1. Home
  2. Blogs
  3. Free Lunch
  4. Der SNB droht ein stürmischer Frühling

Free Lunch
Der SNB droht ein stürmischer Frühling

Populisten halten die Nationalbank auf Trab: Marine Le Pen neben Geert Wilders.Keystone

Geert Wilders hat die Wahlen in Holland verloren. Doch in Frankreich will Marine Le Pen Präsidentin werden. Der SNB stehen bange Wochen bevor.

Kommentar  
Von Simon Schmid
am 15.03.2017

Für die Nationalbank und ihren Präsidenten Thomas Jordan ist es ein kurzes Aufatmen. Geert Wilders hat sich in den Niederlanden nicht durchgesetzt. Die Wahlniederlage des Islam-Bekämpfers ist ein Dämpfer für die populistischen Bewegungen in Westeuropa. Trotzdem bahnt sich für die SNB nach der heutigen Lagebeurteilung eine brenzlige Zeit an. Bald folgen die Wahlen in Frankreich. Dort strebt die bekennende Euro-Gegnerin Marine Le Pen nach der Präsidentschaft.

Das Szenario eines Le-Pen-Siegs hält die SNB schon seit Monaten auf Trab. Angefangen hat alles mit den Wahlen in den USA im November (Punkt 1 in der Grafik). Die Wahl von Donald Trump hat sich auch auf Europa ausgewirkt: Die französischen Zinsen sind schlagartig gestiegen. Der Spread, also die Zinsdifferenz von französischen zu deutschen Anleihen, stieg von etwa 30 auf 50 Basispunkte (ein Basispunkt entspricht 0,01 Prozent). Investments in Frankreich wurden per sofort als riskanter eingestuft.

Trumps Wahlsieg hatte die vermeintlichen Siegeschancen von Marine Le Pen in den Augen von Anlegern erhöht. Somit rückte auch der Franken als sicherer Hafen für Anlagegelder wieder in den Fokus. Der Wechselkurs reagierte: Vor den US-Wahlen hatte der Euro noch in der Gegend von 1.09 Franken notiert. Seit Trumps wahl ist der Euro (fast) nie mehr über 1.08 Franken gestiegen.

Der Frankreich-Deutschland-Spread zeigt wie kein zweiter Indikator, wie der Anti-Euro-Populismus die SNB beschäftigt. Ein zweiter Schock folgte Ende Januar, als die Satirezeitschrift «Le Canard Enchainé» einen Skandal um den Präsidentschaftskandidaten der Republikaner, François Fillon, enthüllte (Punkt 2). Die Nachricht liess den Spread, also die Zinsdifferenz zwischen deutschen und französischen Staatspapieren, um weitere 10 Basispunkte ansteigen. Der Sieg von Benoît Hamon, eines Vertreters des linken Parteiflügels, bei den Primärwahlen der Sozialisten, verschreckte Anleger ein drittes Mal (Punkt 3). Erneut stieg der Spread gegenüber deutschen Papieren. Parallel dazu fiel der Euro auf ein neues Tief von 1.06 Franken.

Etwas Entspannung hat sich am Markt erst eingestellt, seit der unabhängige Zentrumskandidat Emmanuel Macron in den Umfragen an Zustimmung gewinnt (Punkt 4). Der französisch-deutsche Anleihenspread ging zurück. Der Wahlausgang in den Niederlanden die Zinsdifferenz zwischen Frankreich und Deutschland nun nochmals um ein paar Basispunkte verringert.

SNB hat zuletzt mehr am Markt interveniert

Die Aussicht, dass Macron zum Hauptrivalen von Marine Le Pen werden und diese im zweiten Urnengang am 7. Mai auch besiegen könnte, hat sich auch auf den Franken ausgewirkt. Der Nationalbank ist es in der zweiten Märzwoche gelungen, den Wechselkurs mit einem etwas geringern Mitteleinsatz zu stabilisieren. Über den gesamten Februar hinweg  hatten die Schweizer Währungshüter wöchentlich jeweils zwischen 4 und 5 Milliarden Franken für Interventionen am Devisenmarkt aufgewendet.

An ihrer vierteljährlichen Lagebeurteilung hat die Nationalbank heute keine geldpolitische Änderung bekannt gegeben. Das macht Sinn. Abgesehen von den politischen Turbulenzen in Frankreich hat sich aus ihrer Sicht nämlich nicht viel verändert. Die Konjunktur ist in Ordnung, sowohl in Europa, als auch in der Schweiz. Einziges Problem ist der Wechselkurs, der den hiesigen Exporteuren die Marge verdirbt und die Schweiz als Investitionsstandort weniger attraktiv macht. Der starke Franken bleibt die Achillesferse der Wirtschaft.

SNB muss sich auf stürmischen Frühling einstellen

So ist die SNB in erster Linie um die Stabilisierung des Wechselkurses besorgt. Das Risiko, dass es im Vorfeld der französischen Wahlen erneut zu Turbulenzen kommt, ist beträchtlich. Gut möglich, dass die Nationalbank bis dahin erneut Interventionen über 20 bis 30 Milliarden Franken tätigen wird. Diese Interventionen wären angesichts der Unsicherheiten über den Wahlausgang allerdings völlig gerechtfertigt: Es gibt keinen Grund für die Nationalbank, ihre Bilanz in dieser Zeit nicht auszuweiten.

Nach der Griechenland-Krise (2015) und dem Brexit (2016) ist die SNB im Frühling 2017 also ein weiteres Mal gefordert. Bis dahin gibt es für Thomas Jordan und seine Crew nicht viel anderes, als Franken in den Markt zu pumpen, wenn es die Situation erfordert. Alles weitere hängt vom Wahlausgang ab. Siegen eurofreundliche Kräfte, dürfte der Euro zulegen. Der Franken würde schwächer, die SNB hätte ein Problem weniger. Geht Marine Le Pen aber entgegen den Prognosen als Siegerin hervor, droht eine weitere Zitterpartie um die anschliessenden Parlamentswahlen. Diskussionen über die Zukunft des Euro sowie ein Reformstopp in Europa wären absehbar.

Dann wird es auch für die Nationalbank noch einmal ungemütlich.

Anzeige