Die von der Fed-Niederlassung in Kansas City organisierte jährliche Konferenz in Jackson Hole ist ein wichtiges Gipfeltreffen für Notenbanker aus aller Welt. Als Erster ergreift traditionsgemäss der amerikanische Notenbankchef das Wort.

Die Rede von Fed-Präsidentin Janet Yellen wurde dieses Jahr mit besonders grosser Spannung erwartet. Die Berichterstattung in den Zeitungen fiel bisher recht spärlich aus. Doch es lohnt sich, die Rede zu lesen, denn sie gibt viel über die Denkweise der Fed preis.

Für die Schnelleser, hier die wichtigsten Punkte daraus, die Anleger im Kopf behalten sollten:

  1. Der Fed-Offenmarktausschuss (FOMC) geht weiterhin davon aus, dass er die Zinsen im kommenden Jahr schneller anheben wird, als die Märkte derzeit antizipieren.
  2. Das Tempo der Zinsanhebungen ist jedoch überaus schwer vorherzusagen.
  3. Beim bisherigen Inflationsziel von 2 Prozent verfügt die Fed über genügend Spielraum, um die Zinsen zu senken und so gegen eine Rezession anzukämpfen, insbesondere da bei Bedarf unkonventionelle geldpolitische Massnahmen ergriffen werden können.
  4. Aus demselben Grund ist die Einführung eines Zielwerts für das nominale BIP oder das Preisniveau nicht erforderlich.
  5. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering, dass die Fed Negativzinsen einführen wird.

Die US-Notenbankchefin versprüht Optimismus

Und nun zu den einzelnen Punkten im Detail. Janet Yellen gab zuerst ihre Einschätzung der Wirtschaftslage in den USA ab.

Obwohl die Arbeitslosenquote konstant nahe 5 Prozent und die Inflationsrate unter dem Zielwert des FOMC (Offenmarktausschuss der Fed) von 2 Prozent geblieben seien, habe sich ihres Erachtens die Lage am Arbeitsmarkt doch verbessert. Künftig dürfte die Inflation ansteigen und die Arbeitslosenquote werde voraussichtlich weiter sinken.

Der FOMC rechne damit, dass eine behutsame Erhöhung der Zinsen angebracht sei. Die Argumente für eine Zinsanhebung haben nach Einschätzung der Notenbankerin an Zugkraft gewonnen. Allerdings sei die künftige Federal Funds Rate mit viel Unsicherheit behaftet, da immer wieder neue wirtschaftliche Störungen auftreten würden.

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Janet Yellen verwendet die folgende Grafik. Sie zeigt, dass die Federal Funds Rate mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent Ende 2017 zwischen 0 bis 3,5 Prozent liegen wird.

Auffallend ist, dass die mittlere Prognose für die Zinsen per Ende 2017 knapp unter 2 Prozent liegt, was darauf schliessen lässt, dass der FOMC weiterhin von einer schnelleren Zinsanhebung ausgeht, als die Märkte derzeit erwarten.

Die Federal Reserve hält nichts von Negativzinsen

Im zweiten Teil der Rede stellt sich Janet Yellen die Frage, ob die derzeitigen Instrumente der Fed ausreichen, um künftigen Krisen standzuhalten. Sie merkt an, die FOMC-Mitglieder gingen davon aus, dass sich die Federal Funds Rate längerfristig bei rund 3 Prozent einpendeln werde.

Da die Fed die Zinsen in Rezessionsphasen um durchschnittlich 5½ Prozent gesenkt habe, scheine es, als verfüge sie bei einem Inflationsziel von 2 Prozent und einem durchschnittlichen Zinssatz von 3 Prozent nicht über genügend «Zinsmunition», um einer Rezession entgegenzuwirken.

Die Fed-Präsidentin weist jedoch darauf hin, dass die Zinsen vor Rezessionen in der Regel deutlich über ihrem Durchschnitt lagen. Insgesamt dürfte der Spielraum für Zinssenkungen also deutlich mehr als drei Prozentpunkte betragen.

Schliesslich verweist die oberste Währungshüterin darauf, dass die Fed untersucht habe, ob die Zinspolitik und die Ankäufe von Vermögenswerten ausreichen würden, um bei einem unveränderten Inflationsziel einer künftigen Rezession entgegenzuwirken.

Yellen zufolge würden diese Instrumente in den meisten Fällen genügen. Dies lässt vermuten, dass der FOMC als Ganzes keinen Anlass sieht, den Zielwert anzupassen.

Bei der Diskussion darüber, ob die Instrumente der Fed ausreichen, um einer neuen Rezession standzuhalten, fällt eines auf: Die Fed-Chefin erwähnt mit keiner Silbe Negativzinsen. Offensichtlich sind Negativzinsen keine Option für den FOMC – zumindest nicht in nächster Zukunft.