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Studie
Ökonomen fordern schärfere Regulierung für UBS und CS

Mehr Eigenkapital wäre besser, besagt eine neue Studie von Schweizer Ökonomen: UBS-Logo.Quelle: Keystone

Wie viel Kapital sollen Grossbanken halten? Mehr als sie gemäss «Too-big-to-fail»-Regeln müssen, sagen zwei Ökonomen der Uni Basel.

Von Simon Schmid
24.11.2017

UBS und Credit Suisse sind seit der Krise sicherer geworden. Aber noch nicht sicher genug: Zu diesem Schluss kommen die Ökonomen Peter Kugler und Georg Junge in einer Studie, die im Oktober am Wirtschaftswissenschaftlichen Zentrum der Uni Basel erschienen ist und in der neusten Ausgabe der vom Seco herausgegebenen Zeitschrift «die Volkswirtschaft» ebenfalls aufgegriffen wird.

Das Papier trägt den Titel «Optimal equity capital requirements for Swiss G-SIBs». Kugler und Junge rechnen darin vor, wie viel Eigenkapital die Grossbanken im volkswirtschaftlichen Optimalfall halten sollten. Das Ergebnis: Die so genannte Leverage Ratio bei UBS und Credit Suisse müsste bei 6 Prozent liegen statt bei 5 Prozent, wie im es gemäss «Too-big-to-fail»-Regulierung vorgesehen ist. Die Leverage Ratio ist das ungewichtete Verhältnis zwischen dem Eigenkapital und der Bilanzsumme einer Bank.

Die Resultate sind brisant. Nicht zuletzt geht es um viel Geld: Im Fall der UBS entspricht 1 Prozent der Bilanzsumme etwa 9 Milliarden Schweizer Franken. Diese Summe müsste die Bank in Eigenkapital aufbringen, wollte sie den Vorschlägen Folge leisten. Exponenten wie UBS-Chef Sergio Ermotti betonen, dass dies den Finanzplatz teuer zu sehen käme und dass letztlich die ganze Volkswirtschaft unter härteren Regeln leiden würde.

Die Basler Volkswirte widersprechen dieser Darstellung zum Teil. Wie sie schreiben, bremsen höhere Eigenkapitalquoten die Volkswirtschaft durchaus ein Stückweit aus. Doch die Massnahme hat auch einen Nutzen: Er zeigt sich in Form von weniger häufigen Bankenkrisen und einem stetigeren BIP-Wachstum. Den Trade-Off illustrieren sie anhand eines anschaulichen Diagramms:

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Das Schaubild zeigt auf der vertikalen Achse den erwarteten volkswirtschaftlichen Nutzen (in rot) und die erwarteten volkswirtschaftlichen Kosten (in blau) für eine bestimmte Leverage Ratio. Der grösste Abstand zwischen den beiden Kurven stellt sich bei 6,1 Prozent ein: Hier liegt die optimale Eigenkapitalquote der Grossbanken aus Sicht der Gesamtwirtschaft.

Wie kommen die Autoren zu diesen Kurven? Auf der Kostenseite spielen vier Faktoren eine Rolle: die Finanzierungskosten der Banken, die Finanzierungskosten der Unternehmen, der Marktanteil der Grossbanken und das Wachstum der Volkswirtschaft.

  • Die Finanzierungskosten der Banken. Eigenkapital ist aus Sicht von Banken «teuer» - Fremdkapital ist «billig»: Das ist der Grund, warum Banken gerne möglichst schlank unterwegs sind. Doch die Sache ist nicht so einfach, wie gerne behauptet wird. Weil Banken mit mehr Kapital gleichzeitig sicherer werden, reduzieren sich die Finanzierungskosten. Unter dem Strich ist Eigenkapital nur «ein bisschen teuer»: Eine 1 Prozent höhere Leverage Ratio verteuert die Geldaufnahme für Grossbanken um 0,04 bis 0,15 Prozentpunkte.
  • Die Finanzierungskosten der Unternehmen. Wenn Geld für Banken teurer wird, so werden auch Kredite für Unternehmen teurer. Die höheren Kosten schlagen sich aber nur bei gut 10 Prozent der Kredite nieder: So hoch ist nämlich der Marktanteil der Grossbanken im Bereich der Unternehmenskredite in der Schweiz. Höhere Finanzierungskosten wiederum mindern den Anreiz der Firmen, zu investieren, was sich – gemäss einem Wachstumsmodell der Volkswirtschaft – in einer niedrigeren Wirtschaftsleistung niederschlägt. Gemäss den Berechnungen der Autoren mindert eine Erhöhung der Eigenkapitalquote um 1 Prozent das BIP um etwa 0,04 Prozent.

Die volkswirtschaftlichen Kosten steigen linear mit den Eigenkapitalquoten an. Deshalb ist die blaue Linie im Diagramm von Kugler und Junge eine Gerade. Beim Nutzen der Regulierung ist dies anders: Hier stellt sich der grösste Effekt am Anfang ein. Je höher die Kapitalquoten werden, desto geringer werden auch die Effekte, in Form einer geringeren Wahrscheinlichkeit von Bankenkrisen. Deshalb ist die rote Linie eine Kurve, die mit steigenden Quoten immer flacher wird.

Ökonomie ist keine exakte Wissenschaft

Kugler und Junge sind nicht die ersten Volkswirte, die sich mit der Kapitalisierung von Grossbanken auseinandergesetzt haben. Forscher bei der EZB, in den USA und in England haben sich zuvor mit dem Thema auseinandergesetzt. Auch die UBS hat eine Studie dazu finanziert. Doch es handelt sich beim vorliegenden papier um die wohl umfassendste Arbeit, die bisher zu den konkreten Verhältnissen in der Schweiz publiziert wurde.

Trotzdem sollte man die Ergebnisse mit der nötigen Vorsicht interpretieren. Die Modellrechnungen basieren zwar auf konkreten Daten, etwa zu den Bankenkrisen, welche die Schweiz 1911, 1931, 1991 und 2007 erschütterten. Doch am Ende bleiben sie Annäherungen an die Realität: Ob die Eigenkapitalquote nun bei 5, 6, 7 Prozent oder vielleicht sogar darüber liegen sollte, lässt sich nicht abschliessend beurteilen. Zumal sich der optimale Punkt auf der Grafik bereits bei relativ kleinen Änderungen der Parameter, der den blauen und roten Kurven zugrundeliegen, verschieben kann.