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Free Lunch
Wirtschaftsboom durch Banken-Deregulierung: Trumps Plan für die Fed

Favorit im Rennen um den Vorsitz: Fed-Mitglied Jerome Powell.
Favorit im Rennen um den Vorsitz: Fed-Mitglied Jerome Powell.

Donald Trump dürfte einen Bankenfreund auf den Chefposten bei der US-Notenbank hieven – mit einem konkreten Hintergedanken.

Anastassios Frangulidis
Kommentar  
Von Anastassios Frangulidis
2017-10-31

Der Rücktritt von Stanley Fischer, dem Vizepräsidenten der US-Notenbank, gibt Donald Trump die Möglichkeit, den Gouverneursrat umzukrempeln. Sollte er darüber hinaus entscheiden, das Mandat von Janet Yellen am Ende ihrer Amtszeit im Februar nächsten Jahres nicht zu verlängern, könnte er bis zu fünf der sieben Positionen im Gouverneursrat neu besetzen. Somit könnte er diesem seinen Stempel aufdrücken.

Es ist wahrscheinlicher, dass er den Befürwortern einer entgegenkommenden Geldpolitik den Vorrang gibt, d. h. einer Politik, die durch den Abbau von Regulierungen und einen schwachen Dollar einen konjunkturellen Aufschwung unterstützen würde. Als Hauptkandidat wird momentan Jerome Powell, einer der aktuellen Gouverneure, gehandelt. Er hat stets im Sinne von Yellen gestimmt, und obwohl er lange Zeit nicht im Fokus der Märkte stand, könnte er nun aus dem Schatten hervortreten. Zugleich wäre er der Garant für Kontinuität innerhalb von Fed.

Zu den «Tauben» gehört auch der Präsident der Minneapolis-Fed Neel Kashkari. Er hat sich stets für eine lockerere Geldpolitik ausgesprochen und dabei auf die unter dem Zielwert liegende Inflation verwiesen.  So beträgt die vom Fed beachtete  Kernpreisrate für die privaten Konsumausgaben (Personal Consumption Expenditures oder PCE) aktuell gerade mal 1,3 Prozent und liegt damit klar unter dem von der Fed gewünschten Korridor von 1,5 Prozent bis 2 Prozent. Bei einer naiven Prognose von 0,15 Prozent Preisanstieg pro Monat wird die Kerninflation Ende 2018 bei 1,8 Prozent liegen. Sollte Kashkari der nächste Fed-Präsident werden, wird der Normalisierungsprozess der US-Geldpolitik weiter  in die Zukunft verschoben.

100 Milliarden Dollar neue Kredite

Es gibt aber auch andere Kandidaten, welche eine weniger akkommodierende Politik anstreben. Dazu gehören Kevin Warsh, ehemaliger Fed-Gouverneur, der jetzt in Stanford lehrt, Glenn Hubbard von der Columbia Business School oder John Taylor, ebenfalls Ökonom in Stanford. Sie alle eint ihre Skepsis gegenüber dem geldpolitischen Kurs der Fed in den letzten Jahren sowie der von ihr verfolgten quantitativen Lockerung (QE). Sie setzen sich aber stark für eine Lockerung der Bankenregulierung ein, was ihre Wahlchancen erhöht.

Ein gemässigterer Gouverneur würde dem Abbau der Bilanzsumme entgegenwirken, indem er das Tempo der Zinsanhebung verlangsamt. Anleger am Finanzmarkt scheinen nämlich die Folgen des automatischen schrittweise Bilanzabbaus  auf die Finanzmärkte und die US-Konjunktur zu unterschätzen, sollte dieser nicht durch eine gemässigte Zinspolitik begleitet werden.

Man muss aber darauf hinweisen, dass eine Lockerung der Bankenregulierung die Schleusen für die Vergabe von Privatkrediten öffnet, was zusätzliche Mittel von rund 100 Milliarden Dollar freisetzen würde. Auf der Basis eines Kreditvergabe-Eigenmittel-Verhältnisses von 10:1 könnten neue Kredite im Umfang von bis zu 1000 Milliarden Dollar vergeben werden. Die Liquiditätsreduktion seitens des Fed wäre damit durch die Liquiditätsausweitung des Bankensektors mehr als kompensiert.

Die Wahl des nächsten Notenbankchefs steht im Einklang mit Trumps Ziel, die US-Konjunktur zu stärken. Dazu sind weitere Massnahmen bezüglich der US-Steuer- und Infrastrukturpolitik vor den nächsten Midterm Elections im nächsten Herbst zu erwarten.

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