Das Nachschlagewerk für den Bullshit, der uns in der modernen Geschäftswelt tagtäglich um die Ohren fliegt.

In|flu|en|cer, der

Vorbei die Zeit, als junge Mädchen Victoria’s-­Secrets-Engel werden wollten. Neu sind Digital ­Influencer (ehemals Blogger) wie Chiara Ferragni, Aimee Song und die Genferin Kristina Bazan Vorbilder. Die A-Liga der Digital Influencer hat Millionen Follower auf Instagram, Pinterest, Youtube oder dem etwas aus der Mode geratenen Facebook. Produktplatzierungen respektive Schleichwerbung spült den Lieblingen der Marketingabteilungen Unsummen aufs Konto. Geschickt setzt sich auch die umtriebige Xenia Tchoumitcheva (neu Xenia Tchoumi) in photoshoprealistische Pose. Am unteren Ende der Aufmerksamkeits­skala rangieren Seiten wie «Little City» von Valeria und Adi. Für gratis Kost, Kosmetik, Logis und Mietwagen reisen die beiden Markenbotschafter von Microsoft Schweiz um die Welt. Clips wie «Bei Minustemperaturen im Iglu geschlafen» erreichen ein Publikum von einigen Hundert Viewern.

In|ku|ba|tor, der

(lat.) Brutkasten. Nicht zu verwechseln mit der Death-Metal-Band Incubator. Der I. bezeichnet auf Neudeutsch Gründerzentren für Startup-­Unternehmen. In der Schweiz wuchern sie besonders im Grossraum Zürich und heissen Blue Lion, Centralway, Rocketpark oder einfach nur Hub. Letztgenannter I. wurde gerüchteweise bei einem Beerstorming-Event zu fortgeschrittener Stunde «benamst». An solchen Anlässen stellen künftige (Serial-)Entrepreneurs ihre Cases vor und werden im Idealfall von Seed-Investoren im Company-Building-Prozess unterstützt.

In|sur|tech, die

(engl.) Versicherungstechnologie. Gilt als Buzzword des Jahres 2016. Der Ausdruck lehnt sich an die Verwendung des Begriffs Fintech an und ist in Schweizer Medien erstmals Ende 2015 ­aufgetaucht. Insurtech bezeichnet mithilfe ­digitaler Technologien umgesetzte Versicherungslösungen. Nicht zu verwechseln mit Insecure Tech (engl. für unsichere Technologie). Insurtech umfasst das breite Spektrum vom elektronischen Versand von Policen (E-Mail) und Scannen von Briefen bis hin zu Handy-Apps und Versicherungslösungen auf Peer-to-Peer-Basis. Oft geht es jedoch darum, dem altehrwürdigen Versicherungsvertrieb ein moderneres Mäntelchen umzuhängen und davon abzulenken, dass Versicherungspolicen noch immer genau gleich abgeschlossen werden wie vor 50 Jahren. ­Nämlich zu Hause am Küchentisch in Anwesenheit ­eines graumelierten Krawattenträgers.

IoT, das

(engl.) «Internet of Trouble», von der IT-Branche auch gern als «Internet of Things» bezeichnet. Vulgo «Internet der Dinge», aber «IoT» klingt insiderischer. Ein Netzwerk von ans Internet angeschlossenen Objekten, die Daten sammeln und austauschen. Bis 2020 werden rund 24 Milliarden Gegenstände Sensoren tragen, Daten senden und empfangen. Menschen – ausser denen, die bereits einen Chip unter der Haut tragen – sind bislang nicht zu Internet-Dingen mutiert. Aber die Privatsphäre gilt als veraltete Wertvorstellung. In Zukunft wird die Waschmaschine dann waschen, wenn gerade Strom zum Schnäppchenpreis verkauft wird, und die eigene Schulter wird einen Zwick bekommen, wenn man bei Rot über die Strasse geht. Die Krankenkasse wird aufgrund guter Jogging-Leistungen auch einen Prämien­rabatt geben. Oder ihn wegen einer Party-Ankün­digung über Facebook gleich wieder streichen.

Der Index wird Woche für Woche um einen Begriff erweitert. Einsendungen von Begriffen (und optional auch den dazugehörigen Lexikoneinträgen) nehmen wir gerne entgegen: Ein Mail an digi@handelszeitung.ch genügt.

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