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Digitaler Index
F wie «Facebook»

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Der digitale Index der gehobenen Internetsprache – erstellt von der «Handelszeitung» und jede Woche mit einem neuen Begriff.

Die Emanzipation aus der selbstverschuldeten Filterblase: Meistern Sie die Kunst der sinnfreien Internet-Kommunikation.

HZ Redaktion
Von HZ Redaktion
2016-09-15

Das Nachschlagewerk für den Bullshit, der uns in der modernen Geschäftswelt tagtäglich um die Ohren fliegt.

Face|book

(engl.) wörtl. Gesichtsbuch. Grösstes soziales Netzwerk der Welt mit 1,9 Milliarden monatlich aktiven Usern (MAU) und 1,2 Milliarden täglich aktiven Usern (DAU, nicht zu verwechseln mit dümmsten anzunehmenden Usern). Monetär interessierte Zeitgenossen sehen in Facebook ­einen globalen Megakonzern mit einem jährlichen Umsatz von 26 Milliarden und einem Gewinn von 10 Milliarden Dollar pro Jahr. Philosophen wie der Facebook-Gründer Mark Zuckerberg sehen das wichtigste Ziel von Facebook dagegen darin, «eine soziale Infrastruktur für eine globale ­Community zum Nutzen der ganzen Menschheit zu entwickeln». Experten bezweifeln allerdings, ob die Emanzipation aus der selbst verschuldeten Filterblase jemals möglich sein wird. Gerüchte, wonach Facebook selbst eine einzige Blase sei, haben sich bislang nicht als wahr erwiesen. Bei den Millennials bleibt das Netzwerk beliebt.

Fil|ter|bla|se, die

Auch Informationsblase, engl. filter oder ­informational bubble, nach Eli Pariser. Ist der ­bereits von einigen Betriebssystemen und Programmen her bekannte Versuch vor allem von Suchmaschinen, aufgrund vorherigen Nutzer­verhaltens auf (werbetechnisch ausbeutbares) künftiges schliessen zu können und «relevantere Treffer» (vor allem auch Werbebanner) zu erzeugen. Technische Grundlagen sind Algorithmen, ­Cookies, Standortdaten und so weiter. Die F. ist die (un-)logische Fortsetzung des Grossen Bruders in ­«Nineteen Eighty-Four» (erschienen 1948) von George Orwell mit dem Unterschied, dass die ­Betroffenen ihre Informationen frei und willig ­geben. Folgen der F. sind Selbstbestätigungen und Horizontoptimierungen: Man findet immer das, was eigene Verhaltensweisen und Haltungen bestätigt. Ähnlich der Fruchtblase bewegt man sich geistig zunehmend im eigenen Saft.

Fin|tech, die

Kurzform für Finanztechnologie. F.-Unternehmen grenzen sich von Softwarebuden und Systemanbietern dadurch ab, dass ihre Aktien überbewertet sind bzw. dass sie im Rahmen ­einer sogenannten Finanzierungsrunde Kapital von mutigen Investoren angenommen haben (Fintech Bubble). Schliessen sich gerne Inkubatoren an. Auch: Verkaufsargument, um dem Management ein Software-Update zu verkaufen («In Fintech liegt die Zukunft»). Zur F.-Firma wird ein Finanzunternehmen (Bank, Zahlungsabwickler, Versicherungsbroker), wenn es eine App anbietet.

Der Index wird Woche für Woche um einen Begriff erweitert. Einsendungen von Begriffen (und optional auch den dazugehörigen Lexikoneinträgen) nehmen wir gerne entgegen: Ein Mail an digi@handelszeitung.ch genügt.

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