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Digitaler Index
E wie «Emoji»

Der digitale Index der gehobenen Internetsprache – erstellt von der «Handelszeitung» und jede Woche mit einem neuen Begriff.

So geht das Esperanto der Gegenwart: Meistern Sie die Kunst der sinnfreien Internet-Kommunikation.

Von HZ Redaktion
am 15.09.2016

Das Nachschlagewerk für den Bullshit, der uns in der modernen Geschäftswelt tagtäglich um die Ohren fliegt.

Ein|horn, das

1. Fabelwesen in Gestalt eines Pferdes oder einer Ziege, mit geradem Horn in der Stirnmitte. Geistert seit der Antike durch die westliche und fernöstliche Märchenwelt und Mythologie. 2. Bezeichnung für ein Startup, das von Investoren mit sagenhaften Summen bewertet wird. Im allgemeinen Sprachgebrauch hat es sich eingebürgert, ab einer Bewertung von 1 Milliarde Dollar von E. zu sprechen. In der helvetischen Startup-Mythologie ist bislang nur ein E. aufgetaucht. Es handelt sich um die Firma Mindmaze aus Lausanne. Diese will neurologische Probleme mit der Anwendung von Virtual Reality lösen. E. haben auch als Startups oft ähnliche Eigenschaften wie ihre Namensvettern aus der Märchenwelt. Sie verschwinden regelmässig so schnell wie sie aufgetaucht sind. Und hinterlassen nach ihrem Verschwinden nicht mehr als jene Fabelwesen: nichts.

E|mo|ji, das

1887 erfand der polnische Augenarzt Ludwik ­Lejzer Zamenhof die Sprache Esperanto. Sie sollte sich nie durchsetzen. Der Durchbruch zur universalen Verständigung gelang erst über ein Jahrhundert später. Und zwar mit den ersten E., die der Japaner Shigetaka Kurita 1998 im Auftrag von Mobilfunkgesellschaften schuf. Das erste Set von E. umfasste 180 Smiley-Variationen, bestehend aus 12 × 12 Pixeln. Heutige E. haben eine vier- bis achtmal so hohe Auflösung. Vom E. zu unterscheiden ist das Emoticon. Dieses wurde bereits 1982 von Informatikprofessor Scott Fahlman erfunden und besteht aus einer reinen Zeichenkombination nach dem Muster :-). Strenggenommen werden auch E. nicht als Bilder, sondern als Zeichen übermittelt. Ein Standard-Smiley hat den Code 1F601. Wenn Sie sich einmal als IT-Nerd aufspielen wollen, texten Sie einem Geschäftspartner einfach diese Sequenz.

E|van|ge|list, der

1. Urspr. Verfasser einer religiösen Streitschrift (Matthäus, Markus, Lukas, Johannes). 2. Missionar für ein Anliegen. Als Technology E. werden Angestellte im technischen Marketing bezeichnet, die mit blindem, religiösem Eifer Produkte anpreisen. Erster offizieller Technology E. war Mike Boich von Apple «Jesus Phone». Als E. betiteln sich gerne Mitglieder des höheren Kaders, deren Rolle darin besteht, viel zu reden, sich aber weder als Pressesprecher noch als Verkäufer oder Lehrer zu verstehen.

Der Index wird Woche für Woche um einen Begriff erweitert. Einsendungen von Begriffen (und optional auch den dazugehörigen Lexikoneinträgen) nehmen wir gerne entgegen: Ein Mail an digi@handelszeitung.ch genügt.

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