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Freie Sicht
Amen zur Energiestrategie

 

So sicher wie das Amen in der leeren Kirche, so ­eifrig nehmen die Prediger Stellung zu politischen Wahlen und Abstimmungen – aktuell zur «Energiestrategie 2050».


Kommentar  
Von Urs Paul Engeler
am 18.05.2017

Nachdem ihr Kerngeschäft zusammen­gebrochen ist und die Priester zu Entertainern für gesellschaft­liche Anlässe wie Hochzeiten, Konzertmessen oder Abdankungen geworden sind, verlagern die Kleriker ihre Aktivitäten auf andere Felder, vor allem auf das der Politik. So sicher wie das Amen in der leeren Kirche, so ­eifrig nehmen die Prediger Stellung zu politischen Wahlen und Abstimmungen, aktuell zur «Energiestrategie 2050».


Der Schweizerische Evangelische Kirchenbund, der offizielle Arbeitskreis «oeku Kirche und Umwelt», die Evangelisch-methodistische Kirche und die ­katholischen Bischofsberater der Gruppe «Justitia et Pax» empfehlen einhellig ein Ja zum Ausstieg aus der Kernenergie und zur Subventionierung von Windparks und Solardächern. Den Parolen beigeheftet werden langfädige und ­widersprüchliche Abhandlungen zur «Energieethik»: Gerechtigkeit, spiri­tuelle Wende, ökologische Schuld (der entwickelten Staaten), Endlichkeitserfahrung, Trauerprozesse in der Ablösung des ­fossilen Zeitalters, Weltfrieden, gott­gefälliges Leben in Mässigung.

Bewahrung der Schöpfung

Zentrales Argument all dieser kirch­lichen Aufrufe ist die «Bewahrung der Schöpfung». Was aber heisst «Schöpfung» und was genau ist zu «bewahren»? Seit sie «geschaffen» wurde, hat die Welt sich verändert, sind Arten entstanden und verschwunden, haben Kontinentalplatten sich verschoben, Eis- und Wärmezeiten sich abgelöst. Und seit der Mensch planmässig arbeitet und wirtschaftlich aktiv ist, wandelt sich das ­Erscheinungsbild des Planeten rasant.

Welchen Zustand meinen die Öko-Theologen nun mit ihrer «Schöpfung»? Die Jahrmillionen vor dem Auftauchen des Homo sapiens, das Mittelpaläolithikum mit den Neandertalern, die Bronzezeit, die Lage zu Zeiten Jesu, die Ära vor der Industrialisierung und vor dem Automobil oder einfach eine Welt ohne Kernkraftwerke? Und bedeuten das Stauen von Wasserläufen, die Montage von Windrädern und Gleisen «Bewahrung»?


Wer verschweigt, der lügt

Auf solche schriftlich eingereichten ­Fragen antworten die Sozialethiker der bischöflichen «Justitia et Pax» nicht. So sucht der Bürger Orientierung in einem gefeierten Grundlagentext zur christlichen Ökologie: in der 2015 erschienenen päpstlichen Enzyklika «Laudato si», die auch von Linken und Grünen nachge­betet wird. Gut fünfzigmal ist darin von der «Schöpfung» und «ewigen Schöpfung» die Rede. Definiert wird sie völlig irrational (und ohne jede inhaltliche Beschreibung) streng nach der biblischen Mythologie (Buch Genesis) als von Gott in sieben Tagen geschaffener Urzustand. 

Wer diese «Unversehrtheit» tangiere, frevle wider Gott (Ursünde). Dass aber gemäss Genesis 1,26 die Menschen sich entwickeln, ja «herrschen» sollen «über die ganze Erde», unterschlägt der Papst, der eben samt Tross und Papamobilen nach Portugal (und zurück) geflogen ist, in seiner ellenlangen Mahnschrift. Bewusstes Verschweigen ist Lüge. Die neue Umwelt-Theologie ist Sünde, alte Angstmacherei und hohle Politpropaganda.


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