

Anzeige