1. Home
  2. P wie «PDF»

Digitaler Index
P wie «PDF»

Der digitale Index der gehobenen Internetsprache – erstellt von der «Handelszeitung» und jede Woche mit einem neuen Begriff.

Achtung vor Plattitüden: So meistern Sie auch als Banker die Kunst der sinnfreien Internet-Kommunikation.

Von HZ Redaktion
am 15.09.2016

Das Nachschlagewerk für den Bullshit, der uns in der modernen Geschäftswelt tagtäglich um die Ohren fliegt.

PDF, das

Das Wissen um die Worte hinter dem Kürzel ist etwas weniger verbreitet als das Dokumenten­format selber: Portable Document Format. Was ASCII bei den Texten, ist PDF bei formatierten Dokumenten mit Bildern, Schriften und Links – und war der Tod des Fax. Das Produkt aus dem Hause Adobe ist gratis, überall verfügbar und läuft auf praktisch allen Plattformen. Man kann Dokumente mit Millionen von Seiten produzieren, solange deren Gesamtgrösse 381 Quadratkilo­meter nicht übersteigt. Wer mehr tun will, als den «Reader» spielen, setzt auf den käuflichen Adobe Acrobat Pro mit Funktionen wie den Passwortschutz für das Öffnen, Kopieren oder Ausdrucken. (Glauben jedenfalls viele.) PDF hat aber auch seine Tücken. Beispiel: Wenn auf dem Ausdruck nur der schmucklose Text «offending command» steht, hilft nur der Griff in die Optionen-­
Kiste beim Druckbefehl «Als Bild Drucken».

Peer to Peer, kein Artikel

(engl.) Kollege-zu-Kollege. Auch: P2P. Als P.-t.-P.-Netzwerke werden Sys­teme ohne zentrale Instanz bezeichnet. Sie sind dadurch weniger anfällig für Manipulationen und Klumpenrisiken. Im Marketing wird P. t. P. oft im Sinne einer Konstruktion verwendet, in der Personen miteinander agieren (telefonieren) oder bei der von unbeliebten Zentralinfrastrukturen auf beliebtere Akteure ­(Startups) ausgewichen wird (Zahlungsverkehr, SIX Group). Oft verwendet als Synonym für «innovativ» oder «Internet».

Per|ma|nent be|ta, kein Artikel

(engl.) Kaum ein Wort begeistert Manager auf ­Silicon-Valley-Safari mehr als jenes, das den quecksilbrigen Zustand des Wandels und der Entwicklung meint. Das Buzzword P. b. stammt aus der IT-Welt und bezeichnet Software, die bei Herausgabe (Release) noch nicht fertig entwickelt ist. Was noch fehlt zum Finish, sollen die Konsumenten selber beisteuern. Der Prozess ist in der analogen Welt als «Bananen-Prinzip» bekannt – es reift ja auch die Biege-Frucht erst beim Konsumenten zu Hause in ihr geniessbares Endstadium hinein. Will ein Teamleiter, Silo-Sheriff oder eine sonstige digital hochgebürstete Führungskraft ihre Crew auf Wandelfähigkeit («Change») einschwören, wird sie dazu meist den  P.-B.-Zustand bemühen. Wenn die Führungskraft schon zweimal im Valley war, wird sie das noch eloquentere «Perpetual beta» wählen. Er (seltener: sie) meint damit aber das Gleiche.

Pi|vot, der; (engl.)

Umschwenken, abändern. Neuausrichtung eines Geschäftsmodells. Merkt ein ­Startup, das ein neues Katzen­futter vermarkten will, plötzlich, dass Hamster besser darauf ansprechen, kann man von einem P. sprechen. P.-ing ist für kalifornische Firmen (im «Valley») die normalste Sache der Welt. Hierzulande ist das nicht so easy. Muss ein Gründer den Investoren aus dem Familienkreis erklären, weshalb er das Geschäftsmodell auf den Kopf stellt, können Sätze wie dieser helfen: «Lieber Götti, wir haben die Strategie geändert. Aber nicht die Vision.»

Platt|form, die

1. Begehbare Oberfläche. 2. Basissystem in der ­Informatik. 3. Standardbegriff für die Abwicklung von allerlei Geschäften. Ursprüngliche Verwendung bei Aussichts-P. oder Bohr-P. Im Geschäftsumfeld zunehmend verbreitet, um einem Geschäft ein modernes, variables Antlitz zu geben.

Banken bezeichnen sich als P., auf denen Banker Geschäfte mit Kunden abwickeln, von denen die B. im Nachhinein nichts gewusst haben will. Der Bankleitung obliegt es in diesem Konzept, eine P. für interne und externe Akteure zu betreiben. Handels-P. wickeln Finanzgeschäfte ab, Fintech-P. vermitteln entweder Gelder an Finanzunternehmen oder sie vernetzen diese. Der Begriff P. wird zunehmend auch als Synonym für Messe oder Kongress verwendet. Wer anstelle der P. einfach das analog-deutsche Wort «Platz» einsetzt, liegt damit meist nicht ganz falsch (Markt-P., Allgemein-P.).

Der Index wird Woche für Woche um einen Begriff erweitert. Einsendungen von Begriffen (und optional auch den dazugehörigen Lexikoneinträgen) nehmen wir gerne entgegen: Ein Mail an digi@handelszeitung.ch genügt.

Anzeige