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Digitaler Index
D wie «Digital Native»

Der digitale Index der gehobenen Internetsprache – erstellt von der «Handelszeitung» und jede Woche mit einem neuen Begriff.

Vom digitalen Ureinwohner bis zum digitalen Pilger: Meistern Sie die Kunst der sinnfreien Internet-Kommunikation.

Von HZ Redaktion
am 15.09.2016

Das Nachschlagewerk für den Bullshit, der uns in der modernen Geschäftswelt tagtäglich um die Ohren fliegt.

Di|gi|ta|le De|menz, die

eine durch übermässigen Gebrauch digitaler Gadgets (Phone, Tablet, Phablet) verursachte neurologische Erkrankung, die 2012 vom Ulmer Psychiater Manfred Spitzer erstmals beschrieben wurde («wir verblöden noch alle»). Ein erhöhtes Risiko, sich mit d. D. anzustecken, besteht u. a. bei Onlinespielen wie Pokémon Go und beim Lesen von Userbeiträgen auf ­so­zialen Businessplattformen (LinkedIn).

di|gi|tal de|tox

(engl.) digitale Entgiftung. Entzugskur für Handy-Süchtige. Haben Sie das Gefühl, «permanent ­erreichbar sein zu müssen»? Ertappen Sie sich bei sinnlosen Griffen zum Smartphone? Leiden Sie unter Geistervibrationen in der Hosen­tasche? Dann nichts wie ab in die d. d.! Schliessen Sie Ihr Handy eine Woche lang in den Safe. Meditieren Sie an einem See. Gehen Sie ins Schweigekloster. Oder noch besser: Überzeugen Sie Ihren Chef ­davon, gleich die ganze Abteilung zur d. d. zu schicken! Passende Angebote finden sich im Netz. Etwa «color wars»: eine Spass-Olympiade mit farbigen Kleidern und lustigen Spielen. Bereitet im Gegensatz zur Arbeit echt Spass! Aber ­aufgepasst: Womöglich leiden Sie gar nicht an Handy-, sondern an Bindungssucht. In dem Fall hilft leider nur eins: Finden Sie sich damit ab, dass Sie zu den 90 Prozent der Menschen gehören, die das Leben manchmal etwas überfordert.

Di|gi|tal Na|ti|ve, der

(engl.) Ureinwohner der digitalen Welt. Der D. N. nutzt die Oppositionsstellung des Pollux (für Nichtmediziner «Daumen» oder für D. N. «Like-Icon» auf Facebook) vornehmlich zum Streicheln von Touchscreens. Als D. N. gelten junge Leute, die nicht wissen, was ein Faxgerät ist. Wer ­solcherlei Gerätschaft noch kennt, der wird mehrheitlich den «Digital Immigrants» zugerechnet, wobei hier noch die Untergruppe der «Digital ­Pilgrims» zu unterscheiden ist. Letztere zählen zu den «Early Adoptern», wobei dieser Begriff zur Zeit der Akustikkoppler (für die D. N.: Das ist ein Gerät zur Übertragung von digitalen Daten über ein analoges Telefon – dieses sieht aus wie ein Spieltelefon beim Kinderarzt) noch unbekannt war. D. N. stellen die Spitze der Evolution dar, sie laufen allerdings Gefahr, an Digitaler­ Demenz zu erkranken, wie Kulturpessimisten
unken.

Dis|rup|ti|on, die

(engl.) Unterbrechung, Störung. 1997 von Clayton M. Christensen geprägter Begriff, meist im Zusammenhang mit dem radikalen Umbau bestehender Geschäftsmodelle oder Technologien gebraucht. Belege finden sich bei selbstfahrenden (Elektro-)Autos, im Taxigewerbe, bei der digitalen Fotografie und in der Hotellerie. Kaum ein Werber kommt heute mehr ohne den Hinweis aus, sein Objekt stelle eine D. dar. Das Angepriesene fällt in der Regel schnell der mit der D. verwandten Evolution (des Marktes) zum Opfer.

Der Index wird Woche für Woche um einen Begriff erweitert. Einsendungen von Begriffen (und optional auch den dazugehörigen Lexikoneinträgen) nehmen wir gerne entgegen: Ein Mail an digi@handelszeitung.ch genügt.

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