1. Home
  2. H wie «Hashtag»

Digitaler Index
H wie «Hashtag»

Der digitale Index der gehobenen Internetsprache – erstellt von der «Handelszeitung» und jede Woche mit einem neuen Begriff.

Twittern wie Donald Trump: Meistern Sie die Kunst der sinnfreien Internet-Kommunikation.

Von HZ Redaktion
am 15.09.2016

Das Nachschlagewerk für den Bullshit, der uns in der modernen Geschäftswelt tagtäglich um die Ohren fliegt.

Hash|tag, das

#; techn. Zeichen, bestehend aus zwei jeweils parallelen, sich kreuzenden Linien. In der Schweiz früher «Gartenhag». In Zeiten der tastenbasierten Telefonie auch Raute (veralt.), obwohl streng genommen keine solche darstellend. Das H. wird heute über eine Voranstellung zur Kennzeichnung oder Indexierung von Stichwörtern verwendet. Erstmals geschah das im August 2007 beim Klatschmedium Twitter. Mittlerweile werden auch bei Facebook oder Snapchat Gartenzäune hochgezogen. Dass mit einem vorangestellten # (v. a. in den USA) einst Nummerierungen signa­lisiert wurden, ging dagegen eher verloren. Seit DigitalNatives (Leerschläge sind nicht mit dem H.-Konzept kompatibel) das Zeichen okkupiert haben, wird es auch von der Werbewirtschaft verwendet, um Modernität auszustrahlen. US-Präsident Trump verwendet auf Twitter übrigens fast keine Hashtags.

Hea|vy User, der

(engl.) schwerer Nutzer, häufiger Benutzer. Wer sich unter einem H. U. einen 200-Kilo-Typen in seinem Sessel vorstellt, liegt falsch. Als H. U. werden in den Marketingwissenschaften schlicht die Kundengruppen bezeichnet, die ein bestimmtes Produkt oder eine bestimmte Dienstleistung häufig nachfragen (wobei diese Personen im Fall von Online-Angeboten durchaus auch wortwörtlich heavy sind: Eine Studie aus Australien fand etwa heraus, dass Menschen, die viel Zeit am Computer verbringen, einem 2,5-mal grösseren Fettleibigkeitsrisiko ausgesetzt sind als andere). In der Webnutzungsstatistik Netmetrix werden alle Personen, die das Internet mindestens einmal täglich nutzen, als H. U. gewertet. Gemäss dieser Defini­tion sind wir also alle H. U. Zumindest im Schnitt: Fast zwei Stunden pro Tag verbringen Menschen heute auf Social Media. Das sind, auf das ganze ­Leben hochgerechnet, über fünf Jahre.

High Touch, der

(engl.) 1. Nicht-maschineller Berührungspunkt zum Kunden. 2. Gegenteil von «High Tech». Vom US-Trendforscher John Naisbitt in den 1990er-Jahren geprägter Begriff, der in Zeiten der Roboterisierung ­Paketdrohnen) ein Combeback feierte. Services, die von Menschen aus Fleisch und Blut (analoger Fleischsack) erbracht werden, werden wieder zum Alleinstellungsmerkmal. Berater, die eine H.-T.-Strategie verkaufen wollen, meinen damit meist, dass in der Telefonzentrale statt eines Sprachroboters neu wieder Menschen antworten sollen.

Hub, der

Im deutschen Sprachgebrauch wurden zunächst grosse Flughäfen als H. bezeichnet, da sie im ­Mittelpunkt sternförmig abgehender Flugverbindungen stehen. Im digitalen Sprachgebrauch sind H. physische oder metaphysische Begegnungsstätten gleichgesinnter Unternehmer (Startups) oder Berater, die sich in der Biosphäre des Hubs um Honorare bemühen. H. weisen auf der Mikro-Ebene Überschneidungen mit Plattformen und auf der Makro-Ebene mit Clustern (ältliche Bezeichnung aus der Ökonomie) auf. Sie beinhalten oft auch Inkubatoren oder Akceleratoren. Problematisch am Geschäft mit den H. ist: Definitionsgemäss braucht es nicht allzu viele davon. Gibt es mehr Naben als Speichen, wird aus dem Netzwerk schnell ein unübersichtliches Spinnennetz.

Der Index wird Woche für Woche um einen Begriff erweitert. Einsendungen von Begriffen (und optional auch den dazugehörigen Lexikoneinträgen) nehmen wir gerne entgegen: Ein Mail an digi@handelszeitung.ch genügt.

Anzeige