Die Wirtschaft verdaut die Frankenaufwertung nach und nach. Nachdem das BIP vergangenes Jahr nur um 0,9 Prozent zugelegt hat, soll die Wirtschaftsleistung dieses Jahr wieder um 1,5 Prozent zulegen, meint das Seco. Auch vorlaufende Indikatoren wie der PMI legen nahe: 2016 geht es wieder aufwärts mit der Konjunktur.

Im März kletterte dieses Mass auf den Stand von 53,2 Punkten und damit auf den höchsten Stand seit Oktober 2014. Der PMI wird auch als Einkaufsmanagerindex bezeichnet. Er beruht auf einer monatlichen Umfrage und gibt an, ob die Dynamik im Unternehmenssektor zu- oder abnimmt. Die neutrale Schwelle liegt bei 50 Punkten.

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Frühlingsboten in der Industrie

Die Industrie macht vorwärts. Sämtliche Subkomponenten des PMI legten gegenüber dem Vormonat zu: die Produktion, der Auftragsbestand, die Lieferfristen, etc. Auch der Subindex «Beschäftigung» nahm zu. Doch es gibt einen Wermutstropfen. Der entsprechende Index blieb abermals unter 50 Punkten. Es wird also nach wie vor Personal abgebaut.

Die Gegenüberstellung des gesamten PMI-Index, der als vorlaufender Indikator für die später eintreffenden BIP-Zahlen gilt, und der Unterkomponente der Beschäftigung zeigt, dass der Frankenschock auf dem Arbeitsmarkt nach wie vor zu spüren ist. Das gröbste Tief vom Frühjahr 2015 wurde zwar überwunden – doch die Situation bleibt für Stellensuchende schwierig.

Dass der Arbeitsmarkt mit Verzögerung auf die Konjunktur reagiert, ist nichts aussergewöhnliches. Unternehmen warten mit Einstellungen zu, so lange nicht klar ist, wie robust der Aufschwung ist. Allerdings zeigt sich: Die Entwicklung seit dem Frankenschock verlief asymmetrisch. Der Arbeitsmarkt kippte sehr schnell ins Negative, nachdem die Nationalbank den Mindestkurs zum Euro im Januar 2015 aufgehoben hatte.

Schwaches Vertrauen in den Arbeitsmarkt

Dass auf dem Stellenmarkt noch immer Flaute herrscht, zeigen auch die Umfragedaten von Page Personnel. Der vierteljährlich erhobene Vertrauensindex des Rekrutierers fiel im ersten Quartal 2016 erstmals unter 50 Prozent. Gemäss den Daten sind nur 49,8 Prozent der befragten Arbeitnehmer zuversichtlich für die Zukunft. Während dem ganzen Jahr 2015 hatte sich dieser Wert über 50 Prozent halten können.

Die Wahrnehmung des Arbeitsmarktes hat einen neuen Tiefpunkt erreicht. Nachdem die Zuversicht zum Jahresende gestiegen war, herrscht nun wieder Pessimismus. Die Lage wird sogar schlechter eingeschätzt als im ersten Quartal 2015, unmittelbar nach dem Frankenschock. 43 Prozent der Befragten bezeichnen den Arbeitsmarkt derzeit als «schlecht» oder «sehr schlecht». Vor einem halben Jahr waren noch 32 Prozent gewesen.

Umfragedaten beruhen auf subjektiven Einschätzungen und sind daher mit Vorsicht zu geniessen – die Lage kann sich auch wieder ändern. Derzeit bestätigt sich in den Befragungen allerdings, was auch ökonomische Modelle vorhersagen: dass die Arbeitslosigkeit im Jahr 2016 weiter steigen wird. Berechnungen des Seco zufolge soll sie erst 2017 wieder leicht sinken (von 3,6 Prozent auf 3,5 Prozent).

Kommt es 2017 wirklich zur erhofften Wende? Schon möglich. Doch es gibt ein nicht zu vernachlässigendes Risiko, dass die Arbeitslosigkeit auch kommendes Jahr auf einem höheren Niveau als in der Vergangenheit verharrt (hier eine Grafik zur Entwicklung seit 1990). Die Schweizer Erwerbstätigen werden am Frankenschock wohl länger zu beissen haben als an anderen Konjunkturverlangsamungen.