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Digitales Leben
Facebook therapiert mich

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Unser Autor ist deprimiert, weil er nur wenige Facebook-Freunde hat. Doch Facebook hat dafür eine Lösung parat.

Kommentar  
Von Tim Höfinghoff
am 03.11.2017

Facebook ist stets um mein Wohl besorgt und zeigt sich immer von seiner kreativen Seite. Ständig erhalte ich Jubiläums-Meldungen. Zuletzt kam folgendes: «Hallo Tim, du hast hundert Freundschaften auf Facebook. Wir finden, das ist ein Grund zu feiern!» Da­runter prangten Bilder von neun Facebook-Bekannten.

Wie herzig, dachte ich. Fast hätte ich auf den «Teilen»-Button ­gedrückt. Dann merkte ich aber schnell, dass ich gar nichts zu feiern habe. Hundert Freundschaften auf Facebook? Das ist mega-peinlich wenig. Meine Facebook-Freunde haben jeweils Hunderte, wenn nicht Tausende Freunde. Diese ­Erkenntnis war extrem deprimierend.

Das muss aber kein Problem sein, weder für mich noch für Facebook. Denn beim Facebook-Messenger gibt es längst einen Chatbot gegen Depressionen und Angstzustände. Kein Witz. Er heisst Woebot, spricht nur Englisch, ist aber rund um die Uhr verfügbar. Unterstützt durch künst­liche Intelligenz, will er mein positives Denken fördern. Oder, um es mit Woebots Worten zu sagen: «I’m ready to listen.»

Ich bin mir nicht sicher, ob Woebot es beim Zuhören belassen will. Er will ­sicher auch reden und mich – wenn ich ihm blind vertraue – überreden, viel mehr Zeit auf Facebook zu verbringen. Und viel öfter auf «Teilen» zu drücken. Damit es für mich auch in Sachen Facebook-Freundschaften besser läuft.

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