Was für ein Zufall: Gerade bricht sich in Europa eine neue Bankenkrise Bahn und just in diesem Moment machen Gerüchte die Runde, die Europäische Zentralbank (EZB) könnte ihr Aufkaufprogramm von Staatsanleihen schneller als anvisiert zurückfahren. Da gibt es keinen Zusammenhang? Womöglich nicht. Fakt ist aber, dass die EZB-Meldung Europas maladen Banken sehr wohl in die Karten spielt. Da braucht man nicht einmal ein grosser Verschwörungstheoretiker zu sein: Womöglich war der Leak bewusst gewählt, um die angeschlagenen Geldhäuser zumindest vorübergehend aus der Schusslinie zu nehmen.

Denn während nach der EZB-Meldung die Börsen heute europaweit gen Süden zeigen, sind Finanzinstitute obenauf: An der Spitze des europäischen Aktienindex Euro Stoxx 50 stehen die Société Générale, BNP Paribas und die schwer in Schieflage geratene Deutsche Bank mit deutlichen Zuwächsen. Die Auswirkungen reichten bis in die Schweiz. Während der SMI kaum vom Fleck kam, legten UBS und Credit Suisse zu.

Banken profitieren von steigenden Zinsen

Warum? Die Banken lechzen nach steigenden Zinsen. Und dass die Zinswende schneller kommt, wird bei einem schneller abschwellenden Anleihekaufprogramm wahrscheinlicher. Vor allem über zwei Kanäle profitieren die Banken von höheren Zinsen: Einerseits erhalten sie von der Zentralbank mehr Geld für ihre Einlagen. Alles was sie selbst besser verzinst bekommen, hilft.

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Andererseits profitieren die Banken von einer ansteigenden Zinskurve, also schlicht vom Verhältnis von kurz- zu langfristigen Zinssätzen. Denn Sie leihen sich kurzfristig von der Zentralbank Geld, um es über einen längeren Zeitraum an Konsumenten und Firmen zu verleihen. Je höher also der Unterschied zwischen kurz- und langfristigen Zinsen, beziehungsweise je steiler die Zinsstrukturkurve, desto besser läuft das Geschäft – und eben an der Börse.